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OX #186

OX #186
OX #186

OX #186
172 DIN-A-4-Seiten; € 6,90.- + CD
OX-Fanzine, Postfach 110420, 42664 Solingen
www.ox-fanzine.de
    Joachim möchte nicht Mitglied im Nase-Pudern-Club sein, während Roman Eisner kleine rote Vögel sieht, die wie Flummis über den Boden hüpfen und singen, und es verdächtig in der Hecke raschelt. Tom van Laak verlässt sich im Umgang mit Hund Marty lieber auf sein Bauchgefühl, während Freundin Sandra nach zahllosen Tutorials ohnehin alles besser weiß. Zur Abwechslung schaut Tom „Terrifier 3“, schläft dabei ein und muss zurückspulen, um herauszufinden, wen der Clown diesmal fachgerecht zerstückelt hat.

Gregg Deal von DEAD PIONEERS gibt sich im Interview erfreulich ungeschönt. Er sehe sich verpflichtet, auf jeder Plattform ehrlich zu sein, und meint trocken, die Band habe sich „aus Versehen gegründet“. Dass sein Schaffen weit über Punk hinausreicht, zeigt auch Konstantin Butz' Bericht über Deals Vortrag an der Kunsthochschule für Medien Köln. Dort wird deutlich, wie konsequent er Aktivismus, Politik und Kunst miteinander verbindet und Performance, Punk und Lyrik als gleichwertige Ausdrucksformen versteht.
HC-Helge widmet sich im „Kanon des guten Geschmacks“ dem japanischen Hardcore und zeichnet die Geschichte von Bands wie G.I.S.M., The Execute, Lip Cream, Gastunk, Gauze oder Outo nach. Breiti und Vom Ritchie werden getrennt voneinander befragt, während Paula Heil auf der Suche nach Parallelwelten zeigt, dass auch in Frankreich, Italien, Schweden oder Ungarn Bands mit Punkwurzeln große Hallen und Stadien füllen. Triebi Instabil spricht mit Scholle und Jason von PLATZANGST über ihre Punk-Sozialisation und darüber, dass Korn-Cola oder Korn-Fanta den Bühnenauftritt gelegentlich erleichterten. Das Organisationsteam des KBAN Kusel erläutert seine Werte, Preisgestaltung und roten Linien und wünscht sich mehr Akzeptanz in der Region. Später blickt Triebi gemeinsam mit Ackerbau & Viehzucht zurück und erfährt von Sänger N-Te, dass eine neue Platte durchaus möglich sei – schließlich „bleibt die Begeisterung für die Sache“.
Roman Eisner setzt sich in seinem Artikel „Punk und Doppelmoral“ mit der Haltung der Punkszene zu Donald Trumps MAGA-Bewegung auseinander. Er stellt fest, dass sich überraschend wenige Bands öffentlich positionieren, reflektiert dabei aber auch eigene Vorurteile und verweist auf positive Gegenbeispiele – von geplanten Soli-Samplern bis hin zu Veröffentlichungen, deren politische Botschaft unabhängig vom Medium ihr Publikum erreichen soll.

Gesamteindruck:

Auch die aktuelle Ausgabe überzeugt mit der gewohnt breiten Mischung aus Interviews, Reportagen, Kolumnen und Musikjournalismus. Zwischen Humor, Szene-Anekdoten und politischen Debatten bleibt das OX seinem Anspruch treu, Punk nicht nur als Musikstil, sondern als kulturelles und gesellschaftliches Phänomen zu begreifen. Manche Themen hätten durchaus noch etwas mehr Tiefgang vertragen, insgesamt bietet das Heft aber reichlich Lesestoff und genügend Anregungen, um weit über die reine Plattenkiste hinauszublicken. Wer das OX regelmäßig liest, bekommt auch diesmal genau das, was das Magazin seit Jahrzehnten auszeichnet: neugierigen, meinungsstarken und angenehm unprätentiösen Punkjournalismus.

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