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Lady*fest Heidelberg

Lady*feste

gibt es nun bereits seit über zehn Jahren, doch kein Lady*fest ist wie das andere. Da es kein einheitliches Format gibt, hängt die Gestaltung des Festivals immer stark von dem jeweiligen Organisationsteam ab.
Durch die Verwendung und Aneignung des Begriffes Lady* wird das Alltagsverständnis von Lady verändert –  weg vom bürgerlich-konservativen, vornehm, zurückhaltenden und angepassten Verhalten, hin zu selbstbestimmten und selbstbewussten, lauten und auffälligen Ladiez. Durch die Persiflierung der Figur der Lady als Symbol und Sinnbild hegemonialer Geschlechterordnung wird das System der heterosexuellen Zweigeschlechtlichkeit aufgezeigt und ins Wanken gebracht.

Lady*feste sollen eine schlagkräftige Gegenkultur zum männlich dominierten Kultur- und Kunstbetrieb schaffen. Es wird die Möglichkeit geboten, ein männlich codiertes kulturelles Feld, wie etwa die Musikszene zu besetzen. Und die Frage nach Geschlechterhierarchien innerhalb der Musikkultur aufzuwerfen.
Das Lady*fest Heidelberg wird bereits seit 2013 organisiert und durchgeführt. Ein wichtiger theoretischer Bezugspunkt ist für die Orgagruppe der Feminismus und die konstruktivistische Geschlechtertheorie. In diesem Sinne versteht sie Lady*feste als ein Handlungskonzept, das mit kulturellen Inszenierungen und politischen Aktionen eine Gegenkultur zur männlichen Hegemonie schafft und die angebliche Natürlichkeit der Zweigeschlechtlichkeit auf der Seite der Konstruktion von Weiblichkeit angreift.
Ziel ist es, die vermeintliche Normalität des heteronormativen Geschlechterverhältnisses in Frage zu stellen, die binäre Zweigeschlechtlichkeit zu kritisieren und vielfältige Lebensentwürfe zu ermöglichen. Im Fokus des Ladyfestes Heidelberg stehen non-profit Veranstaltungen wie Konzerte und do-it-yourself Workshops sowie Vorträge und Diskussionsrunden.

«Wir wollen selbst nicht im binären Geschlechtersystem verharren, sondern plädieren für ein plurales, flexibles Verständnis von Geschlecht, Begehren und Geschlechteridentitäten: Es gibt mehr als zwei Geschlechter und somit verschiedenste Geschlechteridentitäten!»

Die Fragen wurden – wenn nicht anders angegeben -  gemeinsam von Christine Kühn und Johannah Illgner von der Lady*fest-Orga-Gruppe beantwortet.

Das Orga-Team ist eine offene feministisch-politisch orientierte Gruppe. Wie viele Personen sind im Orga-Team eingebunden?
    20 Personen im engsten Orga-Team. In der weiteren Gruppe sind es sogar mindestens 30 Menschen.

Eine offene Gruppe hat Vor- und Nachteile. Welche kannst du benennen?
Alle fühlen sich willkommen und es schön zu wissen, dass eins nie zu spät dran ist, um noch dazuzustoßen. Alle Organisator*innen des Lady*fests machen das ehrenamtlich und haben nicht konstant die gleiche Zeit zur Verfügung für das Event. Da ist es gut zu wissen, dass eine flexible Struktur das auffangen kann.
    Natürlich birgt das auch die Schwierigkeit, dass niemand letzten Endes volle Verantwortung übernimmt und sich bestimmte Arbeitskreise dezimieren oder im Laufe der Organisation neu zusammensetzen. Eine gewisse Diskontinuität muss dabei in Kauf genommen werden.

Neu ist, dass sich mehr Menschen am Ladyfest 2015 beteiligen, als am Orga-Team beteiligt sind. Was versprecht und erwartet ihr euch davon?
    Oft sind die Menschen, die schon im Orga-Team eingebunden sind, zur Zeit des Lady*fests sehr beschäftigt, andere Menschen, die im Vorfeld vielleicht nicht so viel Zeit aufwenden können, möchten aber trotzdem einen Beitrag zu einem erfolgreichen Lady*fest leisten. Sie können dann z. B. eine Schicht übernehmen oder einen Kuchen für das Cafe_Unterstrich backen. Da gibt es viele Möglichkeiten, sich einzubringen, ohne dass großes Vorwissen aus dem Orga-Bereich nötig wäre.

