
ROMP #54
40 DIN-A-4-Seiten; € 2,50.-
Romp Zine, Steinenstrasse 17, 6004 Luzern, Schweiz
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Zwei Jahre nach der letzten Ausgabe meldet sich das ROMP zurück – und bleibt sich dabei treu. Das Heft versteht sich einmal mehr als Chronik lokaler Kämpfe, internationaler
Solidarität und subkultureller Selbstverortung. Im Mittelpunkt steht weiterhin die Auseinandersetzung um die Zukunft der Luzerner Steinenstrasse. Noch immer ist keine Einigung über das
umstrittene Sanierungsprojekt erzielt. Die Debatte um Abriss oder Erhalt der historisch gewachsenen Häuserzeile steht exemplarisch für einen Konflikt, der in vielen Städten geführt wird: Wie viel
Geschichte darf dem Renditedruck geopfert werden? Während Anwohner und Denkmalschützer auf den kulturellen und städtebaulichen Wert der Gebäude verweisen, dominieren auf Investorenseite
wirtschaftliche Argumente.
Aktuell drehen sich die Auseinandersetzungen vor allem um Lärmschutzauflagen – ein scheinbar technisches Detail, das jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Handlungsmöglichkeiten der Beteiligten
haben könnte.
Weniger Zukunft, mehr Abschied prägt den Rückblick auf Grüze Pack. Die Band ist mittlerweile Geschichte. Im Nachgang ihres Endes werden Texte, musikalische Ausrichtung, Missverständnisse und die
internen Dynamiken beleuchtet, die letztlich zum Schlussstrich führten. Besonders interessant ist dabei die selbstkritische Reflexion über Attitüde und Außenwirkung – ein Thema, das weit über die
konkrete Band hinausweist.
Politisch wird es auf mehreren Seiten mit Berichten über internationale Freiraumkämpfe und Solidaritätsaktionen. Einen Schwerpunkt bilden Beiträge zu Palästina und dem Westjordanland. Ausgehend
von einem Artikel aus dem Archipel werden Mechanismen von Unterdrückung und Widerstand beleuchtet. Ergänzt wird dies durch eine Kolumne über die aggressive Siedlungspolitik rechtsradikaler
jüdischer Gruppen und deren staatliche Duldung. ROMP bezieht dabei klar Position, ohne den Anspruch auf eine vermeintliche Neutralität zu erheben.
Einen angenehmen Kontrast bilden die persönlichen und kulturhistorischen Beiträge. Piotr stellt sein DIY-Label Kolo Records vor und gibt Einblicke in Motivation und Arbeitsweise unabhängiger
Musikproduktion. Dazu kommen Erinnerungen und Anekdoten aus den 1980er Jahren sowie ein Interview mit Dan Möped, das von einer Zeit erzählt, in der Punk noch deutlich stärker von Eigeninitiative,
Improvisation und persönlicher Vernetzung lebte.
Besonders spannend ist die Auseinandersetzung mit Punk-Samplern. Der ROMP-Herausgeber erkennt ihren Wert nicht nur als Tonträgersammlung, sondern als kulturelles Dokument. Tatsächlich sind gute
Sampler weit mehr als bloße Werbeträger von Labels. Sie fungieren als Landkarten von Szenen, dokumentieren regionale Eigenheiten, konservieren historische Momente und machen politische wie
soziale Entwicklungen innerhalb der Subkultur nachvollziehbar. Ob Boston Hardcore, Southern California Punk oder thematische Zusammenstellungen zu Feminismus, Queer Punk oder Antifaschismus –
Sampler schaffen Zusammenhänge und eröffnen Zugänge zu Musik, die sonst oft unentdeckt bliebe. Gerade in Zeiten algorithmisch kuratierter Playlists wirkt dieser Gedanke aktueller denn je. Das
Thema hätte ohne Zweifel das Potenzial für eine komplette Schwerpunkt-Ausgabe.
Insgesamt präsentiert sich die aktuelle Ausgabe als typisches Szeneheft im besten Sinne: engagiert, meinungsstark, lokal verwurzelt und zugleich international vernetzt. Zwischen Stadtentwicklung,
Politik, Punkgeschichte und DIY-Kultur entsteht ein abwechslungsreiches Heft, das seine Leser nicht nur informiert, sondern zum Nachdenken und Positionieren anregt. Dass dabei nicht jede Meinung
geteilt werden muss, versteht sich von selbst. Gerade daraus bezieht das Heft jedoch einen Teil seiner Relevanz.
Gesamteindruck:
Ein lesenswertes, engagiertes Fanzine, das zeigt, wie eng Punk, Politik, Stadtentwicklung und Erinnerungskultur miteinander verwoben sein können. Fernab von Nostalgie bewahrt ROMP den kritischen Blick auf Gegenwart und Zukunft der Subkultur.
