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FRIENDS DON'T LIE - Zenit der Dramaturgie

FRIENDS DON'T LIE - Zenit der Dramaturgie LP
FRIENDS DON'T LIE - Zenit der Dramaturgie LP

FRIENDS DON'T LIE

Zenit der Dramaturgie LP
Uncle M Music

„Wir bewegen uns in der weltweiten Politik auf einen Zenit der Dramaturgie zu - keiner weiß, was danach kommt” 
(Markus Ziesch / Friends Don't Lie)

Friends Don’t Lie bewegen sich auf ihrem neuen Album genau dort, wo Pop-Appeal, Punk-Energie und Rap-Attitüde ineinanderkrachen. Irgendwo zwischen der grellen Überzeichnung von K.I.Z., der jugendlichen Melancholie von Blink-182 und moderner Deutschpunk-Dringlichkeit entsteht ein Sound, der gleichermaßen Stadion-Refrain wie Zusammenbruch um 2 Uhr nachts sein will — und genau daraus seine Wucht zieht.

Schon die Vorab-Single „2 Uhr nachts“ funktioniert wie ein vertonter Nervenzusammenbruch im Neonlicht. Kalte Straßenlaternen, überforderte Gedanken und Gruppenchats voller halbfertiger Wahrheiten treffen auf hymnische Hooks und eine Dynamik, die gleichzeitig nach Eskalation und Selbstzweifel klingt. Friends Don’t Lie schaffen es dabei, aus Overthinking einen Mitsingmoment zu machen, ohne die emotionale Schwere zu verlieren. Pop kann hier plötzlich weh tun, Punk verletzlich sein.

Überhaupt lebt das Album von diesem ständigen Wechsel aus Größenwahn und Orientierungslosigkeit. Die Band blickt auf eine Gegenwart, in der politischer Druck, Dauervergleich und gesellschaftliche Überforderung permanent aufeinanderprallen. Markus Zieschs Aussage, man bewege sich „auf einen Zenit der Dramaturgie zu“, zieht sich wie ein roter Faden durch die Songs. Alles wirkt kurz vor dem Kipppunkt — privat wie gesellschaftlich.

„Jahr für Jahr“ zeigt die melancholischere Seite der Platte. Gemeinsam mit Zirkel entsteht ein Song, der irgendwo zwischen Emo-Rap, Pop-Punk und Indie-Schwere hängt. Erinnerungen, Fehler und die Angst vor Stillstand verdichten sich zu einem Refrain, der gleichzeitig nach Aufbruch und Resignation klingt. Gerade diese Mischung aus Pathos und Direktheit erinnert immer wieder an die großen Pop-Punk-Momente der 2000er, nur eben mit deutlich mehr gesellschaftlichem Druck im Nacken.

Mit „Jede Zeile ein Schrei“, aufgenommen zusammen mit Grell und Vinta, erreicht das Album schließlich seinen emotionalen Ausnahmezustand. Der Song verbindet Posthardcore-Wucht mit Rap-Kante und einer fast schon verzweifelten Punk-Dringlichkeit. Wenn Friends Don’t Lie „Jeder Tag ist ein Kampf, jede Zeile ein Schrei“ skandieren, klingt das nicht nach Pose, sondern nach echtem Überlebensmodus. Wütend, überdreht und gleichzeitig voller Angst davor, im Lärm der Gegenwart unterzugehen.

Gerade darin liegt die Stärke der Platte: Friends Don’t Lie übersetzen die Reizüberflutung ihrer Generation in Songs, die gleichzeitig catchy und kaputt wirken. Zwischen Pop-Hooks, Punk-Ausbrüchen und Rap-Attitüde entsteht ein Album, das nicht perfekt sein will, sondern ehrlich. Musik für Nächte, in denen man sich gleichzeitig verloren fühlt und trotzdem das Bedürfnis hat, alles herauszuschreien.

„Wir leben in einer Zeit, in der sich alles gleichzeitig zuspitzt – politisch, gesellschaftlich, persönlich. Zwischen Dauerkrisen und Dauervergleich fühlt sich unsere Generation oft orientierungslos, aber genau daraus entsteht auch der Drang, laut zu sein, Haltung zu zeigen und sich nicht einfach treiben zu lassen.“ 
(Markus Ziesch / Friends Don't Lie)

Zwischen Euphorie und Überforderung entsteht ein Album, das dazu auffordert, lauter zu werden, sich etwas zuzutrauen und den eigenen Platz zu behaupten. Oder einfacher gesagt: aufzustehen und das zu sein, was man sein will.


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