Marc Friedrich - Über den größten Raubzug der Geschichte

Marc Friedrich
Marc Friedrich

„Bei Banken und Versicherungen hat trotz der Finanzkrise bis heute kein Umdenken stattgefunden. Anleger wurden und werden oftmals schlicht und einfach nicht in ihrem Interesse beraten. Es werden Finanzprodukte verkauft, die nicht den Vorstellungen des Kunden entsprechen und von denen ausschließlich die Finanzwirtschaft profitiert.“ (Quelle)

In seiner  Analyse prognostiziert der frühere Hedge-Funds-Manager Raoul Pal das Ende des Finanzsystems bis spätestens 2013. Wichtige Erfahrungen sammelte er zuvor bei Goldman Sachs. Dort leitete er den Hedge Fund für das europäische Eigenkapitalgeschäft. In seiner jüngsten Prognose zeichnet er ein düsteres Bild des Finanzsystems. Das Scheitern des Finanzsystems ist zugleich auch ein Scheitern des kapitalistischen Geldsystems.
Unser kapitalistisches Geldsystem führt zwangsweise zu einer kontinuierlichen Umverteilung der Geldvermögen von der Masse der Bevölkerung weg, hin zu wenigen Vermögenden. Dies führt im fortgeschrittenen Stadium zu einer zunehmenden Vermögensanhäufung in den Händen weniger und einer immer höher verschuldeten breiten Masse. Die Banken spielen bei diesem Prozess eine wesentliche Rolle, weil sie selbst durch immer höhere, zinsbelastete Kreditvergabe immer größere Geldmengen aus dem Nichts erzeugen und von diesem illegitimen Recht auf Geldschöpfung zudem stark profitieren.


Zur Erinnerung: Die Finanzkrise in den USA hat die Börsen weltweit in einen Abwärtsstrudel hineingerissen. Ihren Anfang nahm die internationale Bankenkrise, als im Februar 2007 erste US-Banken Konkurs gingen. Aber Staatspleiten und Bankenkrisen gab es auch schon vorher...
Marc Friedrich und Matthias Weik haben Erfahrungen, Recherchen und Zusammenhänge in einem Sachbuch zusammengefasst, erklären in einfacher Sprache und mit vielen (Fall-)Beispielen wie Geld entsteht, was faule Kredite, Hedgefonds und Bad banks sind und welche private Anlagen jede Krise überstehen.  Mittlerweile ist „Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“ in der SPIEGEL-Bestsellerliste auf Platz 22 angekommen und dient als Ratgeber in einer komplizierten Spirale aus kontrolliertem Betrug und ungezügelter Gier.

    Marc, die Finanzwirtschaft profitiert von der Unwissenheit derjenigen, denen Produkte verkauft werden sollen. Trotz dieser Unwissenheit und Überforderung, wächst das Misstrauen gegenüber Banken und Bankgeschäfte. Welches Ziel ist dir persönlich wichtiger: Das Bankensystem zu zerschlagen oder es auf seine dienenden, genuinen Aufgaben zu begrenzen?
Marc Friedrich: Gute Frage Fred!
Das momentane Bankensystem muss radikal umgebaut werden. Aktuell ist sein Antriebsmotor die grenzenlose Gier nach Profit. Oberste Maxime muss wieder ein dem Menschen dienendes Bankensystem sein, welches sich auf seine Kernkompetenzen zurückbesinnt: Die Wirtschaft und die Menschen mit Geld zu versorgen und der Allgemeinheit zu dienen. Mein erstes Ziel wäre es die momentanen Strukturen nachhaltig aufzulösen und dann neu auszurichten. Die sehr mächtige und finanzstarke Finanzlobby hat sich bis dato allerdings sehr erfolgreich gegen alle Reformen gewehrt.

    Es wurden zahlreiche Finanzmarktprodukte geschaffen, die von Anfang an keinen Bezug zur irgendeinem ökonomischen Wert hatten. Welcher Skandal liegt der fiktiven Geldvermehrung zugrunde?
Marc Friedrich: Durch die Aufhebung des Bretton Woods Abkommen und damit des Goldstandards 1971 durch US Präsident Nixon ist die Geldmenge explodiert und wächst seitdem exponentiell. Exponentielles Wachstum ist in einer endlichen Welt aber nicht möglich und letztendlich zum sicheren Scheitern verurteilt. Wie im Buch ausführlich beschrieben sind alle ungedeckten Papiergeldsysteme welche auf Zins und Zinseszins basieren und dadurch exponentiell wachsen in der Vergangenheit immer gescheitert. Es ist also nur eine Frage der Zeit bis der Euro, der Dollar, der Yen etc. kollabieren.
Ein weiterer enormer Skandal ist, dass die Geldschöpfung in den Händen der Notenbanken liegt, diese aber in Privatbesitz sind (Hauptsächlich Banken). Auch dies muss geändert werden.

