
TORPEDO MAYER
Die Schönheit des Scheiterns LP/CD
Pauli Punker Records
Breakfastbeer statt Café Latte, Erdbeer-Daiquiri statt gequirlte Scheiße, ein Seemannsköpper statt Arschkrampe. TORPEDO MAYER fordern und fördern: Tanze deine Wut und schüttel' deine Lenden;
Recht auf Faulheit garantiert. Mit Bluesgetränkten Punk, entspannter Atmosphäre mit Baggersee-Romantik und Abhäng-Feeling im Monheimer Landschaftspark mit Johnny Moped, Straßenjungs und einer
ordentlichen Portion rheinischer Rotzigkeit im Gepäck. Was hier aus den Boxen suppt, ist kein geschniegelt produzierter Szene-Sound, sondern ehrlicher Krach mit Herz, Bierflecken und einer klaren
Haltung gegen Leistungsdruck und Selbstoptimierung.
„Die Schönheit des Scheiterns“ ist dabei Programm: TORPEDO MAYER zelebrieren das Unperfekte, stolpern bewusst durch ihre Songs und landen dabei erstaunlich oft genau richtig. Zwischen
schnoddrigem Gesang, schrammelnden Gitarren und diesen kleinen, fast schon zärtlichen Momenten blitzt immer wieder eine Melancholie auf, die dem Ganzen Tiefe verleiht.
Textlich pendelt das Album zwischen Kneipenphilosophie und Alltagsflucht – mal augenzwinkernd, mal resigniert, aber nie gleichgültig. Es geht um das Scheitern als Befreiungsschlag, um das Recht,
auch mal nichts zu wollen, und um die kleinen Siege im großen Chaos.
Musikalisch irgendwo zwischen Deutschpunk, Garagen-Attitüde und einem Hauch Indie-Schlurfigkeit angesiedelt, bleibt die Platte angenehm unaufgeregt. Kein Track drängt sich zu sehr in den
Vordergrund, dafür funktioniert das Album als Gesamtgefühl umso besser – wie ein langer, warmer Abend, der irgendwann im Morgengrauen endet, ohne dass man genau sagen kann, was eigentlich
passiert ist.
Fazit: Keine Platte für Hochglanzliebhaber, aber genau richtig für alle, die lieber stolpern als geschniegelt marschieren. TORPEDO MAYER liefern mit „Die Schönheit des Scheiterns“ den Soundtrack
für kontrollierten Kontrollverlust – und das ziemlich überzeugend.
