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Generation Gap

Generation Gap
Generation Gap

Klagenfurt, späte 1990er: Ein paar junge Musiker treffen sich in verrauchten Proberäumen, bewaffnet mit Gitarren, Bass, Schlagzeug und einer Liebe zu Ska, Punk und Hardcore. Schnell wird klar: Das ist kein Hobbyprojekt, das ist Leidenschaft. Generation Gap entsteht – eine Band, die Ska-Offbeat mit Punk-Energie verbindet, die Bühnen Europas erobert und bis heute die österreichische Szene prägt. Ihr Comeback-Album Reconstructed (2025) zeigt: Nach über zwei Jahrzehnten ist die Band noch immer hungrig, laut und tanzbar.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1998 hat sich Generation Gap einen eigenen Stil erarbeitet, der klassische Ska-Rhythmen mit der Geschwindigkeit des Punkrocks und der Aggressivität des Hardcore verbindet. „Wir wollten Musik machen, die gleichzeitig zum Tanzen und Ausrasten bringt. Ska hat den Groove – Punk hat die Energie“, erklärt Sänger und Texter Raphael Schmid. Schon die frühen Shows der Band zeichneten sich durch minimale Bühnenbarrieren und maximale Energie aus. In kleinen Clubs und alternativen Jugendzentren von Kärnten entwickelte sich das Publikum schnell zu einem aktiven Teil der Konzerte – mitsingen, tanzen, Pogo springen gehörte zum Erlebnis dazu.
Musikalisch ist Generation Gap ein typisches Beispiel für Ska-Core. Treibende Offbeat-Gitarren treffen auf schnelle Punk-Riffs, durchbrochen von Breakdowns im Hardcore-Tempo und gelegentlichen Reggae-Passagen, die das Tempo variieren und den Groove in den Vordergrund rücken. „Die besten Shows sind die, bei denen du nach zwei Songs nicht mehr weißt, ob du auf der Bühne oder im Publikum stehst“, ergänzt Gitarrist Michael Ambrosch, der die Energie der Band maßgeblich prägt. Genau diese Dynamik macht Generation Gap zu einer Band, die live noch stärker wirkt als auf Tonträgern.


Die Band ist dabei nicht nur lokal verankert, sondern auch Teil eines größeren europäischen Ska-Punk-Netzwerks. Touren führten die Musiker nach Deutschland, wo sie etwa mit Rantanplan auftraten, und in internationale Zusammenhänge wie die Shows mit The Toasters und Leftöver Crack. In diesem Umfeld entsteht ein Netzwerk aus Freundschaften, Vans, DIY-Shows und gegenseitiger Unterstützung, das die europäische Szene zusammenhält. „Die Szene funktioniert wie eine Familie. Wenn du einmal Teil davon bist, öffnen sich Türen in ganz Europa“, beschreibt Ambrosch.
Textlich bewegt sich Generation Gap zwischen politischer Haltung und Alltagsbeobachtung. Ska und Punk haben historisch immer auch gesellschaftliche Perspektiven geliefert, und Generation Gap knüpft an diese Tradition an. Die Band schreckt nicht davor zurück, Themen wie soziale Ungleichheit oder persönliche Freiheit anzusprechen, bleibt dabei aber nie dogmatisch. „Wir sind keine politische Predigtband. Aber wenn man Punk spielt, hat man automatisch auch eine Haltung“, sagt Schmid. So entsteht eine Mischung aus Tanzbarkeit und inhaltlicher Substanz, die sowohl auf Konzerten als auch beim Anhören der Alben funktioniert.

