
LARSEN
Decalcomania LP
Erototox Decodings
„Decalcomania“ ist kein Album, das sich nebenbei erschließt – es ist eher ein Raum, den man betritt. Einer, der über Jahre hinweg geformt wurde: aufgenommen 2022 in Turin, weiterbearbeitet 2024
in Los Angeles, schließlich 2025 in New York finalisiert. Diese zeitliche und räumliche Distanz ist hörbar – nicht als Bruch, sondern als vielschichtige Patina.
Auf fünf ausufernden Tracks entfaltet Larsen eine Art experimentelle Lounge-Ästhetik, die sich jeder klaren Zuordnung entzieht. Ambient-Flächen fließen in gedämpfte Dub-Strukturen, fragile
Elektronik tastet sich an Jazz-Motive heran, während immer wieder tranceartige Pop-Momente aufscheinen – nur um sich gleich wieder im Offenen zu verlieren. Es ist Musik, die eher schwebt als
voranschreitet, eher andeutet als festlegt.
Zusammengehalten wird dieses Changieren von der typischen Larsen-Sensibilität: eine Haltung, die sich bewusst jeder Eindeutigkeit verweigert und gerade darin ihre Form findet. Darüber legt sich
Little Annies Stimme wie ein Schleier – ihre Texte wirken zugleich präzise und entrückt, fast wie kryptische Notizen aus einem anderen Bewusstseinszustand. Sie erklärt nichts, sie öffnet.
Die epischen Längen der Stücke sind dabei kein Selbstzweck, sondern Spielfläche: Jeder Track wird zum eigenen Mikrokosmos, in dem sich Avantgarde, Trance und improvisatorische Momente begegnen.
„Decalcomania“ funktioniert so weniger als Sammlung von Songs, sondern als Serie von klanglichen Experimenten – kunstvoll, fordernd und von einer eigentümlichen, fast hypnotischen Eleganz
durchzogen.
