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Selbstzerlegung mit Deutschlandfahne

Kaum führt die AfD in Umfragen, beginnt das, was sie offenbar am besten kann: sich selbst zu bekämpfen. Nicht Inflation, Wohnungsnot oder Pflegenotstand stehen im Mittelpunkt, sondern Posten, Einfluss und die Frage, wer im internen Machtpoker die besseren Karten hat. Patriotismus endet offenbar dort, wo der eigene Listenplatz beginnt.

Währenddessen wirkt das Schattenkabinett längst so, als würde es nicht mehr hinter verschlossenen Türen tagen. Angeführt von Björn Höcke werden Positionen und Formulierungen vertreten, die immer wieder an völkisch-nationalistische Denkmuster erinnern. Was früher höchstens am Stammtisch genuschelt wurde, wird heute auf Bühnen und in sozialen Medien mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit vorgetragen – als ließe sich Geschichte per Slogan neu schreiben. Die eigentliche Provokation besteht längst nicht mehr darin, Tabus zu brechen, sondern immer weiter auszutesten, wie weit sich die Grenzen des Sagbaren verschieben lassen.

Flügel gegen Flügel, Landesverband gegen Bundesvorstand, alte Seilschaften gegen neue Netzwerke – und mittendrin ein erstaunlicher Wettbewerb darum, wer zuerst den Dolch zückt. Die Partei wirkt bisweilen wie eine Familie, die sich nicht um das Haus kümmert, sondern ausschließlich darum, wer den größten Schlüsselbund bekommt.

Dabei verkauft sie sich gern als Stimme des „kleinen Mannes“. Tatsächlich entsteht oft der Eindruck, dass sie vor allem die Stimme der eigenen Funktionär*innen sein möchte. Wer welchen Posten erhält, wer über welches Budget verfügt und wer wen ausbootet, scheint deutlich mehr Aufmerksamkeit zu bekommen als die Probleme der Menschen, deren Wut man politisch vermarktet.

Auch der Vorwurf der Vetternwirtschaft taucht immer wieder auf: Vertraute werden gefördert, Kritiker*innen an den Rand gedrängt, Loyalität zählt häufig mehr als Kompetenz. Das ist bemerkenswert für eine Partei, die anderen ständig Filz und Selbstbedienung vorwirft. Offenbar gilt der Kampf gegen das Establishment nur so lange, bis man selbst einen Platz am Tisch ergattert hat.

Natürlich wäre es bequem, darauf zu hoffen, dass sich die AfD an ihren eigenen Machtkämpfen selbst zerlegt. Aber Demokratie sollte sich niemals auf die Selbstzerstörung ihrer Gegner verlassen.

Entscheidend ist vielmehr, dass Wähler*innen den Unterschied erkennen: Zwischen einer demokratischen Gesellschaft, die von Menschenwürde, Gleichberechtigung und Pluralismus lebt, und einer Politik, die Ausgrenzung, ethnischen Nationalismus und Ressentiments salonfähig macht, verläuft keine Meinungsverschiedenheit – sondern eine rote Linie.

Vielleicht erledigt sich die AfD tatsächlich irgendwann selbst. Bis dahin gilt: Wer laut gegen den politischen Filz wettert und gleichzeitig den eigenen Stall mit Seilschaften ausbaut, liefert unfreiwillig die beste Satire gleich selbst. Und wer Freiheit verspricht, während er die Grenzen des demokratisch Sag- und Denkbaren immer weiter in Richtung autoritärer und völkischer Vorstellungen verschiebt, sollte sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen erkennen, dass zwischen Demokratie und Rassismus eben kein Platz für ein „Sowohl als auch“ ist.

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