
Aki Streeter – eher eine toxische Melange aus GG Allin, kaputtem Provinznihilismus und Kärntner Underground-Kunstfigur. Er wirkt wie jemand, der die totale Selbstzerstörung zur Performance erhoben hat: halb Punk-Prediger, halb lärmender Geisterfahrer durch die Subkultur. Seine Projekte Heimwerker und Misanthropic Planet klingen nicht wie klassische Bands, sondern wie dokumentierte Nervenzusammenbrüche zwischen Noise, PAPP und DIY-Kunstaktion.
Seine „Kunst“ reicht von dem infernalischen Krach, den er Musik nennt, bis hin zu wirren Geschichten über bizarre Multiversen1. Doch
nichts davon ist auch nur annähernd so verstörend wie seine ständige, kompromisslose Selbstzerstörung. Aki Streeters Band Heimwerker2
ist berüchtigt für ihren chaotischen, brutalen Sound – vermutlich angetrieben von exzessivem Drogenkonsum und einem ziellosen Selbsthass, den er offen zur Schau stellt. Er wirkt, als wolle er
sich auf und abseits der Bühne selbst zerlegen, als würde er seinen Absturz wie eine verdrehte Auszeichnung tragen statt als Warnung. Ihm beim „Performen“ zuzusehen ist, als würde man jemanden in
Zeitlupe abbrennen sehen – man will wegsehen, kann aber nicht.
Heimwerker war immer das Ventil für Aki Streeters düstere, rücksichtslose Energie. Ursprünglich als Soloprojekt gegründet, sammelte er Musiker um sich, die seinen Wahnsinn irgendwie ertrugen, und
entwickelte daraus das sogenannte PAPP-Genre – „Post-Apocalyptic Province Punk“. Tief verwurzelt in der Kärntner Punk- und DIY-Subkultur entstand daraus eine Mischung aus kaputtem Provinzcharme,
Lärm, Nihilismus und Kunstaktionismus. Zwischen besetzten Kellern, improvisierten Konzerten und einer Szene, die bewusst gegen kulturelle Glätte arbeitet, wurde Heimwerker zu einem Symbol für
jene rohe Underground-Ästhetik, die eher verstören als gefallen will.
Dann wäre da noch Misanthropic Planet – eine noch aggressivere Erweiterung dieses Kosmos. Während Heimwerker auf dreckigen Thrash- und Punk-Sound setzt, verliert sich Misanthropic Planet fast
vollständig im unverständlichen Noise-Rock. Genau die Art von Klangzerfall, die zu Streeters wirren Ideen über „Universumsdekonstruktion“ und nihilistische Selbstauflösung passt. Seine Musik
wirkt weniger wie ein fertiges Werk als wie ein emotionaler Zusammenbruch auf Tonband.
Abseits der Musik produziert Streeter düstere Multiversum-Geschichten, angeblich inspiriert von durchzechten Nächten und exzessivem Substanzkonsum. Jede dieser Welten scheint nur eine neue
Variante seiner eigenen Selbstverachtung zu sein – bevölkert von kaputten Figuren, die zwischen Isolation, Gewalt und Sinnverlust treiben. Dabei geht es weniger um intelligente Science-Fiction
als um rohe Ausdrucksformen innerer Zerrissenheit. Seine Kunst bewegt sich irgendwo zwischen Punk, Performance, Lärmkunst und totalem Kontrollverlust.
Gerade dadurch passt Streeter paradoxerweise perfekt in die Kärntner Underground- und Subkulturszene: eine kleine, oft übersehene Kulturinsel zwischen Provinz, Widerstand und DIY-Kunst. Dort, wo
Punk nicht bloß Musik ist, sondern ein Lebensgefühl aus Ablehnung, Chaos und radikaler Eigenständigkeit, erscheinen Projekte wie Heimwerker fast zwangsläufig. Aki Streeter verkörpert diesen Geist
in seiner extremsten Form – verstörend, selbstzerstörerisch und kaum greifbar zwischen Kunstfigur und echtem Absturz.
Du bist erst 18 Jahre alt und kommst aus Klagenfurt – was und wer hat dich bisher musikalisch geprägt?