Millionen von Menschen werden unruhig, gehen auf die Straße. Antikommunistische Hetze gegen Demonstranten, Gewerkschaftsführer und beängstigende Gewaltanwendungen (Bsp. Bloccupy in Frankfurt) von Spezialtruppen sollen demokratische Bewegungen paralysieren. Warum reagiert die Politik so überzogen aggressiv und unberechenbar?
    Marc Friedrich: Unser komplettes System liegt pre-final auf der Intensivstation und ihm ist nicht mehr zu helfen. Alle Maßnahmen behandeln nicht die Ursache sondern nur kurzfristige die auftretenden Symptome. Das Leiden wird dadurch nur unnötig in die Länge gezogen und der volkswirtschaftliche Schaden wird maximiert. Fakt ist: Der Patient ist tot. Nur traut sich keiner den Stecker zu ziehen, weil keiner weiß was dann passiert und danach kommen soll. Der Kapitalismus ist 20 Jahre nach dem Ende des Kommunismus ebenfalls gescheitert. Fred, die Krise ist nun im 5. Jahr und wenn sie lösbar wäre, hätte man sie schon längst gelöst. Das wir uns nun aber schon im 5. Jahr befinden, sollte jedem deutlich machen, dass diese Krise schlichtweg nicht gelöst werden kann und die Politiker absolut ratlos sind. Wenn eine Frau Merkel morgen vor die Kamera tritt und verkündet, dass die Renten, Lebensversicherungen, der Euro, alle Ersparnisse etc. nur noch einen Bruchteil von dem Wert sind was sie mal waren, dann brennt, salopp gesagt, die Hütte. Daher die Panik.

Politik wird durch die breite Öffentlichkeit als williger Büttel für die Interessen der Finanzmärkte wahrgenommen. Zu Recht?
    Marc Friedrich: Ja, absolut. Im Buch haben wir hierzu einige unglaubliche Beispiele. Die traurige Wahrheit ist: Die Politik ist in eine gefährliche Abhängigkeit der Finanzindustrie geraten und steht momentan beim größten Raubzug der Geschichte Schmiere. Ein aktuelles Beispiel ist der EnBw Kauf durch Stefan Mappus. Die Emails, die er von seinem Freund und ehemaligen Morgan Stanley Deutschland Chef Dirk Notheis erhalten hat sprechen eine eindeutige Sprache. Daraus wird klar wer hier wem hörig ist und wer wirklich das Sagen hat.

Die Staaten haben alle ideologischen und Machtmittel zur Verfügung und in Anschlag gebracht und werden nicht zögern, sie einzusetzen, wenn sie die Demokratiebewegungen nicht auseinanderdividieren und paralysieren können. Was werden wir also in der nächsten Zeit tun müssen? Wo sind Bündnispartner?
    Marc Friedrich: Wichtig ist es jetzt, zu handeln und aktiv zu werden. Noch ist Zeit! Aber diese Zeit verrinnt kontinuierlich und irgendwann ist es dann zu spät. Keiner kann in die Zukunft schauen, außer vielleicht Banker und Analysten aber Spaß beiseite. Die Vergangenheit ist ein guter Ratgeber. Für das Buch haben wir in die Vergangenheit geschaut was bei Staatsbankrotten, Währungsreformen, Enteignungen passiert ist und es war immer so, dass über 95% der Bürger dafür zahlen müssen und viel bis alles verlieren. Deswegen sollte jeder sich auf das „worst case szenario“ einstellen und sich auf das kommende mental vorbereiten und sein Vermögen, egal wie klein oder groß es ist, vor dem Raubzug sichern. Unser Buch und wir sind z.B. ein Bündnispartner.

Die einzelnen Regierungen können sich relativ unkontrolliert des Zentralbankensystems bedienen, um ihre Defizite zu finanzieren. Sind die mangelnde Regulierung und fehlende Kontrolle ausschlaggebend für die weltweite Systemkrise?
    Marc Friedrich: Absolut. Die Systemkrise wurde durch die Gier, das ungedeckte Papiergeldsystem und den Zinseszins und dadurch entstehende exponentielles Wachtum asugelöst. Wir erleben gerade die Weimarer Republik 2.0. Und das ging damals schon schief. Nun ist nur noch viiiieeeellll mehr Geld im System. Bildlich gesprochen, ist man bei der Weimarer Republik mit 50 kmh gegen einen Baum gefahren. Das Auto war hin aber man konnte überleben. Dieses mal fahren wir 160 kmh, haben uns losgeschnallt, den Airbag ausgeschaltet und 2 Meter vor uns ist eine Betonwand.