Trotz ihres Engagements war auch Generation Gap nicht vor Pausen gefeit. Zwischen 2007 und 2009 legte die Band eine längere Auszeit ein, persönliche Projekte und Alltag erforderten Abstand. Doch wie in der DIY-Kultur üblich, bedeutete das kein endgültiges Ende. 2025 kehrte die Band mit Reconstructed zurück. „Reconstructed bedeutet für uns nicht Nostalgie – sondern weiterzumachen“, erklärt Schmid. Das Album greift klassische Stärken auf – schnelle Ska-Punk-Tracks, harte Gitarren, eingängige Refrains – und klingt gleichzeitig strukturierter und gereifter als frühere Veröffentlichungen.
Die heutige Besetzung besteht aus Michael Ambrosch (Gitarre, Gesang), Mario Wunder (Gitarre, Gesang), Raphael Schmid (Gesang, Texte), Michael Fuchs (Bass) und Michael Golautschnig (Schlagzeug). Mehrstimmige Vocals, treibende Rhythmussektion und die Kombination zweier Gitarren bilden das Rückgrat des Ska-Core-Sounds, der Generation Gap seit 25 Jahren prägt.
Wer einen Einstieg in die Band sucht, sollte fünf Songs besonders kennen:
„Operation Desert Rain“ als schnelle Ska-Core-Einstiegsnummer, „Give It A Go“ für eingängige Hooks und Mitgröhl-Refrains, „Expectations“ als typischer Mix aus Offbeat und Hardcore-Energie, „Now Look I Smile“ für die melodischere Seite der Band und „Party In My Body“ als kompakter, energiegeladener Abschluss des Albums, der die lokalen Wurzeln und internationale Energie der Band perfekt zusammenfasst.
Auch nach über zwei Jahrzehnten bleibt Generation Gap ein lebendiger Bestandteil der europäischen Ska-Punk-Szene. Clubs, Festivals und DIY-Events bilden weiterhin das Rückgrat des Genres. Die Band zeigt, dass Ska-Punk nicht nur eine nostalgische Erinnerung, sondern ein Lebensgefühl ist, das Energie, Gemeinschaft und Haltung verbindet. „Am Ende geht es nicht darum, wie groß die Bühne ist. Wichtig ist nur, dass der Offbeat läuft und die Leute tanzen“, sagt Schlagzeuger Michael Golautschnig. Und genau das passiert auf jeder Bühne, auf der Generation Gap heute steht – in Kärnten, Wien, Deutschland oder auf Festivals quer durch Europa.
Generation Gap beweist damit, dass Offbeat, Punk-Energie und Durchhaltevermögen nicht nur Schlagworte sind, sondern eine Lebensphilosophie, die über zwei Jahrzehnte hinweg tragfähig bleibt. Und wer einmal eine Show der Band erlebt hat, weiß: Ska-Core lebt, solange die Band die Bühne betritt.
Für Fans der Szene ist klar: Generation Gap ist mehr als Nostalgie. Sie sind ein lebendiger Teil der europäischen Ska- und Punk-Community – und sie zeigen, dass Offbeat, Haltung und Durchhaltevermögen zusammenpassen.

Das Interview

Im Gespräch mit Raphael Schmid

Vielen Dank, dass du dir Zeit für das Gespräch nimmst. Beginnen wir ganz vorne: Wie würdest du die Punkszene in Klagenfurt und Kärnten Ende der 1990er-Jahre beschreiben, als Generation Gap gegründet wurde? 
Unsere Gründung fiel definitiv in eine Hochphase der Punkszene in Kärnten. Alles war voll im Gange. Graz war szenemäßig voll am Laufen (siehe Conan City Collective rund um Red Lights Flash, Animaniax, Sick of Silence, Bounz the Ball1, und auch in Kärnten hatten sich bandmäßig bereits wichtige Vertreter zusammengetan.
Man denke dabei zum Beispiel an Springy Pinestix (Pop-Punk), Beatbrats (Punkrock) oder Rotten Rooters (Skapunk/Skacore).
Das hat uns schon mächtig inspiriert und mitgezogen. Es gab nicht nur internationale Vorbilder wie Bad Religion, NOFX, Rancid, Offspring, Green Day, sondern auch regionale, denen wir einerseits nacheifern wollten und an denen wir uns andererseits auch gerieben haben.
Das Spannende an der Zeit war, dass es so richtig vibriert hat. Die Konzertbesucher:innen waren bunt und vielfältig: von pflastersteinwerfenden Anarcho-Antifa-Teens über Metalheads bis hin zu modisch-oberflächlichen Poppunkern und Alternative-Hippies war alles vertreten. Das Besondere war, dass es klare Zugehörigkeiten gab, aber dennoch ein gemeinsames Ganzes spürbar war.
Die Konzerte waren ebenso bunt besucht, und wir fanden es immer spannend, wenn genreübergreifende Konzerte stattfanden. Du schautest von der Bühne runter und sahst headbangende Metal-Jugendliche, wild pogende Assi-Punks, introvertiert tänzelnde Post-Grunge-/Emos und blau-, orange- oder grünhaarige Poppunks.
Es gab sicher rund zehn Einzelpersonen oder Grüppchen, die alleine in Klagenfurt (damals ca. 80.000 Einwohner:innen) regelmäßig Konzerte organisierten. Die Möglichkeiten dazu waren breit aufgestellt: ob im Jugendforum Mozarthof, im Jugendzentrum Point, im Café Pankraz, im legendären Barfly oder auch im Galeriecafé.
Es war Low Budget, und der Eintritt kostete schon mal einfach nur 10 Schilling (in Eurozeiten, die dann auch bald kamen, waren das rund 3 €). Schnell kamen dann auch weitere Bands dazu – ein, zwei, drei, vier Jahre nach unserer Gründung – und jede brachte wieder etwas ganz Spezielles und Eigenständiges in die Szene ein: Crossfire (Streetpunk), Paid for Reality (härterer Punk), First Aid (Skatepunk), Los Finitos (Deutschpunk), Flashin’ Flames (Sunnyboy-Punkrock mit Trompete), Shnaeps (Deutschpunk), Scheissegal (Deutschpunk), Hörgerät (HC-Punk), Thirteen (Poppunk), um nur einige zu nennen.
Ein herrlicher DIY-Spirit herrschte, und die mühevolle Arbeit wurde getan – um die Szene zu hegen und zu pflegen und um sie in vollen Zügen genießen zu können. Es hat einfach richtig gut gepasst: Wir waren jung, hatten noch kaum Verpflichtungen, waren in der Sturm-und-Drang-Zeit unseres Lebens und konnten alles in vollen Zügen genießen und mitgestalten.
Später kamen dann natürlich auch noch Cracks wie etwa Missstand auf die Bildfläche, die – neben saugeiler Mucke – das DIY-Gen tief inhaliert haben.