Gute Frage, ich würde sagen von der Art wie ich spiele und Songs, bzw. Alben schreibe auf jeden Fall Bands und Musiker wie Primus, Les Claypool, Frank Zappa, Buckethead und viele mehr. Neben dem
motivieren mich auch Musiker wie GG Allin, Anal Cunt und Merzbow. Ein cooles Projekt, das ich schon länger verfolge, ist Phyllomedusa. Er macht „Frognoise“.
Ich nehme mir in meiner Black Metal Figura Inspirationen von BSOD oder Grausamkeit. Manchmal höre ich gerne auch Gutalax, Torsofuck oder Spasm. Punk mäßig inspiriert mich für Heimwerker auch sehr
Satan Panonski, der „GG Allin des Balkans“.
Weitere Inspirationsquellen sind für mich Black Sabbath, Last Days of Humanity, Captain Beefheart, Bumblefoot, Bonzo Dog Doo-Daa Band.
Wichtig zu erwähnen wäre auch die Wiener Band Drahdiwaberl, die mich für meine Auftritte inspirieren.
Mit deiner Punk-Band Heimwerker bezeichnest du dich selbst als „schlechteste Band des Universums“ – was steckt hinter diesem Konzept?
Es ist eine Art Mechanismus, um mit meinem Selbsthass umzugehen. Ich muss gestehen, durch meine nervige, penetrante und viel-redende Art komme ich, zumindest für meine Gefühle, ziemlich arrogant
rüber. Mich kotzt das aber mehr als an! Bei einigen Themen bin ich leider auch ein Klugscheißer. Ich habe oft Musiker erlebt, die sich selbst richtig unangenehm toll finden. Vom Aussehen bis zu
den Songs, welche am Ende oft wie eine Endlosschleife aus denselben Akkorden und dem Anhimmeln einer Geliebten klingen.
Heimwerker ist seit Januar 2021 aktiv und ich wollte eigentlich eine Metal-Band gründen. Unser Drummer FLOP kam im April dazu, weil ich dringend einen für einen Gig gebraucht habe. Dann haben wir
einen Song für ein Science-Fiction Theaterstück gemacht. Bis auf die Helme und, dass der Bass das Solo-Instrument war, waren wir nicht wirklich besonders. Wir hatten einige Mitglieder über das
folgende Jahr und wir haben einfach Songcovers gespielt, teilweise in meiner Musikschule und so. Ein Freund aus meiner Klasse war dabei, um über die Bühne zu rennen, Lichter zu steuern (billige
Weihnachts-LEDs) und Polizei-Sirenen abzuspielen. Ab da wurde es immer lustiger. Unser Sänger Kami Kaze kam dazu und Bassist Redlight Alley und egal, wie oft wir proben, es klingt schlecht!
Jetzt beschmieren wir uns mit Nutella und spielen Post-Apokalyptischen Provinz Punk (PAPP), aber haben einen Song darüber, dass wir eigentlich mal eine Metal Band waren.
Unter dem Namen „Geheimwerker“ machst du Love-Song-Parodien – wie unterscheidet sich dieses Projekt musikalisch und inhaltlich von Heimwerker?
Die Songs heißen hier statt „Scheißefetisch Nur Mit Veganerinnen“ oder „My Hamster is in Pain“ bei Heimwerker nun „Peanuts & Bubblegum“, „Unbreak My Heart“ oder „Meersalz“. In dieser
Formation spiele ich Bass statt Gitarre und habe so gut wie kein Mitspracherecht bei den Songs und so. Die Band wollte halt mal „gute“ Musik machen, aber mit mir als Frontmann leider wirklich
unmöglich. Das Album, das jetzt gerade gemacht wird, nennt sich „Ungenehmigte Zubauten“. Das „Ge“ wurde auch von mir nicht genehmigt an Heimwerker zugebaut, aber, es motiviert mich. Stell dir vor
du gründest eine Band und deine eigenen Leute gründen eine andere Band, um dir musikalisch aus dem Weg zu gehen, hahaha.
Du organisierst die Konzertreihe „Aki Streeter’s Mad Multiverse“ und holst Bands aus ganz Europa nach Klagenfurt – wie ist diese Idee entstanden und wie konkret wurde diese von dir
umgesetzt (also Raumsuche, Orgateam usw.)?
