
Normenkollision
Kranke Zeiten EP
Smith & Miller Records
Was geht in Burg bei Magdeburg? Suff, Freundschaft, Frust, Stammtischidioten und die ewige Sehnsucht, endlich auszubrechen. Genau dort setzt das musikalische Quartett NORMENKOLLISION an und
verwandelt diese Gemengelage in eine Handvoll schmissiger Deutschpunk-Hymnen, die irgendwo zwischen der rotzigen Eingängigkeit von Terrorgruppe und der Melancholie von Durstgefühl pendeln. Die
Songs erzählen von exzessivem Gerstensaftkonsum, Paranoia und den kleinen wie großen Katastrophen des Alltags, ohne sich im Klischee zu verlieren.
Musikalisch setzt die Band auf schnörkellosen, melodischen Punkrock mit druckvollen Gitarren, griffigen Refrains und genau der richtigen Portion Dreck unter den Fingernägeln. Immer wieder blitzt
eine räudige Kante auf, bspw. wenn Glimm von Planet Piss in „Paranoia“ rumplärrt, während die Gitarrenläufe genügend Melodie mitbringen, um die Stücke nachhaltig im Ohr zu verankern. Das wirkt
nie geschniegelt oder kalkuliert, sondern ehrlich, ungestüm und angenehm unperfekt.
Kranke Zeiten ist keine Neuerfindung des Deutschpunks, aber Mucke, die dessen Stärken gekonnt ausspielt: klare Haltung, eingängige Hooks und Texte, die zwischen Katerstimmung und Aufbruchswillen
pendeln. Das knallt mit der Wucht eines Molotowcocktails – und dürfte auf der nächsten Kellerkneipen- oder AJZ-Party ebenso zünden wie vor der Bühne.
