
Schneckenkönich
Alright LP
Sounds of Subterrania
Americana, Bluesrock und Soul aus Deutschland? Klingt im ersten Moment nach einer eher gewagten Kombination – und der Bandname Schneckenkönich lässt zunächst vielleicht eher an eine verschrobene
Kinderliedtruppe als an eine ernstzunehmende Rockband denken. Doch schon nach wenigen Takten von Alright ist klar: Hier wartet kein skurriler Gag, sondern ein erstaunlich stilsicheres Ensemble,
das tief im Geist von Hippietum, Classic Rock und staubigem Americana verwurzelt ist.
Schneckenkönich atmen den lässigen, warmen Vibe der späten Sechziger und frühen Siebziger ein, ohne dabei wie ein bloßes Retroprojekt zu wirken. Stattdessen zünden sie mit Songs wie „Firestorm“
ein kleines Flächenfeuer aus Blues, Soul und erdigem Rock’n’Roll, das selbst die trägste Lethargie zuverlässig vertreibt. Die acht Stücke auf *Alright* sind mit viel Gespür arrangiert, leben von
organischem Zusammenspiel, unaufgeregter Musikalität und einer Atmosphäre, die sofort Bilder von staubigen Sommerabenden, improvisierten Festivalbühnen und verrauchten Kneipen
heraufbeschwört.
Überhaupt liegt eine große Stärke der Platte in ihrer Selbstverständlichkeit. Nichts wirkt erzwungen, nichts auf Effekt gebürstet. Schneckenkönich lassen ihre Songs atmen, geben ihnen Raum, sich
zu entfalten, und vertrauen ganz auf Melodie, Groove und Gefühl. Das macht Alright zu einem Album, das nicht laut um Aufmerksamkeit kämpft, sondern seine Wirkung mit Charme und Souveränität
entfaltet. Hinreißend, mitreißend und genau die Art von Musik, die sowohl auf dem Stadtfest als auch beim Kleinkunstfestival oder zwischen alten Hippies auf irgendeiner verwunschenen
Open-Air-Bühne bestens funktioniert.
Mit „Never Too Late“ liefern Schneckenkönich dann eine wunderbar stones-affine Ballade, die das Tempo kurz rausnimmt und ganz auf Gefühl setzt. Ein Song zum Schwofen, zum Innehalten, zum
melancholischen Blick zurück auf vergangene Beziehungen – oder einfach zum Eintauchen in diesen einen Moment, in dem alles kurz stillzustehen scheint. Gerade in solchen Augenblicken zeigt sich,
wie gut die Band das Wechselspiel aus Nostalgie, Wärme und leicht verlebter Schönheit beherrscht.
Zum Abschluss verabschieden sich Schneckenkönich mit „Time To Leave Now“ – einer schwülstigen, aber wirkungsvollen Ballade, in der sich Country, Blues und ein Hauch Melancholie noch einmal zu
einem stimmungsvollen Finale verbinden. Das ist vielleicht kein Paukenschlag, sondern eher ein letzter tiefer Atemzug zum Sonnenuntergang – passt aber genau deshalb hervorragend zu dieser
Platte.
Alright ist ein Album für offene Fenster, warme Nächte und Menschen, die Musik nicht bloß hören, sondern sich in ihr einrichten wollen. Schneckenkönich gelingt hier der Spagat zwischen lässiger
Retro-Verliebtheit und echter Hingabe an den Song. Bitte wiederkommen.
