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KATER - Into thin air

KATER - Into thin air
KATER - Into thin air

KATER

Into thin air
Fuego
Mit ihrem zweiten Album „Into Thin Air“ versucht die Bremer Band KATER einen Schritt aus dem Schatten ihres Debüts the great idea of leaving (2022) – und zugleich eine stilistische Neupositionierung. Wo das erste Album noch zwischen Indie-Rock und elektronischen Texturen pendelte, wirkt der Nachfolger wie eine bewusste Kurskorrektur: weniger ornamentiert, dafür lauter, kantiger und deutlich stärker an Gitarrenmusik orientiert. Der Sound bewegt sich zwischen Postrock-Dynamiken und den schwereren Texturen des 90er-Post-Grunge – ein Feld, das viele Bands seit Jahren beackern, ohne es unbedingt neu zu vermessen.

Schon der Opener „Slipping Away“ macht klar, wohin die Reise geht: dichter arrangierte Gitarren, ein insgesamt dunkleres Klangbild und Songs, die stärker auf Dynamik als auf klangliche Vielfalt setzen. Ruhige Passagen bauen Spannung auf, nur um kurze Zeit später in massive Gitarrenwände umzuschlagen – ein dramaturgisches Muster, das sich durch große Teile des Albums zieht. Dieser Ansatz funktioniert immer dann besonders gut, wenn die Band die Balance zwischen Atmosphäre und Explosion hält. In anderen Momenten wirkt die Formel jedoch fast zu vertraut: leise Strophe, anschwellender Aufbau, kathartischer Ausbruch.
Der erweiterte Songwriting-Prozess – mit Finn Stockmann als zweitem Gitarristen und zusätzlichem kreativen Kopf – bringt hörbar mehr Struktur in das Material. Die Arrangements sind präziser als auf dem Debüt, die Songs wirken kompakter und zielgerichteter. Gleichzeitig geht mit dieser Straffung ein gewisser Verlust an Unvorhersehbarkeit einher. Wo frühere Stücke gelegentlich noch Umwege nahmen, orientiert sich „Into Thin Air“ stärker an klaren Spannungsbögen.
Besonders deutlich wird das in den Tracks „In Circles“, „The Glass“ und „For A Spell“. Sie tragen ihre Grunge-Referenzen offen zur Schau – von den schweren Gitarren bis zur melodischen Melancholie der Refrains. Das funktioniert als Hommage, stellt die Band aber auch vor ein Problem: Die Referenzräume sind so deutlich, dass sie manchmal stärker im Vordergrund stehen als die eigene Handschrift.
Interessanter wird es dort, wo KATER die Strukturen aufbrechen. „I Should Know“ und „The Tide“ öffnen klangliche Räume, die über klassische Alternative-Rock-Formeln hinausgehen. Hier erlaubt sich die Band mehr Reibung, mehr atmosphärische Offenheit – Momente, in denen das Album tatsächlich über seine Einflüsse hinausweist.
Der Titeltrack „Into Thin Air“ bildet den emotionalen Gegenpol. Als reduzierte, schwebende Postrock-Ballade funktioniert er weniger über Wucht als über Zurückhaltung. Diese Fragilität steht dem Album gut und zeigt eine Seite der Band, die im restlichen Verlauf etwas häufiger hätte auftauchen können.
Am Ende mündet die Platte in „Echoes“, einem hymnischen Abschluss, der den dramaturgischen Bogen konsequent zu Ende führt. Inhaltlich kreist das Album um Fragilität, Selbstzweifel und den Druck permanenter Selbstverortung – Themen, die gut zu der insgesamt schweren Klangästhetik passen, auch wenn sie textlich selten überraschende Perspektiven eröffnen.
Was „Into Thin Air“ letztlich interessant macht, ist weniger seine stilistische Radikalität als die Ernsthaftigkeit seines Anspruchs. Während viele Bands in vergleichbaren Situationen einzelne Songs für Streaming-Logiken optimieren, setzen KATER bewusst auf das Album als zusammenhängendes Format. Die Platte funktioniert deshalb am besten, wenn man sie als Ganzes hört – als Spannungsbogen zwischen Dichte und Auflösung.
Trotzdem bleibt ein gewisser Zwiespalt: „Into Thin Air“ ist ein konzentrierteres, handwerklich stärkeres Album als sein Vorgänger. Gleichzeitig bewegt es sich stilistisch oft in vertrauten Bahnen. KATER zeigen hier deutlich, dass sie ihren Sound gefunden haben – die spannendere Frage für zukünftige Veröffentlichungen wird sein, wie weit sie bereit sind, ihn noch zu verschieben.


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