»Wenn man sich als Punk schon „against all authority“ denkt und fühlt, dann ist es klar, dass man eher zu der Haltung „Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt“ tendiert.«


Und wie seht ihr die Szene heute? Welche Veränderungen sind dir aufgefallen, sowohl in der Organisation von Konzerten als auch im Publikum und der Kultur?
    Heute gibt es gefühlt nur noch zwei bis drei Locations, in denen hin und wieder etwas in diese Richtung stattfindet, und null bis zwei Menschen, die – nicht als Clubbesitzer:innen mit klarem ökonomischen Hintergedanken bzw. aus reinen Überlebensstrategien – alle heiligen Zeiten einmal auf die Idee kommen, ein Konzert zu organisieren.
Aktuell und eigentlich schon seit wahrscheinlich rund 15 Jahren, gibt es nicht einmal ansatzweise mehr diese Vielfalt an Bands, es kommen kaum junge nach. Konzerte sind meist eine Art romantisches „Wir-erinnern-uns-an-unsere-Jugend“-Szeneüberbleibsel-Klassentreffen von Menschen um die 40, die für einen Abend aus Familie und Arbeit ausbrechen und sich in die „alten Zeiten“ zurückversetzen – wenn auch nur für einen Abend.
Wir haben noch ein Jugendkulturzentrum, in dem du relativ planungssicher (niedrige Fixausgaben und gut vorhandenes Equipment) Konzerte organisieren kannst, ohne gleich in den Privatkonkurs zu schlittern, wenn dann halt doch „nur“ 30 Leute kommen. Sonst gibt es ein, zwei, drei recht teure Clubs – da wird es dann schwierig, und es klappt am ehesten, wenn z. B. die Mad Caddies – aus welchen Gründen auch immer – einen Tourstopp in Klagenfurt einlegen wollen.
Bei den letzten fünf, sechs Konzerten, die wir hier in Klagenfurt gespielt haben, haben wir aber auch gesehen, dass es durchaus – wenn auch nicht in großen Massen – Nachwuchs im Publikum gibt. Das sind einerseits die Kinder von manchen von uns, ehemaligen intensiven Szenegänger:innen der 90er. Aber – und das ist schön zu sehen – es gibt auch Antifa-Nachwuchs (für mich persönlich zusätzlich erfreulich, dass sie mehr auf die Waffe der Sprache und Argumente setzen als auf blindes, provokatives Vandalentum zur Verbreitung ihrer Message), Oi-Skin-Nachwuchs und Punknachwuchs.
Letztens war da auch ein etwa 17-jähriger Besucher mit einem Shirt von uns, das älter war als er selbst – das ist dann schon spannend und sorgt für ein wohliges Gefühl.
Richtig schön zu sehen sind dann die einzelnen Pflänzchen, die hier und dort doch noch aufgehen. Ich denke da zum Beispiel an Bands wie Candie, Börderlane oder „Heimwerker“ aka „Geheimwerker“ – oder unter welchem der 40 Aliases auch immer sie gerade unterwegs sind.

