
The Get Alongs
Second To None LP
Having Fun / We Are Busy Bodies
The Get Alongs spielen auf Second To None nicht die große Revolution, aber sie wissen ziemlich genau, wie man aus ein paar Akkorden, reichlich Herzblut und noch mehr Gespür für Hooks eine Platte
zimmert, die einem angenehm in den Gehörgang grätscht. Das hier ist Gitarrenmusik mit Scheppern, Schmiss und Schweißfilm auf der Stirn – irgendwo zwischen 60s-Garage, 70s-Power-Pop und jener
abgehangenen College-Rock-Lässigkeit, die Bands wie The Replacements, The Lemonheads oder The Shoes so unwiderstehlich gemacht hat. Jangle, Melodie und ein bisschen Verschleiß inklusive.
Alles wirkt herrlich unprätentiös, nichts geschniegelt, nichts auf cool gebürstet. Stattdessen klingt Second To None wie eine Band, die begriffen hat, dass ein Song ruhig schrammeln darf, solange
der Refrain sitzt und am Ende noch genug Dreck unter den Fingernägeln klebt.
Auch textlich gibt’s keine pseudotiefen Verrenkungen, sondern genau die Art von Alltagsmelancholie, die in diesem Sound am besten funktioniert: Beziehungen im Dauerzustand zwischen Aufbruch und
Stillstand, Zeit, die einem durch die Hände rinnt, und dieses latente Gefühl, dass nichts jemals wirklich fertig sortiert ist. The Get Alongs erzählen dabei nicht groß aus, sie deuten eher an,
lassen Bilder stehen, statt alles mit Textmarker zu unterstreichen. Das passt zu dieser Platte, die ohnehin mehr nach durchwachten Nächten, klebrigen Tresen und verstimmten Amps klingt als nach
sauber ausformulierter Konzeptkunst. Second To None lebt von diesen Zwischenräumen – von Momenten, in denen noch nicht klar ist, ob man gerade abstürzt oder sich aufrappelt.
Musikalisch ist das dann vor allem eines: verdammt charmant in seiner Ungehobeltheit. Die Gitarren perlen, scheppern und schieben, die Rhythmussektion hält das Ganze angenehm straff zusammen und
über allem hängen diese rauen, leicht angerissenen Vocals, die dem Material genau die richtige Portion Rotz verpassen. Da ist ständig dieses „Come on!“-Gefühl in der Luft, dieser Drang nach
Vorwärts, nach Euphorie, nach dem nächsten Bier und dem nächsten Refrain. Wenn die Band in Songs wie „On and On“ oder „Sound“ kurz den Fuß vom Gas nimmt, wird’s nicht etwa schmalzig, sondern bloß
etwas verträumter – wie der Blick aus dem Zugfenster nach einer Nacht mit zu wenig Schlaf und zu viel Koffein. Und dann steht da plötzlich „232“ im Türrahmen, tritt alles kurz in den Staub und
reitet mit hochgekrempelten Ärmeln Richtung Sonnenuntergang, während irgendwo im Hintergrund schon die nächsten Dämonen ihre Stiefel schnüren.
Das Schöne an Second To None ist, dass The Get Alongs gar nicht erst versuchen, ihre Einflüsse zu verstecken oder krampfhaft originell zu wirken. Die Platte lebt gerade davon, dass sie bekannte
Versatzstücke so zusammensteckt, als wären sie nie für etwas anderes gedacht gewesen. Power-Pop-Melodien, Garagenstaub, ein Schuss Slacker-Rock und immer wieder diese kleinen Momente, in denen
ein Song plötzlich größer wirkt, als er auf dem Papier eigentlich sein dürfte. Nichts daran ist geschniegelt, alles klingt nach Proberaum, Clubschweiß und dem festen Glauben daran, dass drei
Minuten Gitarrenmusik immer noch reichen können, um die Welt für einen Augenblick weniger unerquicklich erscheinen zu lassen.
Fazit:
Second To None ist keine Platte für Hochglanzfetischisten und Klangästheten, die bei jedem schiefen Ton nervös mit der Augenbraue zucken. Das hier ist Musik für Leute, die es mögen, wenn Melodien nicht geschniegelt daherkommen, sondern sich ihren Weg mit Schrammen und Schotter in den Knien bahnen. The Get Alongs liefern ein Album ab, das gleichzeitig euphorisch, verkatert, rumpelig und herzlich klingt – und gerade deshalb so gut funktioniert. Keine Sensation, kein Gamechanger, aber eine verdammt starke Gitarrenplatte, die weiß, wann sie scheppern, wann sie schwelgen und wann sie einfach nur den nächsten verdammten Hit raushauen muss.
