SCHLACHTRUF 1.3.1.2.
Remaster against humanity CD
Pauli Punker Records
Schlachtruf 1.3.1.2. – das klingt wie ein Passwort, das man besser nicht falsch eingibt, und fühlt sich live genauso an: irgendwo zwischen Abrissbirne und Gruppentherapie, nur ohne Therapie und
mit deutlich mehr Bier (auch alkoholfrei, aus Gründen der Provokation).
Was hier passiert, entwickelt einen größtmöglichen Unterhaltungswert und tolle Songs, die TANKARD, Der Durstige Mann und GANG GREEN alt aussehen lassen. Punk trifft Metal, beide stolpern über
ihre eigenen Schnürsenkel und landen direkt im Gesicht des Publikums – und das Publikum sagt Danke und will mehr.
Die Texte? Ein wilder Ritt durch alles, was sonst keiner anfasst: alkoholfreies Bier (mutig), Globuli (gefährlich), Influencer (lebensmüde) und die existenzielle Tragödie, Musiker zu sein
(selbstverschuldet). Spätestens wenn über die tödlichen Risiken von Schnürsenkeln philosophiert wird, weiß man: Hier wird nicht nur gesungen, hier wird abgerechnet.
Die Ursprünge reichen zurück ins Jahr 2012, als im Proberaum eines Jugendzentrums eine Handvoll milchgesichtiger Teenager versuchte, Musik zu machen – mit Ergebnissen, die man heute vermutlich
als Bio-Waffe einstufen würde. Konsequenz: Rückzug. Und stattdessen Training. Nicht musikalisch, sondern trinktechnisch.
Ende 2023 dann das Comeback, das niemand gefordert hat, aber alle bekommen haben. Aus der glorreichen Idee, alte Songs neu aufzunehmen, wurde plötzlich eine Band, die klingt, als hätte sie nie
etwas anderes gemacht – außer vielleicht fragwürdige Entscheidungen zu treffen.
Mit „Remaster Against Humanity“ liefern sie ein Album ab, das sich anfühlt wie ein Tritt in die Magengrube – nur sympathischer. Zwölf Songs, die gleichzeitig alles und nichts ernst nehmen. Titel
wie „0.0 (non-alcoholic beer)“, „Shoes“ oder „Evidence Chamber“ zeigen eindrucksvoll: Diese Band sieht zwar gefährlich aus, ist aber vor allem gefährlich albern. Und genau das macht sie
gefährlich gut. Musikalisch erinnert das ganze hier an Bands wie The Good, The Bad and the Zugly.
Wenn es dann mit „Scum of Humanity“ oder „Globule Overdose“ gesellschaftlich unangenehm wird, merkt man: Der Wahnsinn hat Methode. Oder zumindest Rhythmus.
Unterm Strich bleibt: Hirn aus, Glas voll, Verstärker an. Passau hat selten so charmant einen an der Waffel gehabt.
Drunk, Disorder und Denim! Läuft gut rein!
