
Gull House
Gull House III EP
UhmYeahSure Records
Manchmal reicht eine gute Idee für eine Bandkarriere: Lieblingsplatten aus Garage Punk, Hardcore und Post-Punk in den Mixer werfen, den Geschwindigkeitsregler bis zum Anschlag nach rechts drehen
und hoffen, dass dabei mehr herauskommt als bloßer Krach. Die Belgier Gull House aus Diest schaffen dieses Kunststück zumindest teilweise.
Die fünf Songs Punch Salad, Moose Moose, Boy Scout, Beads und Golden Pony hämmern sich in kaum zehn Minuten durch ein nervöses Spannungsfeld irgendwo zwischen MINUTEMEN, DEAD KENNEDYS und IDLES.
Es wird geschrien, gesprochen, gezappelt und gekeift, als hätte man die gesamte Aufmerksamkeitsspanne der Generation TikTok auf Vinyl gepresst. Die Band setzt auf hektische Rhythmen, kantige
Gitarren und kontrollierte Eskalation, ohne sich lange mit Feinheiten aufzuhalten.
Das Ergebnis ist ein wilder, psychotisch-ekstatischer Ritt voller Energie und Dringlichkeit. Gull House besitzen dabei das richtige Gespür für Chaos: Die Songs wirken nie völlig
auseinanderfallend, sondern bleiben stets knapp innerhalb der Leitplanken. Allerdings ist genau das auch die Schwäche der EP. Zwischen all dem Getöse bleiben nur wenige wirklich prägnante Momente
hängen. Die Stücke rasen vorbei wie ein Einkaufswagen mit kaputtem Rad – laut, schnell und unterhaltsam, aber kaum ist er um die Ecke verschwunden, hat man ihn schon wieder vergessen.
Dennoch: Wer Punkrock nicht als Hochglanzprodukt, sondern als spontane Kurzschlussreaktion versteht, wird an Gull House III seine Freude haben. Die Songs klingen nach verschwitzten Kellerclubs,
warmem Bier und Verstärkern, die kurz vor dem Kollaps stehen. Originell ist das nicht unbedingt, aber sympathisch, leidenschaftlich und angenehm frei von jeder Form moderner Überproduktion. Ein
kurzweiliger Adrenalinstoß – mehr Nervenzusammenbruch als Offenbarung.