Genau! Also die Raumsuche war nicht das größte Problem. Meine Eltern mieten eine Location und teilen sich diese mit anderen vereinen. Dort drinnen gibt es Workshops, Theater, etc.
Auf Konzerte ist die jetzt nicht unbedingt ausgelegt, aber man tut, was man kann! Die erste Band war die italienische Punkband Doobie Snack, danach kam eine aus Wien namens Ubahnpudding, dann
spielten Hansi & The Gretels aus der Gegend, darauffolgend kam das Trio Spezie Rare aus der Schweiz und beim letzten spielten Chevapcici & Die Antikörper aus Linz. Ich spiele bei jeder
Band mit einem anderen Projekt als Vorband. Beim Trio Spezie Rare spielte meine Soloband (die fiktiv aus Kanada kommt) und ich bin vor meditativem Kletzmer mit Akkordeon und Balkanmusik einfach
mit einer Pestmaske, einem BH und einem Tanga und meinem herausquellenden Bauch am Boden gerollt und habe geschrien und danach auf meinem Laptop einen Porno langsamer und schneller gemacht. Bei
Chevapcici spielte meine Band Spucktum, ich an den Drums, Alley am Bass und Ygitt Pacher (mehrfacher Gewinner des Kärntner Lyrikpreises) am Mikrofon und hat seine Texte über die ewige Verdammnis
und so (Zitat: ich bin ein marodes Solitaire) geschrien. Wir nannten das Genre Poetry-Grind (statt Poetry-Slam).
In deiner Black-Metal-Band arbeitest du mit einem fiktiven Schlagzeuger und spielst alle Instrumente selbst ein – was reizt dich an diesem Solo-Ansatz und an der Inszenierung eines
imaginären Bandmitglieds?
Nun, ich habe über das Jahr 2023 verteilt immer wieder Black Metal Songs aufgenommen und am Ende des Jahres beschlossen, daraus wirklich eine Band + ein Album zu machen. Ich wollte ja zuerst den
Bassisten von Heimwerker als Drummer rekrutieren, aber er kann keine Double-Bass spielen und keine Blast-Beats. Also habe ich alles selbst eingespielt und bei meinem ersten Gig einfach erzählt:
„Unser Drummer ist auf Heroin-Entgiftung in Kreta!“ Ich habe auf Russisch einfach Wörter wie Durchfall oder Überdosis geschrien, weil ich keine Lyrics habe. Die anderen Bands im Backstage dachten
alle, ich würde Witze machen und mein Drummer würde bald kommen.
Mich haben seitdem immer wieder Metalheads erkannt und sich mit mir auf der Straße totgelacht. Manche schrieben mir sogar „Gute Besserung deinem Drummer, Aki.“
Du hast bereits Ausstellungen konzipiert und schreibst Texte über multiversale Welten und den Sadismus der Menschheit – wie fließen diese Themen in deine Musik ein und erzähl mal was zu
den Hintergründen?
Die Hintergründe sind irgendwie in meinem ganzen Leben vorhanden, aber so richtig habe ich das im Lockdown mit einem Freund ausgebaut. Dieses multiversale, traurige Weltbild mit tausenden Texten
und Details und einer eigenen Fauna. Ich plane in den nächsten Jahren einige Bücher zu veröffentlichen, ich arbeite gerade u.a. an dem Buch „Immer Wieder Lojz Rieder“:
Der Rieder Lojz war ein Musiker aus dem Gailtal. Es gab ihn zwar tatsächlich, im Tal wo ich zum Teil aufgewachsen bin und ein großer Teil meiner Familie lebt, aber er war kein Musiker, sondern
eher ein Ortsbekannter in Hermagor. Ich habe aus ihm eine Musikerfigur gemacht und eine Lesung, sowie eine Ausstellung als er gemacht. Ich will seine Rockstargeschichte, bzw. Lebenslauf in ein
satirisches und verblödendes Buch verwandeln, zu dem ich ein Konzeptalbum machen möchte und dann eine Lesung- und Musik-Tour geben.
Neben diesem Buch schreibe ich auch „Gossos Megamophorsos“, eine dystopische Story, die den gesamten Inhalt der ganzen multiversalen Stories rund um Dave und so weiter erzählen wird.
