
Bad//Dreems
Ultra Dundee LP
Sounds of Subterrania
„Ultra Dundee bist du, Ultra Dundee bin ich – schon der Titeltrack macht unmissverständlich klar, dass Bad//Dreems auf ihrem neuen Album nicht bloß ein paar staubige Australien-Klischees abfeiern
wollen. Stattdessen zerlegen die Australier mit spitzer Ironie jene Bilder von Männlichkeit, Härte und latentem Machismo, die sich tief in das kulturelle Selbstverständnis des Kontinents
eingeschrieben haben – irgendwo zwischen Crocodile Dundee, Romper Stomper, Chopper und Wolf Creek.
Doch Ultra Dundee ist weit mehr als nur eine sarkastische Bestandsaufnahme australischer Macker-Mythen: Es ist ein vielschichtiges, unruhiges und mitreißendes Album, das sich gleichermaßen in die
Gegenwart frisst wie in die Abgründe der nationalen Psyche.
Seit ihrer Gründung im Jahr 2012 haben sich Bad//Dreems aus einem Kühllager in Adelaide heraus zu einer der spannendsten Gitarrenbands Australiens entwickelt. Ihr Sound ist unverkennbar
antipodisch, tief verwurzelt in der Tradition australischer Rock- und Punkbands, aber zugleich offen genug, um daraus etwas Eigenständiges zu formen. Einflüsse von The Saints Coloured Balls The
Replacements oder The Go-Betweens sind spürbar, ohne dass sich die Band darin verliert. Vielmehr schaffen Bad//Dreems eine eigentümliche Spannung zwischen klassischem Gitarrenrock, kantigem
Post-Punk und einer latent bedrohlichen, manchmal fast fiebrigen Atmosphäre.
Das Herzstück der Band bleibt das Songwriting von Ben Marwe und Alex Cameron das sich erklärtermaßen daran versucht, die „Fassade der bequemen australischen Vorstadt-Banalität abzutragen“, um
darunter das Bizarre, Dunkle, Verdrehte, aber eben auch Schöne freizulegen. Genau das gelingt Ultra Dundee beeindruckend gut. Die Songs wirken, als würden sie alltägliche Geschichten,
Landschaften und Figuren aus dem australischen Hinterland durch einen schiefen Spiegel betrachten: vertraut, aber jederzeit kurz davor, ins Unheimliche zu kippen.
Musikalisch präsentiert sich das Album entsprechend abwechslungsreich und unberechenbar. „Kangaroo Skull“ schleppt sich mit psychotisch anmutender Spannung durch die Boxen, wirkt fiebrig,
verschroben und latent verstörend. „Firestorm“ dagegen ist ein stampfend-groovender Punkrock-Brecher, der mit viel Druck nach vorne geht und dennoch genügend Schmutz und Dreck im Getriebe behält,
um nicht in bloße Geradlinigkeit abzugleiten. Mit „Night Shooting“ feuert die Band schließlich eine wilde Post-Punk-Granate ab, die nervös zuckt, drängt und brodelt, als wolle sie jeden Moment
aus der Spur geraten. Gerade diese Wechsel zwischen treibender Direktheit, düsterem Storytelling und schrägen, beinahe psychedelischen Effekten machen den Reiz des Albums aus.
Dabei ist Ultra Dundee kein Werk, das sich beim ersten Durchlauf komplett preisgibt. Die Platte fordert Aufmerksamkeit, weil sie ihre Ideen nicht einfach in hymnische Refrains oder
offensichtliche Hooks verpackt. Stattdessen entwickelt sie ihren Sog über Stimmungen, Brüche, Reibungen und die Art, wie Bad//Dreems ihre Songs immer wieder aus dem Gleichgewicht bringen. Gerade
darin liegt ihre Stärke: Das Album bleibt in Bewegung, es verweigert sich einfachen Schubladen und zieht seine Spannung aus der ständigen Ungewissheit, wohin der nächste Song kippen könnte.
So entsteht ein Album, das zugleich roh und durchdacht, eingängig und sperrig, klassisch und doch eigenwillig wirkt. Ultra Dundee ist ein wuchtiger, kluger und kreativ aufgeladener Blick auf
Australien – auf seine Mythen, seine Gewalt, seine Leere, seine Grotesken und seine Schönheit. Bad//Dreems gelingt damit eine Platte, die nicht nur stilistisch beeindruckt, sondern auch
inhaltlich Tiefe entwickelt. Die Songs hallen lange nach, weil sie nicht nur gut geschrieben sind, sondern weil sie Bilder und Stimmungen erzeugen, die sich festsetzen.
Fazit:
Mit Ultra Dundee liefern Bad//Dreems ein starkes, vielschichtiges und ausgesprochen eigenwilliges Album ab, das Punk, Post-Punk, Rock’n’Roll und australische Abgründe zu einem packenden Gesamtbild verbindet. Mal druckvoll und groovend, mal verstörend und psychotisch, mal hymnisch und scharf beobachtend – aber immer spannend. Eine Platte, die sich nicht auf Anhieb erschließt, dafür aber umso nachhaltiger wirkt.
