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TRUST #238

TRUST #238
TRUST #238

TRUST #238
68 DIN-A-4 Seiten; €4,00.-
Trust Verlag, Dolf Hermannstädter, Hamburger Str. 243, 28205 Bremen
https://trust-zine.de/
Dolf zählt die Zeichen seiner bisher veröffentlichten Kolumnen in 40 Jahren TRUST-Geschichte und weiß, dass es immer noch „erstaunliches zu entdecken gibt“, und „dass es weitergeht mit dem mehr erleben“.
Jan Röhlk gibt preis, „der unbekannteste Fakt in der ganzen TRUST-Geschichte ist der, dass die Gründer alle vor dem TRUST Punks waren“ und wandelt auf bekannt nerdige und spleenige Art und Weise auf dem im März stattgefundenen Central L.A.-Trip, besuchte Gigs und führte mit StarParty ein Live-Interview, um sich dann wieder auf akribische Art und Weise auf Punksongs und deren Ursprung zu fokussieren.

Jerry A. von Poison Idea hatte Angst, auf der Bühne mit Sänger Barney von NAPALM DEATH zusammen „Nazi Punks Fuck Off“ zu singen und erzählt aus seinem Buch und der Kindheit, voll mit Missbrauch und dem Gefühl, 24 Stunden in einem Käfig zu sitzen und darauf zu warten, geschlagen zu werden.
Dan von Mt. Dagger erzählt, dass Berlin eine Partystadt ist, er sich nie auf einer Tanzfläche wohlgefühlt hat, und sich „unsere Musik mich in einer gewohnten angenehmen Decke umhängen (lässt) und egal wie sie ankommt, fühlt sie sich richtig gut an“.
Mika berichtet über TOMAR CONTROL und die Hintergründe zu ihren Songs, die Machtmissbrauch, beschissene Politiker, Tierleid, Armut thematisieren, und July beklagt, dass es in Peru keine Straight Edge-Community mehr gibt.
Guy Picciotto von RITES OF SPRING/FUGAZI erzählt u. a. die Entstehungsgeschichte zum – wie Jan Röhlk attestiert – Jahrhundertlied „Drink deep“ (FUGAZI) und sieht sich tief in der Schuld der RAMONES, die einen großen Einfluss hatten und denkt, dass sie immer noch unterschätzt werden.

Gesamteindruck:

Auch die aktuelle Ausgabe bleibt dem treu, was das TRUST seit Jahrzehnten auszeichnet: weniger Hochglanz-Musikjournalismus als ein Ort für Erinnerungen, Einordnung und persönliche Faves. Die Interviews nehmen sich Zeit, lassen ihre Protagonist*innen ausführlich erzählen und verzichten wohltuend auf den üblichen Promo-Fragenkatalog. Gerade die Gespräche mit Jerry A. und Guy Picciotto entwickeln dadurch eine Tiefe, die weit über reine Bandhistorie hinausreicht.
Wer Freude an Hintergründen, Zeitgeschichte, Subkultur und persönlichen Perspektiven hat, findet erneut ein lesenswertes Heft, das sich bewusst gegen Oberflächlichkeit stellt und auch nach vier Jahrzehnten seinen eigenständigen Charakter bewahrt.

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