Dann noch „Herman Peterson“. Ein sehr masochistischer Typ vom Planeten Sadisticoperma, dessen Tagebuch ich mit einem Freund auf einer Kanada-Tour beim Friedhofschänden gefunden habe – so lautet
die Story. Ich erzähle dort sein Tagebuch wieder.
Und ja, diese Themen kommen auch in meiner Musik vor. Wichtig zu sagen ist auch, dass ein großer Teil meiner Sachen, wie etwa das multiversale, auch einfach Ablenkungen oder einfach geile
Gedanken von mir waren, nicht jede meiner Sachen hat eine „Message“ oder einen Grund, vieles soll einfach verstören! Und die Medien sind immer miteinander verbunden. Eine meiner Ausstellungen war
eine Werkschau des fiktiven Labels „Tsar Bomba Records“, wo ich Plattencovers mit meiner Musik, Spritzen, Binden und was auch immer auf eine Wand geklebt habe in dieser Galerie. Mein
Co-Aussteller hat dort einige Wochen Galeriedienst gemacht und einige Bilder ausgestellt. Wir haben in der Mitte apokalyptische Kurzfilme von uns laufen lassen, um uns zu verbinden. Dort kam dann
das Deutsch/Slowenische Radio zu uns und im Nachhinein meinte der Interviewer, er hätte noch nie ein derart verstörendes Interview geführt, wie mit mir, hahaha. Jedenfalls hat mein Kollege meine
Ausstellung mit Baustellenlichtern, Ziegeln, Müll jeden Tag weiter dekoriert, das war richtig nett.
Du hast mehrere Filmprojekte und Serien online veröffentlicht – Welche sind das und was bedeutet dir das Medium Film im Vergleich zur Musik?
Musik ist natürlich immer die Nummer 1 bei mir. Aber die anderen Medien wie Film, Literatur, Fotos und so sehe ich als Stützen meines Gesamtabschaums. Ich habe eine ganze Staffel einer Parodie
auf den Film Borat gedreht. Ich bin zur Hälfte Russe und Borat ist ja ein Kasache, der in die USA kommt, ja? Ich war Alexej Kakanovich, ein Russe, der nach Südösterreich (Kärnten) kommt! Ich habe
ein Interview im Stadttheater Klagenfurt bekommen, Hausverbot in einigen Geschäften und viele lustige Sachen. Zusammen mit meinem Kameramann Oleg habe ich diese Serie gemacht. Mit ihm hatte ich
auch eine sehr sehr komische Band – wir haben uns beim ersten und einzigen Gig mit Cheeseburgern eingeschmiert und der österreichische Rundfunk hat seine Kameras, nachdem wir 3 Sekunden gespielt
haben wieder abgebaut (es war die „Lange Nacht der Museen“ und sie dachten, da würde eine richtige Band spielen…). Nun, ich hielt als Alexej eine Rede beim Weltfrauentag 2021, also eine
satirische, vor einem großen Publikum und einem Livestream von den Veranstaltern. Vor dem Rathaus in Klagenfurt! Und? Zu Beginn fällt mir eine Vodkaflasche aus dem Koffer und ich eröffne die Rede
mit einem Blondinenwitz. Die ehemalige Bürgermeisterin von Klagenfurt (eine Großstadt!) war vor mir! Diese Zeiten…
Ich habe auch zwei ziemlich lustige, eher experimentale Filmstudios mitgegründet:
Die Wand Studios und Buldam Studios.
Ersteres macht Kurzfilme, KI-Experimente und wir recorden dort ziemlich gestörtte Nonsense Filme und Musik. Unser Konzept beruht auf einem Planeten namens Triniton X-39, der wie Excel-Tabellen
aussieht und wir dort sowas wie Wetterforscher sind und Bericht erstatten. Die Wand Studios haben ihren fiktiven Hauptsitz in Lübeck. Aktuell arbeiten wir an einem Kurzfilm mit Heimwerker und
einem Schockfilm über einen perversen Arzt namens Dr. Dr. Fiji.