Eure Band entstand in einem Umfeld, das stark von DIY-Kultur geprägt war. Welche Bedeutung hatte diese Kultur damals für euch – und welche Rolle spielt sie heute noch in euren Shows und Touren?
    Es war die Normalität – die wunderbare und nicht anders denkbare Normalität. Wenn man sich als Punk schon „against all authority“ denkt und fühlt, dann ist es klar, dass man eher zu der Haltung „Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt“ tendiert.
Das Tun war immer eine Mischung aus „Ich mache es, weil ich so leben, feiern und mich mit ähnlich Denkenden umgeben will“ und „Ich mache es, damit wir als Szene stark, lebendig und aktiv sind“. Dazu kommt natürlich, dass wir vieles selbst steuern konnten – zumindest die Rahmenbedingungen, die wir geschaffen haben: Wir wollten es billig (zugänglich für möglichst viele), wir wollten es als Safe Space für Linke und Neutrale, und wir wollten, dass es kracht und Spaß macht.
Heute ist es aus meiner Sicht in der Szene weitestgehend noch immer dasselbe – nur mit dem Unterschied, dass es weniger Möglichkeiten und weil es weniger aktive Motor:innen gibt. Es konzentriert sich stärker auf größere und bekanntere Strukturen und wird dadurch natürlich auch weniger DIY.
Es gibt heute für „Fans“ ungleich mehr Möglichkeiten als damals, nicht „Hänschen“ deiner Lieblingsmusikrichtung sehen zu „müssen“ (z. B. Generation Gap im Skapunk), sondern gleich aufs Punkrock Holiday oder das SBÄM-Fest ums Eck zu fahren und dort Bands wie The Suicide Machines, Jaya the Cat oder Mad Caddies zu sehen. Dadurch hat leider auch eine gewisse Aushöhlung der natürlichen, lokalen Szenebasis stattgefunden. Ob das daran liegt, dass sich die „Ärmel-hoch-“, „Ich mach’s selbst“-Mentalität nicht mehr so stark verbreitet findet, oder am hochkarätigen Überangebot, ist die klassische Henne-Ei-Frage.
Für uns stellt es sich aktuell so dar: Nachdem wir nach einer sehr aktiven Anfangsphase rund 14 Jahre lang – bis 2025 – quasi nur mehr für uns im Proberaum Musik gemacht, nichts veröffentlicht und kaum bis keine Konzerte gespielt haben, sind wir heute, trotz eines aus unserer Sicht wunderbaren Comeback-Albums, wieder stark auf unser eigenes, oft mühsames DIY-Bemühen angewiesen, wenn es darum geht, Konzerte zu spielen.
Wir haben manchmal das Gefühl, dass es beim Klarmachen von Shows nicht mehr so sehr darauf ankommt, wie die Musik klingt, wie stark die Messages sind oder wie authentisch man die Subkultur vertritt, sondern vielmehr darauf, wie ausgeklügelt der Social-Media-Auftritt ist, wie viele Follower man auf Instagram hat und wie viele Streams man auf „Shittify“ vorweisen kann.
Das kann schon frustrierend sein, wenn man sich durch seichte und belanglose neue Releases hört und sieht, auf welchen Bühnen diese dann landen. Aber nachdem es uns immer um „stay true to yourself“ gegangen ist und wir im Grunde immer nur mit unserer eigenen Musik zufrieden sein wollten – und das noch immer wollen –, ist es letztlich egal, ob wir wieder für 15 Jahre im Proberaum verschwinden, uns an uns selbst erfreuen und dann vielleicht mit Rollator und mobilem Infusionsständer das nächste wahrnehmbare Comeback im Jahr 2040 feiern.
In diesem Sinne: Fühlt euch alle eingeladen, uns zu schreiben und uns zu buchen: wir sind pflegeleicht, ziemlich billig und auf jeden Fall willig.

