
RAT BOY
Crash! LP
Hellcat Records / Indigo
Dass Crash! im Garten von Suzi Quatro entstanden ist, hört man dieser Platte tatsächlich an. Nicht, weil sie nach Glam Rock klingen würde – sondern weil sie den Charme einer Band einfängt, die
sich fernab steriler Studios einfach eingeschlossen hat, Verstärker aufgerissen und drauflosgespielt hat. Zwei Schuppen, kaum Dämmung, ein Schlagzeug, das so offen und scheppernd klingt, als
stünde es direkt im Proberaum.
Produziert von Frontmann Jordan Cardy, Bassist Harry Todd Booth und Rancid-Mastermind Tim Armstrong, verzichtet das Album bewusst auf digitale Schönfärberei. Hier scheppert, rumpelt und lebt jede
Aufnahme.
Die 18 Songs strotzen vor Energie und schlagen permanent den Bogen zwischen jugendlicher Unbekümmertheit und den ersten Zusammenstößen mit dem Erwachsenwerden. Mal dominiert rotziger Streetpunk
mit deutlicher RANCID-Schlagseite, dann wieder schimmern Britpop-Melodien, Ska-Offbeats oder Indie-Rock-Hooks durch. Rat Boy bleiben dabei herrlich respektlos und wechseln scheinbar mühelos
zwischen Highschool-Frechheiten, Working-Class-Attitüde und nachdenklicheren Momenten.
Gerade die gute Produktion verleiht Crash! seinen besonderen Reiz. Das Schlagzeug knallt lebendig aus den Boxen, die Gitarren sägen herrlich unsauber und Cardys Gesang wirkt oft, als würde er im
nächsten Moment auseinanderbrechen – genau das macht die Platte glaubwürdig. Nichts klingt geschniegelt oder kalkuliert, sondern nach einer Band, die lieber den perfekten Moment als die perfekte
Aufnahme konservieren wollte.
Mit seinen 18 Tracks gerät Crash! zwar stellenweise etwas ausufernd, doch die schiere Spielfreude trägt sich über 2 1/2 Minuten hinweg. Rat Boy liefern keinen Innovationspreis ab, sondern eine
Platte voller Herzblut, die Punkrock, Ska und High SchoolPopPunk zu einem sympathisch chaotischen Mixtape verbindet. Genau dieses ungekünstelte Chaos macht Crash! zu einem Album, das so viel Spaß
macht.