Buldam Studios haben einen Festtags-Podcast, einen Kurzfilm über ein Mathebuch (auf Deutsch, Englisch und Russich) und einen Kurzfilm über die Homo-Eisenbahnensis, die Ureinwohner der Eisenbahn
gedreht. Wir haben auch gemeinsame kurze, trippy Comics gezeichnet, die in den nächsten Jahren veröffentlicht werden. Unter anderem handeln diese von unserer fiktiven Weltidee:
Dem Gostum. In diesem lebt ein Programmierer namens Dave in einer Überwelt und hat die sieben Protoversen auf seinem Laptop programmiert. Die Ananas und der Professor überwachen Dave und den
Laptop in ihrer gemeinsamen WG. Sollte einer von ihnen nach 10 Uhr abends die Spülung der Toilette betätigen, fliegen sie raus und der Laptop wird gepfändet – wir würden alle sterben! Und naja,
in der Heimwerker Biografie steht ja auch meistens, dass wir ein Virus oder Programmfehler von Dave sind, alle Projekte hängen am Ende zusammen.
Bald werden nebenbei die ersten Heimwerker-Musikvideos veröffentlicht! Alle mit kleinen Handlungen davor/danach und Scripts, wie immer recht surreal, darauf freue ich mich sehr.
Deine Noise- und „Antimusik“-Projekte wurden sogar in den USA und Mexiko veröffentlicht, teils auf Kassette – wie kam es zu diesen internationalen Kooperationen?
Ja! Mit etwas Glück klappt sowas! Ich habe einige Noiseprojects, wie etwa Klisamphilia, LxSxDxTxHxC, Vomit Beer on Aki Streeter’s Rotten Corpse, LxZxP, Creampie Crackies und so weiter. Sogar
eines, dass sich nur mit vergammelten Pizzen beschäftigt und ein Mittelalter-Noise-Projekt. Ich mache sogenannte Splits, also wenn mehre Musiker einen Release machen. Z.B. ich mache 3 Songs und
ein Noise-Musiker aus Thailand macht 3 Songs – über Mail schicken wir uns diese jeweils und die Bandlogos und einer macht das Cover und dann wird der ganze Haufen veröffentlicht. Ein Typ aus den
USA hat unser Split auf Kassette gebracht und verkauft den jetzt dort, hahaha!
Eine kleine Story nebenbei: wegen den Creampie Crackies wollte ein Mann die Polizei rufen. Ich habe mit meinem Kumpel aus der Schweiz in einer Theaterlocation in Klagenfurt ein Album aufgenommen.
Komische Pornos auf einer Bluetooth-Box, eine ungestimmte Gitarre, ein PVC-Rohr, ein Einkaufswagen und so, das waren die Instrumente. Wir waren so laut, dass er dachte, da würde irgendein Unfall
passieren. Seine Kinder hätten Angst und mein Kumpel meinte: „Wir machen Musik“. Die Antwort des geschockten Nachbarn ist bis heute Kult bei uns: „Das ist keine Musik! Das ist keine Kunst! Meine
Kinder weinen fast!“
Du möchtest im Interview über das Debütalbum deiner Band Heimwerker und dein kommendes erstes Soloalbum sprechen – was können wir inhaltlich und klanglich von diesen Releases
erwarten?
Das Soloalbum wird ein Badtrip und ein Fiebertraum in einem! Das Konzept ist, nachdem der neue Standard für eine CD, also fürs Maximum der Spielzeit 80 Minuten ist, mein Album 79 Minuten und 59
Sekunden lang zu machen und die restlichen 18 oder 19 Sekunden auf einer zweiten CD, die man als Erweiterung kaufen kann zu verkaufen. Der Titel wird „Kaki’s Quantum Foam 0/X“ lauten. Es wird
eine Albumserie, also das nächste wird dann „Kaki’s Quantum Foam 0,25/X“ heißen und so weiter. Die zukünftigen Alben würde ich auch gerne mit Features von anderen Bands/Musikern füllen, Genres
wie Grindcore, Art Rock, Old School Death Metal, Dark Ambient, Dark Comedy, Nintendocore und viele andere ausprobieren und natürlich immer dem Konzept folgen:
Quantum Foam, also Quantenschaum, ist das kleinste, das winzigste Etwas in unserer Realität, in allen Multiversen und darüber. Es ist der Punkt, an dem die kleinsten fundamentalen Teilchen in die
Realität fallen, aber so klein sind, dass sie durch Instabilitäten und Zeitkrümmungen nach wenigen Nanosekunden wieder zurückfallen und für immer verschwinden. Der Größenunterschied von einem
Menschen zum beobachtbaren Universum ist 0 im Vergleich zum Unterschied zum Quantenschaum.