Skacore ist ja ein spezielles Genre, das Ska-Offbeat, Punk und Hardcore verbindet. Wie würdest du euren eigenen Stil innerhalb dieses Genres definieren, und worin unterscheidet er sich vielleicht von anderen Bands?
    Wir haben Skapunk-Songs, wir haben Skacore-Songs und vereinzelt auch reine Ska-Nummern. Als Traditional Ska würden wir aber selbst in den reinen Ska-Songs wahrscheinlich nicht durchgehen – dafür ist es einfach zu „rotzig“.
Wir mischen meist schnelleren Ska, der durchaus eine gewisse Nähe zu Crack Rock Steady (Choking Victim) nicht ganz verstecken kann, aber wahrscheinlich eine kleine Portion runder und weniger kantig ist, mit Punkrock, der über die einfachste 3-Akkorde-Schemata hinausgeht und ein wenig ausgefeilter sein will – und trotzdem diesen klaren Drang hat, „nach vorne zu gehen“ und „auf die Schnauze zu geben“.
Dazu kommt immer wieder gern ein wenig Reggae und auch etwas Härteres. Und fertig ist die Sauce.
So richtig viele Bands, die genau in diese Richtung gehen, kenne ich nicht, obwohl es sie sicher gibt. Aber liebe Leser:innen: Am besten einfach reinhören und uns zurückmelden, schreiben oder posten, wie ihr es findet und an was es euch vielleicht erinnert2.

Gerade live fällt eure Energie sofort auf. Wie beeinflusst die Mischung aus Ska, Punk und Hardcore eure Shows und die Interaktion mit dem Publikum?
    Natürlich ist bei unserer Mischung fast für jede:n etwas dabei. Es gibt immer wieder einzelne Passagen – egal ob gerade das harte Punk-Brett oder der Schunkel-Reggae –, bei denen eine direkte Verbindung zu uns entsteht.
Für mich als Sänger hat sich das im Laufe der Jahre enorm positiv entwickelt, was den Kontakt mit dem Publikum betrifft. In den ersten Jahren war ich auf der Bühne vor allem damit beschäftigt, energetisch um mein Leben zu kämpfen und mich stark auf meine Stimme zu konzentrieren, sodass ich links, rechts, vorne und hinten kaum etwas mitbekommen habe.
Inzwischen ist durch die Routine zwar immer noch körperliche Grenzarbeit dabei, aber es ist viel mehr Leichtigkeit entstanden. Ich kann deutlich mehr Blickkontakt mit dem Publikum halten. Mein Blick wandert, ich spiele mit den Inhalten, die ich gerade singe, und versuche durch Interaktion, Bewegungen, Mimik und Handzeichen einen möglichst intensiven Kontakt zu einzelnen Personen herzustellen.
Dabei entsteht eine enorme Energie – egal ob es die in der vorletzten Reihe still und eher introvertiert stehende Zuhörer:in ist oder der/die wilde, schweißgebadete Tänzer:in in der ersten Reihe. Man merkt sehr deutlich, wer auf seine bzw. ihre Weise wirklich mittendrin ist und wer nicht.
Allgemein ist unser Stil für uns eine wunderbare Möglichkeit, Geschichten zu erzählen, Stimmungsbögen aufzubauen, Dinge mal schnell und wie ein Vorschlaghammer, mal langsam und mit Fingerspitzengefühl zu entwickeln und dann in den verzerrten Parts richtig durchzukrachen.
Emotion, Atmosphäre, Energie – unser Ziel ist es, einen gemeinsamen „Wellness-Abend“ für kritisch denkende Alternative zu kreieren.

