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TRËMØRE/LHUMA - Amor & Psychose

TRËMØRE/LHUMA - Amor & Psychose LP
TRËMØRE/LHUMA - Amor & Psychose LP

TRËMØRE/LHUMA

Amor & Psychose LP
Zwei Bands, zwei Städte, eine gemeinsame Haltung: TRËMØRE aus Berlin und LHUMA aus Dresden bündeln ihre Kräfte auf Amor & Psychose und liefern in nicht einmal 18 Minuten neun Songs voller Wucht, Verzweiflung und Widerstand. Entstanden aus gemeinsamen Konzerten und der typischen DIY-Dynamik – alles dauert länger als geplant – wirkt diese Split-LP dennoch wie aus einem Auge des Infernos.

TRËMØRE eröffnen mit vier Stücken, die ihren selbst bezeichneten „Empowerviolence“ konsequent ausleben. Powerviolence, Hardcore, Doom und Screamo werden zu einem chaotischen, aber präzise gesetzten Sturm verdichtet. Inhaltlich geht es um Femizide, patriarchale Gewalt, Rassismus, rechte Hetze in sozialen Medien und die Verdrängungsmechanismen spätkapitalistischer Gesellschaften. 
Punk macht den Kopf kaputt! 
Die Texte verzichten auf subtile Andeutungen und formulieren ihre Positionen offen und kämpferisch. Zwischen "Ihr kotzt mich an" werden Feindbilder benannt und die "Messlatte der neoliberalen Selbstoptimierung" wird niedrig gesetzt, damit auch alle durchgestoßen werden. Es muss ein Zeichen gesetzt werden.
Musikalisch passt das: hektische Blastbeats, abrupte Tempowechsel, schneidende Gitarren und ein Kollektivgesang, der mehr Anklage als Unterhaltung sein will. Alle anderen wählen den Notruf!


LHUMA schlagen anschließend einen etwas anderen Ton an, ohne die Intensität zu reduzieren. Ihr keifender Hardcore mit deutlichen 2000er-Screamo-Einflüssen lebt stärker von emotionalen Spannungsbögen. Schmerz, Verlust, Überforderung und die Sehnsucht nach einem anderen Leben stehen im Mittelpunkt, eingebettet in eine fundamentale Kapitalismuskritik und die Wahrnehmung einer zunehmend nach rechts driftenden Gesellschaft. Wo TRËMØRE die Faust heben, reißen LHUMA eher die eigenen Wunden auf und servieren ein durchgeschütetlt kräftiges heart to the rotten core. Die Mischung aus verzweifeltem Geschrei, melodischen Gitarrenfragmenten und eruptiven Ausbrüchen erinnert an den klassischen europäischen Screamo, ohne nostalgisch zu wirken.


Amor & Psychose ist keine Platte für nebenbei. Sie ist kurz, kompromisslos und bewusst überfordernd. Beide Bands ergänzen sich hervorragend: TRËMØRE liefern die politische Kampfansage, LHUMA den emotionalen Zusammenbruch – und beides speist sich aus derselben Erfahrung gesellschaftlicher Ohnmacht. Der rohe DIY-Sound passt dabei perfekt zum Material: nichts geglättet, nichts auf Hochglanz poliert, sondern unmittelbar, laut und ehrlich.
Wer Powerviolence, Hardcore und Screamo nicht nur als Stilmittel, sondern als Ausdruck von Wut, Solidarität und Verzweiflung versteht, bekommt hier eine Split, die ihre Botschaften mit voller Konsequenz durchzieht. Kurz, heftig und mit nachdenklichem Nachgang.

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