In diesem Schaum lebt eine Figur, ein Loser, ich kann nicht sagen, ob er oder sie, aber dieses Ding lebt dort. Und es heißt Kaki. Kaki ist der einzige Bewohner dieser Welt im Mikrokosmos. Kaki
sieht Schalwellen als Bedrohung, da diese für ihn so groß sind, wie Tsunamis auf einem Ozeanplaneten für uns sind. Nun schickt Kaki mit Hilfe einer aus exotischen Teilchen geschaffenen Band
solche Angriffe zurück in unsere Größenordnung. Er reflektiert in seinen Texten den ganzen Nonsense, den ihm die Leute jeden Tag in seine Welt schicken, über den verlorene Seelen reden, über den
Gammler, Verlierer und unwichtige, kleine Wichte, wie er selbst, reden, schreien und klagen. Kaki hasst sich, sein Schicksal und bereut es, allein in dieser von keinem erreichbaren Welt zu
vegetieren.
Nun, inhaltlich wäre dann wohl auch der Inhalt meines Soloalbums geklärt, denke ich. Klangtechnisch wird es ziemlich vielschichtig. Einige Grindcore- und kurze Noise-Songs, ein großer Teil wird
Richtung Funk-Metal und Funk-Rock gehen, weil ich gerne am Bass slappe. Es wird ein fiktives kurzes Konzert beinhalten, ein paar kleine Geschichten über fiktive Suchtmittel, zwei oder drei
Balladen (naja, eher „unangenehme“ Balladen, hahaha), Free Jazz Songs, Einflüsse von meinem Crust Punk / Grind Pojekt „The Scumfux of the Universe“ wird es auch beinhalten. Einige Tracks werden
auch instrumentale, banale Synthesizer-Triangel-Tritonus-Solos oder Death Metal Songs über die Ermordung von Santa Claus. Soundcollagen und hin und wieder ein Publikum, dass booh schreit werden
auch Teil des Gesamtgrauens.
Du bist viel unterwegs und hast bereits einige Tour-Erfahrungen gesammelt – gibt es eine besonders absurde oder prägende Anekdote aus deinem bisherigen Tour-Leben, die du mit uns
teilen kannst?
Da gibt es einige Geschichten, ich müsste nachdenken…
Drei lustige fallen mir auf die Schnelle ein (aber es gibt noch mehr!):
Mit Heimwerker fuhren wir also zu einem Bandcontest nach Wien. In der vollen ((szene)) Wien (große Location!) und waren schon in der Auswahl für das Finale, praktisch im Halbfinale und hatten
einen Special Guest dabei. Schon auf der Hinfahrt haben wir Biere ausgetrunken so schnell es ging, um in die Dosen zu pinkeln. Beim Contest beschmierte uns der Special Guest, Jan Kubis, mit einer
Klobürste mit Nutella und hat einen Plüsch-Hamster erstochen und den gesamten Inhalt über die Technik verteilt. Unser Drummer hat beim ersten Song falsch eingesetzt, unser Bass ist abgekratzt,
mein Synthesizer ist vom Ständer gefallen, während wir gespielt haben, das Intro ist nach 10 Sekunden, als das Pornhub-Schlagzeug gemeinsam mit der Polizei-Hotline eingesetzt hat, abgebrochen…
Wir wurden letzter Platz, aber es kamen locker 50 Leute zu uns, um zu sagen, was wir doch für „andere“ Energie in diesen Contest bringen!