Viele denken bei Ska-Punk zunächst an Party und Tanz. Für euch geht es aber auch um Inhalte. Welche gesellschaftlichen oder politischen Themen sind dir in euren Songs besonders wichtig?
    Für uns ging es immer schon um Inhalte. Saufen, Feiern, Hirnabschalten ist manchmal auch wichtig, war für uns aber nie die Überschrift, mit der wir uns identifiziert haben, wenn es darum geht, was wir transportieren und erschaffen wollen.
Ich finde Bands, bei denen das im Vordergrund steht, manchmal zwar musikalisch interessant, aber letztlich wirken sie für meinen Geschmack oft schnell belanglos. Musik und Inhalte gehören für mich und für uns zusammen.
Ich war früh von politischen Punkbands inspiriert und bin mit 15 über das Punkrock-Manifest von Greg Graffin3 gestolpert. Dadurch habe ich mich noch stärker in der Jugendkultur wiedergefunden und meine Weltsicht darin bestätigt gesehen. Hier ein kurzer Auszug, um ein Gefühl dafür zu geben:
„Punk is a reflection of what it means to be human.“ „Punk is: the personal expression of uniqueness that comes from the experience of growing up in touch with our human ability to reason and ask questions.“ „Punk is: a belief that this world is what we make of it, ruth comes from our understanding of the way things are, not from the blind adherence to prescriptions about the way things should be.”
Ich kann jetzt für uns als Generation Gap die einfache und oft gehörte Antwort von ähnlichen Bands geben: Wir sind antifaschistisch, antirassistisch, antisexistisch, antinationalistisch und antimilitaristisch.
Wir ergänzen das immer sehr gerne, weil wir finden, dass es neben dem, wogegen man sich abgrenzt und was man anklagt und kritisiert, auch wichtig ist zu sagen, wofür man steht und was man gerne verbreiteter sehen würde: Wir sind pro Menschlichkeit, pro Solidarität, pro Denken, pro Inklusion und pro Toleranz.
Letztendlich möchte ich es noch einmal – auch in Bezug auf die oben zitierten Passagen aus dem Punk-Manifest – so beschreiben, womit wir uns in unseren Texten und Ansagen auf Konzerten beschäftigen:
Traut euch, euer Hirn zu benutzen, hinterfragt vermeintlich „Gesetztes“, schaut hinter die Kulissen und hinterfragt auch euch selbst (you know: Glashaus und Steine; oder Wasser predigen und Wein saufen). Belehrt und kritisiert nicht nur, sondern geht mit gutem Beispiel voran. Seid dabei klar und deutlich.
Die Rechte ist in ihren Botschaften oft unverblümt, direkt und laut; wir anders Denkenden tendieren hingegen häufig dazu, nachdenklich, abwägend und vorsichtig zu sein – was auch gut ist. Aber wenn man etwas durchdacht und abgewogen hat, dann kann und soll man auch laut in seiner Meinung sein.

Politische Botschaften zu vermitteln, ohne zu belehrend zu wirken, ist nicht einfach. Wie gehst du dabei vor – wie schaffst du es, Haltung zu zeigen und trotzdem ein Song bleibt, der Spaß macht und mitsingtauglich ist?
Der Spaß bleibt da, wo Text und Message für das Gegenüber anschlussfähig bleibt. Da sind wir wieder beim obigen Thema: nicht nur belehren, auch selbstkritisch und normalisierend mit den eigenen Unzulänglichkeiten umgehen und nicht der Prediger von der Bühne sein, sondern zeigen, dass man auch manchmal in eine Sackgasse abbiegt oder es nicht schafft der wohldurchdachten Ratio zu folgen. 
Ein Beispiel: gerne sag ich auch immer wieder einmal etwas zum Klimawandel auf der Bühne. Und, erzähl dann auch, dass ich mich wirklich mit den Messdaten und klaren wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinandergesetzt habe. Jeder der halbwegs normal Inhalt erfassen kann und sich damit beschäftigen mag, wird schnell erkennen: Ja, es ist keine Geschmacksfrage oder Meinungen, sondern wir haben erwiesenermaßen ein Problem. Ja, wir haben dieses Problem verursacht. Es ist ein globales und (insbesondere für die Armen) ein existenzielles Problem. Es wird keine globale Lösung geben (bräuchte und wäre sehr schön, aber so weit sind wir nicht, eine one-world-identity und -solidarity). Es ist auch nicht darauf zu bauen und sich – an der Autorität Halt gebend orientierend – davon auszugehen, dass politische Entscheidungen zur Bekämpfung der Klimakatastrophe getroffen werden. Zum Beispiel einfach einmal lokal oder national Tempo 100 auf den Autobahnen verordnen (sicher auch ein spannendes Thema für euch Tempobolzer in D-Land) – wird, wir sehen es wiederkehrend, nicht kommen. Ja badautz, dann wart halt nicht auf verordnete Tempo 100, sondern machs halt einfach selbst, für dich, weil du weißt ja, was es geschlagen hat, du hast ja die Messdaten und Prognosen verstanden. Und dann sitz ich selbst im Auto auf der Autobahn, denke genau daran, fahre 15 Minuten Tempo 100 und geb dann erst wieder Gas und fahr 130. Sehenden Auges auf die – seeeehr stabile – Wand zu, ohne Sicherheitsgurt…
Und sowas macht es dann anschlussfähig, weil es halt, so glaube ich, nicht die blanke Moralkeule aus einer vermeintlichen moralischen Überhöhung von der Bühne aus ist, sondern der alltägliche Kampf mit uns selbst, in dem wir uns in dem einen oder auch anderen Thema alle wiederfinden. Und dennoch ist es dadurch angesprochen. Es findet Worte und man merkt, man ist damit nicht allein. Nicht allein mit den hohen Zielen, aber auch nicht allein mit den Stolpersteinen und dem alltäglichen, menschlichen Scheitern. Und das kann motivieren und mitreißen und das macht dann auch Spaß und dann entsteht da noch mehr das Gefühl gemeinsam was hinauszuschreien und „in einen gemeinsamen Chor einzustimmen“. Zumindest haben wir das Gefühl uns mit diesem Herangehen gut im Spiegel anschauen zu können…
 
