
Between Bodies
Hands To Hold Each Other LP
Indigo
BETWEEN BODIES sind längst mehr als nur ein Geheimtipp zwischen DIY-Kellern, Emo-Nostalgie und verschwitzten Clubshows. Wer in den vergangenen Jahren auch nur halbwegs aufmerksam durch die
deutsche Indie-/Punklandschaft gegangen ist, dürfte an dieser Band kaum vorbeigekommen sein. Mit „Hands To Hold Each Other“ legt das Quartett aus Köln, Paderborn und Toronto nun ein zweites Album
vor, das sich anfühlt wie ein offener Nerv: politisch, emotional und voller dieser besonderen Mischung aus Schmerz und Hoffnung, die große Emo- und Indieplatten der 90er ausgezeichnet hat.
Dabei schaffen BETWEEN BODIES etwas, das nur wenigen Bands gelingt: Sie verbinden die Dringlichkeit von Punk mit der Verletzlichkeit klassischer Emo-Bands und der Weite von Indie-Rock, ohne
jemals beliebig zu wirken. Die Songs tragen diese rohe, ungeschönte Energie in sich, die an die goldene Ära zwischen Basement-Shows, Mixtapes und zerkratzten Jade-Tree-Samplern erinnert.
Gleichzeitig klingt „Hands To Hold Each Other“ nie nach bloßer Retro-Geste. Dafür steckt zu viel Gegenwart in diesen Stücken, zu viel Wut über Vereinzelung, zu viel Sehnsucht nach Nähe und
Solidarität.
Vor allem die drei Stimmen von Chris, Susan und Benni machen das Album außergewöhnlich. Sie singen nicht nebeneinander, sondern miteinander, werfen sich Zeilen zu, brechen auseinander und finden
wieder zusammen. Genau darin liegt die Kraft dieser Platte: in der Idee, dass Schmerz geteilt werden kann, ohne kitschig zu werden. Zwischen hymnischen Melodien, aufgerauten Gitarren und
emotionalen Ausbrüchen entstehen Songs, die gleichzeitig zerbrechlich und mitreißend wirken. Mal erinnert das an die Intensität von frühen Get Up Kids, dann wieder an die Melancholie von Tigers
Jaw oder die euphorische Traurigkeit von The Hotelier.
Auch textlich bleibt „Hands To Hold Each Other“ nah am Menschen. Das Politische wird hier nicht platt skandiert, sondern zeigt sich im Privaten: in Freundschaft, Überforderung, Entfremdung und
dem verzweifelten Versuch, in einer kaputten Welt nicht alleine zu bleiben. BETWEEN BODIES formulieren daraus keine Parolen, sondern emotionale Zustände. Gerade deshalb treffen die Songs so
unmittelbar.
Spätestens seit ihren Touren mit Bands wie Touché Amoré oder Captain Planet dürfte klar sein, dass BETWEEN BODIES zu den wichtigsten aktuellen Emo-/Punkbands hierzulande gehören. „Hands To Hold
Each Other“ ist der Beweis dafür, dass Emo im besten Sinne nie tot war: Musik voller Narben, Haltung und Herz. Oder wie die Band selbst fragt: „Have you found your God, Lenin or true love?“
