
GOLFJUGO
Darts MC
Chrüsimüsi Records
Danis Kobilic schneidet mit seinen Songs, die sich alle Zeit nehmen, die sie brauchen, durch den Nebel der Gegenwart. Unter dem Namen golfjugo entstehen Stücke, die die DIY-Kultur vergangener
Indie-Jahre ins Hier und Jetzt tragen – Gitarrensongs, in denen das rohe Aufbegehren früher College- und Punkplatten noch immer in kurzen Ausbrüchen aus Feedback und Noise nachhallt. Doch
golfjugo bleibt nie bloß nostalgisch. Vielmehr suchen die Songs mit detailreicher Instrumentierung und persönlichen Geschichten nach Wärme, Nähe und Zuversicht – und finden sie immer wieder.
Besonders „Quicksand“ erinnert angenehm an Tagträume und verregnete Tage zuhause, an Musik, die weniger nach außen drängt als vielmehr Wärme nach innen zieht. Slackerhaft gerockter Punk trifft
hier auf garagige Gitarren und einen dezent noisigen Unterton, der an die Grunge-Ära erinnert, dabei aber deutlich mehr Pop-Appeal besitzt. Zwischen scheppernder Direktheit und melodischer
Leichtigkeit entsteht eine Atmosphäre, die gleichzeitig rau und tröstlich wirkt.
Mit „Fog“ erreicht golfjugo schließlich den emotionalen Höhepunkt der Platte. Der über sieben Minuten lange Song entfaltet sich langsam und geduldig, fast beatlesk in seiner melodischen Tiefe.
Warme Harmonien treffen auf melancholische Schwere; alles klingt leicht verstimmt, wie ein grauer Novembertag, der zugleich Trost spendet. Statt auf schnelle Effekte zu setzen, produziert Danis
Kobilic zusammen mit Martin Camprubi Figueroa, Nikolaus Marin Kirchner, Tia Gurtner, Severin Wyss und mit Peiwen Liang als Backing Vocal-Artistin Stimmungen, die sich erst nach und nach öffnen –
und gerade dadurch lange nachhallen.
So entsteht eine Platte, die sich bewusst gegen Überhastung stellt. golfjugo schreibt Songs, die Raum lassen: für Unsicherheit, Erinnerung und kleine Momente von Hoffnung. Gerade in ihrer stillen
Beharrlichkeit liegt ihre besondere Stärke.