Neben politischen Inhalten spielen Humor, Ironie oder Alltagserfahrungen in euren Texten eine Rolle. Wie balancierst du diese Elemente mit den ernsteren Themen?
    Das ist grundsätzlich ganz einfach. Wir denken beim Texten nicht daran, was wir für’s Publikum schreiben möchten, sondern wir gehen nach dem, was uns gerade beschäftigt, bewegt, zum Nachdenken bringt. Emotion und Betroffenheit (neutral gemeint) sind die besten Musen und führen meist zu einem Text der auch Andere bewegt, statt am Reißbrett geplanten Texten, weil man meint, dass es gerade gut ankommen könnte, wenn man was z.B. zu Tierversuchen schreiben würde, oder dass Meta uns allen bald, ohne dass wir es wissen, bei Vorsorgeuntersuchungen Neuronalchips transplantieren wird. Wenn ich’s nicht fühle, wenn’s mich nicht bewegt, dann wird nichts Gutes draus.
Und: Humor und Ironie müssen in so einer ver-rückten Welt immer Platz haben, das ist vielleicht manchmal einer der letzten Strohhalme der einem vor dem fatalistischen Rückzug in ein Waldschrat-Dasein bewahrt. Für uns sind Humor, Ironie, Alltagserfahrungen immer auch verknüpft mit dem Großen-Ganzen. Das Kleine hält sich im Kontext des Großen auf und das Große hat immer auch Einfluss auf mich Kleinen, aber und das ist das Schöne daran, auch ich Kleine:r hab immer auch Einfluss auf das Große, ob mit Flight, Fight oder Freeze.

Betrachtet man eure Karriere von den frühen Jahren bis zum Comeback-Album Reconstructed: Hat sich die Art und Weise verändert, wie ihr politische oder gesellschaftliche Botschaften vermittelt? Wenn ja, wie?
    Oh ja, in jungen Jahren war es eher mehr das „ist ja glasklar was richtig und gut ist und was somit verdammt noch einmal ein:e Jede:r von uns zu tun hat, also kriegt eure Ärsche verdammt noch einmal hoch“-Mantra. Mit den Jahren und der eigenen Erfahrung, lernten wir, dass die Welt eher weniger Schwarz-Weiß, sondern mit vielen bunten Graufacetten versehen ist. Die eine Wahrheit gibt’s nicht. Somit ist es zwar ein wenig behutsamer und differenzierter, aber sicher nicht weniger klar geworden was wir transportieren wollen und ich glaube, es ist dadurch authentischer und – ihr seht, ich mag das Wort – anschlussfähiger geworden.

