
FB1964
Punk und so CD
Manchmal sind es gerade die Nebenprojekte und Herzensangelegenheiten, die besonders viel Spielfreude freisetzen. Hinter FB1964 stehen Mirko Gätje (Bass), Frank Badenhop (Gitarren) und Hanno
Kerstan (Drums), die seit 2012 als reines Studioprojekt bemerkenswert produktiv unterwegs sind. Acht Alben hat das Trio in dieser Zeit veröffentlicht – mal mit eigenen Songs, mal mit
Coverversionen. Mit Punk und so legt die Band nun erneut ein Coveralbum vor und widmet sich darauf einem weit gespannten Kanon aus Punk, Hardcore, Rock’n’Roll, Pop und Metal.
Die Songauswahl liest sich wie eine liebevoll kuratierte Jukebox zwischen Szene-Klassikern und augenzwinkernden Überraschungen: Social Distortion, Motörhead, Disfear, Sex Pistols, Dead Kennedys,
The Exploited, G.B.H., Bad Religion, Misfits, Blondie, ABBA, Patti Smith oder Die Goldenen Zitronen – alles darf hier nebeneinanderstehen, solange es sich mit der Handschrift von FB1964 verträgt.
Und die ist eindeutig: Das Trio nähert sich den Vorlagen meist mit Respekt, aber nie ohne ihnen eine markante metallische Schärfe mitzugeben. So entsteht über die gesamte Platte hinweg eine
Melange aus Punk-Attitüde und druckvollem Metal-Fundament, die den Songs mehr Wucht verleiht, ohne ihre Herkunft zu verleugnen.
Unterstützt wird das Kerntrio von einer ganzen Reihe an Gästen, darunter Beki Bondage, Kristin Starkey, Lucca Massa oder Raffa De La Torre, die den Interpretationen zusätzliche Farben verleihen.
Gerade dadurch gewinnt das Album an Dynamik, weil sich die Stücke nicht wie bloße Nacherzählungen der Originale anfühlen, sondern immer wieder neue Perspektiven öffnen. Besonders gelungen ist
etwa die Version von „California Über Alles“: Durch **Kristin Starkeys** Gesang und das eingebaute Intermezzo mit der Melodie von Scott McKenzies „San Francisco (Be Sure to Wear Flowers in Your
Hair)“ bekommt der Dead-Kennedys-Klassiker einen reizvollen, fast ironisch gebrochenen Twist, der bestens funktioniert.
Überhaupt lebt Punk und so davon, dass FB1964 trotz der Nähe zu den Originalen immer wieder kleine Brüche und Spielereien einbaut. Intros, Outros, Samples und Soundeffekte werden großzügig
verteilt und verleihen dem Album einen collageartigen Charakter. Wenn „Alternative“ von The Exploited zunächst mit einem überraschend poppigen Intro ansetzt, bevor der Song in die Vollen geht,
zeigt sich genau diese Lust am Kontrast. An anderer Stelle drückt die Band den Stücken eine fast überzeichnete Theatralik auf – besonders im Sex-Pistols-Medley, das mit seiner beinahe
musicalhaften Darbietung aus dem Rahmen fällt und gerade deshalb hängenbleibt.
Natürlich ist Punk und so kein Album, das den Anspruch erhebt, die Punkgeschichte neu zu schreiben. Dafür ist es auch viel zu sehr als Spaßprojekt und Hommage angelegt. Aber genau darin liegt
seine Stärke: FB1964 nehmen sich die Freiheit, bekannte Songs durch den eigenen Verstärker zu jagen, ihnen metallische Kanten zu verpassen und dabei genug kreative Ideen einzustreuen, damit aus
den Covers mehr wird als bloße Fingerübungen. Das Ergebnis ist eine kurzweilige, fett produzierte Sammlung, die sich hörbar mit ihren Vorbildern auseinandersetzt, ohne in Ehrfurcht zu
erstarren.
Fazit:
Punk und so ist ein launiges, druckvolles und mit viel Liebe zum Detail umgesetztes Coveralbum, das Punkklassiker und popkulturelle Querverweise mit einer satten Metal-Schlagseite versieht. Nicht jeder Einfall zündet gleich stark, aber die Spielfreude, die Gästeauswahl und der Mut zu kleinen Verfremdungen machen aus dem Album weit mehr als nur eine weitere Coverplatte. Ein Fun-Projekt im besten Sinne – eines, das seine Vorlagen respektiert, sie aber zugleich mit hörbarer Lust am Überzeichnen und Umdeuten anpackt.