Die Staatsverschuldungen und Kreditvergaben haben doch zweigleisige Konsequenzen: die systematische Ausblutung des Staates mit dem Ziel, den Staat handlunsunfähig UND finanziell abhängig zu machen vom Geld der privaten Finanzmärkte. Warum unterbindet der Staat solche Spekulationsorgien nicht?
    Marc Friedrich: Richtig erkannt. Wie es unser Buchtitel schon sagt: Es ist der größte Raubzug der Geschichte! Jetzt wird versucht, die Staatskassen zu plündern und die Steuern direkt anzuzapfen. Viele Politiker sitzen in Aufsichtsräten oder erhoffen sich einen lukrativen Job nach ihrer „Politikerkarriere“ und dies will man sich nicht verbauen mit unpopulären aber richtigen und wichtigen Entscheidungen. Des Weiteren ist die Finanzlobby die mächtigste Lobby der Welt. Mit denen will man es sich nicht verscherzen. Im Buch haben wir hierzu auch viele Beispiele genannt wie beide Seiten die Fronten wechseln. Nur ein Beispiel aus Europa: Der EZB-Chef Mario Draghi war jahrelang Chef von Goldman Sachs Europa. Goldman hat Griechenland geholfen in die EU aufgenommen zu werden mit gefälschten und geschönten Zahlen und Statisken. Und Herr Draghi wurde nicht demokratisch gewählt sondern er wurde eingesetzt. Herr Monti, der Staatschef von Italien übrigens auch. Es ist ein Interessenssystem!

Schrottpapiere werden uns Steuerzahlern aufs Auge gedrückt. Dafür haben Banken die Zentralbanken gegründet. Geld wird aber nicht für die Staatsfinanzierung gedruckt, sondern für die Flutung der Bankbilanzen. Welche Auswirkungen hat das für den "Normalbürger"?
    Marc Friedrich:Eine Auswirkung ist die Inflation und irgendwann werden wir eine neue Währung erhalten  einhergehend mit massiven Wertverlusten für alle. Der Staat geht nicht Pleite sondern seine Bürger! Die deutsche Sprache ist eine sehr schöne Sprache: Wir sind deutsche Bürger. Bürger stammt zwar nicht von Bürgen aber wir müssen für all die Schulden Bürgen. Mit unserem Hab und Gut.

Durch Umverteilungsprozess der Banken entsteht eine "Blasenbildung". Wenn diese platzt hat der Steuerzahler den Schaden, die Banken werden dabei noch abgesichert. Warum ist die Krise wichtig für den Kapitalismus?
    Marc Friedrich: Es wird das System bereinigen und wir hoffen, das danach was besseres folgt.

Marc, sind wir in Geiselhaft der Finanzmärkte, der Industriekonzerne und wie können wir uns daraus befreien?
    Marc Friedrich: Ja, auch das beschreiben wir auch im Buch so. Jeder einzelne kann aktiv werden und den Banken und Versicherungen ihr Fundament für ihr verantwortungsloses und teilweise kriminelles Handeln entziehen, in dem er alle Papierwerte verkauft und auflöst und das Geld von den Banken abhebt. Was die wenigsten Wissen: Das Geld auf z.B. auf deinem Konto Fred das gehört nicht Dir sondern der Bank. Du hast lediglich eine Forderung an die Bank. Erst wenn du es abhebst ist es wirklich dein Geld. Raus aus Papierwerten und rein in Sachwerte! Dies ist das Motto der Stunde!

Welche Anreize haben die Aktuere (Profiteure) für ihre krummen intransparente Geschäfte, die letztendlich einen Betrug darstellen? Warum wird dieser Betrug nicht geahndet?
    Marc Friedrich: Ganz einfach: Gier! Gier nach Geld und Gier nach Macht. Es wird nicht geahndet weil sie das System sind. Es gibt einen Song von 4Skins mit einem Englischen Sprichwort: „one law for theme and another law for us“. (Ein Gesetz für Sie und ein Gesetz für uns.)

Politik wird durch die breite Öffentlichkeit als williger Büttel für die Interessen der Finanzmärkte wahrgenommen. Zu Recht?
    Marc Friedrich: Ja!

Marc, was macht dich wütender: Banker, die entfesselt zocken, die sozial Schwachen, die die Rechnung für Spekulationsgeschäfte bezahlen oder Politiker, die sich von Lobbyisten Gesetze diktieren lassen und ansonsten hilflos agieren?
    Marc Friedrich: Beides macht mich gleich wütend.

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