
The Fake Friends
Let’s Not Overthink This
Stomp Records
Stilistisch bewegen sich The Fake Friends souverän zwischen der kantigen Nervosität von Pylon und Wire, der Indie-Smartness von Parquet Courts und Cloud Nothings – mit jener tanzbaren Präzision, die einst Franz Ferdinand in die Clubs brachte. Doch statt bloßer Referenzhuberei entsteht hier ein eigenständiger Sound: stilbewusst, ohne geschniegelt zu wirken; ernsthaft, ohne verbissen zu klingen.
Die Band, ursprünglich 2020 als loses Projekt zum Abhängen gegründet, ist längst mehr als ein Szeneliebling. Frontmann Matthew Savage und Gitarrist Luca Santilli formten das Grundgerüst, ergänzt
durch langjährige Weggefährten – eine Konstellation, in der Hardcore-Vergangenheit und DIY-Geist noch nachhallen. Diese Energie ist geblieben, aber sie wirkt heute gebündelt, kontrollierter,
bewusst unordentlich.
Schon der Opener „Ministry Of Peace“ sendet als jitternde Störfrequenz ins mediale Dauerrauschen. „No truce“ wiederholt Savage mantraartig, während die Gitarren wie Antennen in den Äther
schneiden. Das zentrale Motiv des Albums ist gesetzt: Wie behauptet man sich selbst, wenn die Nacht in alle Richtungen kippt? „Sucker Born Every Minute“ verbindet melodischen Punch mit
selbstreflexiver Giftigkeit, „The Way She Goes“ kontert mit kühler Zurückhaltung und jener Spannung zwischen Begehren und Selbstsabotage, die The Fake Friends meisterhaft ausloten.
Im Zentrum steht „HyperConnection“, das zuckende Herzstück der Platte. Ein schimmernder, eng getakteter Track, der Witz und Angst in Balance hält. Zwischen Augenrollen über Astrologie,
gescheiterten Leseversuchen und missverstandenen Signalen verdichtet sich das Mantra „all eyes on me“ vom Selbstbewusstsein zum Druckgefühl. Hier gelingt der Band ihr stärkster Moment:
Alltagsabsurditäten werden kathartisch, eingängig und angenehm angeknackst.
Im weiteren Verlauf schwankt die emotionale Temperatur in Wellen. „Control“ verlangsamt den Puls, legt flirrende Keys über einen Beat, der sich anfühlt wie ein zu schneller Heimweg durch
klirrende Kälte. „Living The Dream“ kippt die Floskel ins Unbehagliche, „Backstreet’s Back pt. II“ trägt dunklen Swagger, ohne seinen Geist beim Namen zu nennen. „Dance On My Grave“ grinst
trotzig in den Spiegel nach der schlimmsten Nacht des Jahres. Und „Good Friends“ beschließt das Album reduziert – Klavier, Stimmen, eine letzte bittere Wahrheit: „you fuckin’ hate this
town.“
Let’s Not Overthink This ist ein Debüt mit erarbeiteter Souveränität. Nostalgisch, ohne rückwärtsgewandt zu sein. Modern, ohne Trends hinterherzulaufen. Es klingt wie Dampf, der im Winter von der
Jacke aufsteigt, während Freunde deinen Namen über die Straße rufen und die Stadt unter deinen Füßen brummt.
