RUBBERXHEAD Fanzine #11
52 DIN-A-5-Seiten; Preis k. A.
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Nach dem Abbruch seines Geschichtsstudiums wollte Brösel ursprünglich den Blick zurück richten und die Entwicklung von Punk in DDR und BRD beleuchten. Daraus wurde schließlich kein historisches
Forschungsprojekt, sondern ein Fanzine, das sich vor allem mit den Fragen und Herausforderungen der Gegenwart beschäftigt. Eine davon lautet: Wie lange kann, will oder muss man eigentlich
weitermachen?
Musikalisch bleibt RUBBERXHEAD #11 dabei fest in der Punkszene verankert. WENDY SUCKS sprechen über ihren Neustart in veränderter Besetzung, musikalische Einflüsse und die Auswirkungen
gesellschaftlicher Krisen auf das eigene Schaffen. Auch Sam von BOYS CLUB ONLY gibt Einblicke in die Entstehung des dreiteiligen Outputs und spricht dabei offen über psychische Erkrankungen und
persönliche Lebensumstände.
Daneben finden sich die für das Heft typischen Exkurse und Gedankenspiele. Brösel erklärt die Bass-Spielweise von Dee Dee Ramone, lässt in „4 Fäuste für ein ACAB“ Punk und Polizei
aufeinandertreffen und spricht mit #PunkToo über Strukturen, Verantwortung und Erwartungen innerhalb der Szene. Besonders die Gespräche mit BOYS CLUB ONLY und #PunkToo sowie die persönlichen
Texte eröffnen dabei immer wieder interessante Perspektiven auf Themen wie psychische Gesundheit, Aktivismus, Identität und gesellschaftliche Verantwortung.
Gerade hier liegt allerdings auch eine kleine Schwäche der Ausgabe. Viele der angesprochenen Themen besitzen das Potenzial für weiterführende Debatten, werden jedoch häufig nur angerissen.
Spannende Gedanken blitzen in einzelnen Aussagen oder Passagen auf, ohne dass daraus eine vertiefende Auseinandersetzung entsteht. Das gilt insbesondere für Brösels Überlegungen zu Queerness und
Punk. Als agender und queer lebende Person beschreibt Brösel das Spannungsfeld zwischen Selbstdefinition und gesellschaftlicher Kategorisierung und formuliert den Wunsch, Menschen als Individuen
anzuerkennen, ohne sie in Schubladen einordnen zu müssen. Ein Thema, das durchaus Stoff für längere Diskussionen bieten würde, hier aber eher als Denkanstoß stehen bleibt.
Gesamteindruck:
Dennoch macht genau diese Mischung den Reiz von RUBBERXHEAD #11 aus. Das Heft verbindet klassische Musikinterviews mit persönlichen Reflexionen und gesellschaftlichen Fragestellungen. Wer bereit
ist, zwischen den Zeilen zu lesen, findet zahlreiche Anknüpfungspunkte zu aktuellen Debatten. Schade nur, dass manche davon nicht konsequenter weiterverfolgt werden.
Die interessantesten Momente entstehen dort, wo Fragen zu Queerness, psychischer Gesundheit oder Szenestrukturen aufgeworfen werden. Dass viele dieser Gedanken eher aufblitzen als vertieft
werden, hinterlässt einen leicht unvollendeten Eindruck – macht aber auch neugierig auf kommende Ausgaben.