Eine weitere Story war, als ich mit meiner Goregrind/Grindcore Band „Klismaphilia“ einen Gig hatte. Vorband? Ein Akkordeonist, der Bach gespielt hat. Das Bühnenbild? Sexy Schaufenster Puppen mit
Sixpack, viele Fake-Drogen und verstecke Indizien auf die von mir und meinem Bandkollegen erfundene multiversale Marswelt! Bei diesem Gig habe ich im Tanga und einem Latex-Anzug gespielt (ich war
zu diesem Zeitpunkt 15) und habe auf der Bühne Stöhnen ge-remixed, habe so getan, als würde ich Mehl durch die Nase ziehen und habe Gitarre gespielt und geschrien. Mein Kollege war als Banane
verkleidet und hat das Publikum mit komischen Lauten bedroht und Liegestütz gemacht. Ich glaube, es haben nur zwei oder drei Leute am Ende geklatscht, das war geil, vor dem Publikum, das wegen
Bach kam, hahaha! Kurzer Funfact zu Klismaphilia --- am Anfang habe ich eher Death Metal/Slamming Death mit der Band gemacht. Nun, ich habe meinen Song zum Spaß an den Drummer von Cannibal Corpse
geschickt und er nannte mich einen „Metal-Frog“.
Eine Story wäre noch der Gig in Wien, bei dem unser Drummer gefehlt hat. Das war tatsächlich mit Geheimwerker, dort spiele ich ja normalerweise Bass. Unser Drummer war da bei einem Begräbnis sehr
kurzfristig, also habe ich schnell die Songs am Schlagzeug gelernt. Wir saßen im Auto, alle mit komischen Kostümen und wir haben von SpongeBob-Songs bis Erotik-Bücher alles durchgehört auf der
Fahrt. Unser Proviant? Getrockneter Kalmar, Plastikflaschen-Bier, … In der Location gab es so einen Second-Hand-Laden. Unser Sänger hat sich dort einen Hausfrauenkittel aus den 50ern geschnappt,
einen NASA-Rucksack aus Karton und einen Astronauten-Helm, der wie ein Goldfischglas auf seinem Kopf thronte. Unser Ersatz-Bassist war ein Freund von Redlight Alley, dem Gitarristen. Merko hieß
der glaube ich. Merko war bei einem unserer Gigs und ist dort mit einer riesigen Gurke in der Hand rumgerannt. Bei unserem Gig hat er so getan, als wäre er unser Manager im Anzug, der im
arrogantesten Wiener-Deutsch versucht hat, den Bassist am Handy zu erreichen: „Sorry! Ich bin in den falschen Zug gestiegen und schaffe es nicht mehr nach Wien!“, mit diesen Worten zog Merko
seinen Anzug aus und spielte Bass. Unser Sänger rannte während den Songs zu einem Holzofen (teils mit Mikro!), weil er sich Kastanien angebraten hat, das ganze Konzert lang! Mein Bühnenwasser war
dieses Plastik-Bier und an dieser Stelle ein kleiner Dank: Danke Typ aus Wien, der uns immer mit seinem Nintendo 3DS fotografiert und auf seine Website stellt! 3DSTAGEVIBES nennt er sich!
Wie nimmst du die Subkultur in Kärnten wahr – gibt es deiner Meinung nach genug Freiräume für experimentelle, laute und unangepasste Kunst, oder muss man sich diese erst selbst
schaffen?
Ich muss sagen, seit dem Lockdown ist die Szene etwas abgeschwächt, aber hier und da bilden sich neue Sachen. Die Metal-Szene ist aber definitiv stärker vorhanden als die Punk-Szene. Ich habe
durch meine Eltern einen kleinen Vorteil, aber immer im selben Raum ist auch nicht die Lösung. In den drei größten Orten gibt es überall 1-2 Locations, wo man selten mal etwas wirklich
Außergewöhnliches zu sehen bekommt. Ich wollte schon lange ein Noise-Festival, eine Ekel-Galerie und andere Orte/Events herbringen und sobald genug Mittel dafür da sind, werde ich das tun!
Deshalb gibt es ja das Mad Multiverse, weil ich nicht immer die gleichen Bands in Kärnten sehen möchte und die Leute „sattspielen“, ich möchte neue Bands und Austausch, um eine richtige
Freak-Szene, nicht nur in Kärnten, sondern auf der gesamten Wasserkugel aufzubauen. Aber ich muss sagen, im Vergleich zu anderen Regionen dieser Größe haben wir aber doch eine etwas wilde,
lustige und einzigartige Szene hier.