Welcher Song hat für dich einen besonderen Stellenwert und was steckt hinter diesen Song für eine Geschichte? 
Jetzt haben wir ja hier schon echt viel über Politik und Gesellschaft geschwafelt, deswegen mach ich hier jetzt einmal ein wenig Kontrastprogramm und hab mir dafür einen Song vom 2025er-Album „Reconstructed“ ausgesucht, der sich „A While for us“ nennt. Der Song ist aus der Kategorie „Betrachtung menschlichen Miteinanders“. Stell dir vor, du hast einen richtig miesen Tag. Du bist voll im Stress, Konto viel zu leer, kaufst im Getümmel und Gedränge schnell noch Wichtigstes ein, bist zu spät für’s Abholen deiner Kinder aus der Kita, zwängst dich in die stinkenden Öffis, wirst blöd angerempelt und willst einfach nur mehr deine Ruhe haben. Dein Gesicht schafft es deine Stimmung und dein Innerstes nicht zu kaschieren und du bekommst wie aus dem Nichts von einer wildfremden Person ein nettes aufmunterndes Lächeln zugeworfen. Ohne Grund, ohne weiterer Absicht, ohne Hinterlist, ohne Gegenleistung. Der Moment etwas von wem geschenkt zu bekommen, in einem Moment, wo man es so richtig nötig hat, um das geht’s in dem Song. Um Entschleunigung im Sekundenbruchteil einer derartigen Geste im Trubel und Wirr-Warr der beschleunigten höher-weiter-schneller Zeit. Um Empathie, die man empfängt,  ohne dass das Gegenüber in irgendeiner Verpflichtungslage einem gegenüber wäre. Um Mitgefühl und um kleine Gesten mit großer Wirkung. Der Song ist die Einladung dazu, einfach einmal jemanden einen netten, aufmunternden Blick zuzuwerfen, wo man das Gefühl hat, dass es der/diejenige gerade so richtig brauchen könnte. Doch wieder einmal einen Euro einer bettelnden Person zu geben, und das nicht mit einem herablassenden Blick im Gesicht. Einfach einmal jemandem der/die eh alle Hände voll hat und total gestresst und genervt wirkt etwas aufheben und im Kombipaket mit einem Lächeln in die Hand geben. Einem kleinen Kind, das gerade einen Anschiss wegen einer Lappalie von seinem Vater bekommt, nur mal so aufmunternd zunicken und die Augen überdrehen wegen Papas Gezeter. Schenk sowas ruhig mal, weil auch du kannst es manchmal sicher gut gebrauchen und würdest dich dann auch darüber freuen. 


A While for us

Oh that one smile! 
Yeah that one smile you're giving me for just a while.
A short tiny while, that little while is our while! 
A smile for a while is the smile (that) you are giving me. 

Just a while for us 
Let's take that while for us 
Take your time for a while 
 
Oh where's the time? 
Hell where's the time that we would need to give a smile? 
Just a little smile, 
let's all try to give a little smile - a tiny smile, which we all, which we all would need 

Just a while for us 
Let's take that while for us 
Take your time for a while

A While For Us



Zum Abschluss: Welche Botschaft wollt ihr heute neuen Fans in der Ska-Punk-Szene mitgeben, die über Spaß und Tanz hinausgeht? Welche Haltung soll eure Musik transportieren?
    Wir laden euch ein mit was vermeintlich einfachem anzufangen: Akzeptiere dich selbst. Auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt, du bist gut so wie du bist. Liebe dich. Und dann gehe mit dem Gefühl nach Außen. Akzeptiere Andere, aber hab eine klare Haltung und Meinung. Sei mutig und zivilcouragiert. Trete ein für die die Rechte von Schwächeren und stehe auf gegen Ungleichheit, Diskriminierung, Hetze und Ausgrenzung. Sei Fahnenträger:in für das was uns der Ska und der Punk seit vielen Jahrzehnten so schön als Grundhaltungen mitgibt: Sei kritisch, denke nach, agiere und reagiere und sei unangenehm wo es das braucht und angenehm zu denen die es verdienen. Trete ein für Solidarität und schaffe aus deiner Liebe zu dir selbst in deinem Wirkungskreis (ob der groß oder klein sein mag, ob im Privaten oder im Beruflichen) ein Stück weit an Verbesserung. Wie pathetisch! Und dabei nicht vergessen: Spaß und Freude haben! (Ohje, ich komme mir vor wie ein „agnostic priest of ska and punk“)
Nebenbei: egal wie jung oder alt du bist, tu der Szene was Gutes. Gehe auf Konzerte, kauf Merch deiner liebsten Underground-Acts, wenn du wild bist organisiere ein Konzert, wenn du noch wilder bist, lad Generation Gap dazu ein. Folge uns im Internet, like uns bis die Tasten glühen und schau in unserem Webshop auf Grazil Records vorbei4. Alles was wir erwirtschaften stecken wir in die Eroberung der Weltherrschaft – versprochen! 
See you in the pit, Love, Peace and Skacore, eure Generation Gap, aus dem wilden Süden Österreichs.

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Fußnoten:

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