
Monolithe Noir
La foi gelée LP/CD
Humpty Dumpty Records
Mit La foi gelée legt Monolithe Noir ein Werk vor, das seine ästhetische Position weiter zuspitzt und zugleich zugänglicher erscheint als seine Vorgänger. Die Auflösung klassischer Grenzziehungen
– zwischen elektronischer und akustischer Klangproduktion ebenso wie zwischen Songstruktur und freier Form – ist dabei kein Selbstzweck, sondern dient der Verdichtung einer klar erkennbaren
emotionalen Dramaturgie.
Auffällig ist die stärkere Gewichtung der Stimme, die hier nicht mehr bloß als texturales Element fungiert, sondern als narratives Zentrum. Gerade in den direkteren Stücken entsteht daraus eine
neue Unmittelbarkeit, ohne dass die klangliche Komplexität aufgegeben würde. Parallel dazu gewinnt der Bass an Präsenz und fungiert als strukturelles Rückgrat, während Gitarrenflächen und
gestrichene Saiten eine organischere, teilweise fast körperliche Klanglichkeit erzeugen.
Inhaltlich kreist das Album um Verlust und Desorientierung, verweigert sich jedoch konsequent einer rein düsteren Lesart. Stattdessen entfaltet sich eine ambivalente Helligkeit, die sich aus
Bewegung, Suche und Transformation speist. Die Stücke wirken weniger wie abgeschlossene Einheiten als vielmehr wie Übergangsräume – Passagen, die den Hörer von einem Zustand in den nächsten
überführen.
Mit „Flutter“ kulminiert dieses Prinzip in einer kollektiven Geste: Die Vielzahl beteiligter Musiker:innen erweitert das Klangspektrum und verleiht dem Album einen fast rituellen Charakter. Hier
verdichtet sich die zentrale Idee des Werks – das bewusste Sich-Aussetzen, das Fortschreiten ohne Rückversicherung.
La foi gelée ist damit kein leicht konsumierbares Album, aber ein kohärentes und sorgfältig konstruiertes. Es verlangt Aufmerksamkeit und belohnt diese mit einer vielschichtigen, immersiven
Hörerfahrung, die sich zwischen Intimität und klanglicher Entgrenzung bewegt.