Mit welchen Gruppen habt ihr Kontakt aufgenommen, um ein Ladyfest in Heidelberg zu organisieren? Wer/Was hat euch beeinflusst und inspiriert?
    Im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren haben wir 2015 keine Kooperationen mit anderen politischen Gruppen angestoßen. Es gab aber wieder Kooperationen mit den Veranstaltungsorten und den dahinterstehenden Gruppen, diese waren in diesem Jahr wie bereits zuvor das UnterwegsTheater und die breidenbach studios. Neu hinzugekommen ist der Heidelberger Kunstverein. Gerade mit den „breidis“ - den Menschen, die sich bei den breidenbach studios engagieren – haben wir intensiven Kontakt, vor allem während der Festival-Tage selbst, da das breidenbach unser Hauptveranstaltungsort ist.
Außerdem haben wir mit dem Festival contre le Racisme Heidelberg kooperiert: es gab eine gemeinsame große Party. Unsere Abschluss- war die Eröffnungsparty des Festivals.
    Ganz generell können wir sagen, dass wir mit Gruppen, die thematische oder ideologische Überschneidungen zum Lady*fest haben, gerne zusammenarbeiten.

Gab und gibt es in der Planung und in der Durchführung etwas, was bislang gut gelaufen ist, was weniger?
    Phänomenal war die Anzahl der Besucher*innen in diesem Jahr – hier wurden alle unsere Erwartungen übertroffen, was uns sehr freut, denn das zeigt, dass sich das Lady*fest einen Namen gemacht hat und sich erfolgreich in der Region und sogar bundesweit etabliert hat.
    Eine Herausforderung ist es sicherlich immer wieder aufs Neue verschiedenste feministische Strömungen miteinander in Einklang zu bringen, sowohl innerhalb der Orga-Gruppe als auch unter den Besucher*innen.

Gibt es auch während der Planungsphase, aber auch hinterher, genügend Raum für Selbstkritik und Reflexion? Welche Konsequenzen hatten die Erkenntnisse/Ergebnisse auf die weitere (Zusammen)Arbeit?
    Das Lady*fest Heidelberg Orga-Team macht nach jedem Plenum eine Reflexionsrunde, aber auch nach dem Lady*fest selbst wird eine Gesamt-Reflexion zur gesamten Veranstaltung stattfinden.
Außerdem haben wir auch noch eine gemeinsame Abschlussrunde mit den breidis, da diese unser größter Kooperationspartnerschaft sind und hier enger Kontakt bestand.

Wie haben sich die Veranstaltungen auf deinen Feminismus konstruktiv ausgewirkt? Was hat sich in der Bewusstmachung verändert?
    Christine: Feminismus nimmt nun viel mehr Raum in meinem Alltag ein. Nach dem Lady*fest habe ich auch den Eindruck, dass ich viel besser über unterschiedliche Spielarten und Schwerpunkte der feministischen Strömungen informiert bin, dadurch fällt mir die Auseinandersetzung mit Menschen, die Feminismus noch nicht entdeckt haben, leichter.
    Johannah: Weniger die Veranstaltungen selbst - denn hier haben die Orga-Menschis selbst kaum Zeit etwas zu besuchen – als der beständige Austausch im Vorfeld mit allen Beteiligten hat mein Feminismus-Verständnis, aber vor allem auch -wissen erweitert. Das Thema Awareness(1)hat im Vergleich zu den letzten Jahren deutlich mehr Raum eingenommen, was viele Diskussionen und Bewusstmachungen angestoßen hat, aber auch einiges an Aufklärungs- und mitunter sogar Überzeugungsarbeit bedeutet hat.

Es gibt ja viele feministische Theorien. Welche Ansätze sind in deiner feministischen politischen Theorie eingebunden und wie haben sich die unterschiedlichen feministischen Ansätze und Perspektiven auf euer Konzept ausgewirkt?
    An erster Stelle ist hier Queerfeminismus zu nennen. An sich sind wir offen für eine Vielzahl von Feminismen, aber die meisten von uns verorten sich unter diesem Label. Im Queerfeminismus wird sich kritisch mit den Konzepten von biologischem Geschlecht, sozialem Geschlecht (gender) und sexueller Orientierung befasst und die Zusammenhänge zwischen ihnen kritisch hinterfragt. Gender wird als konstruiert, performativ gesehen, es ist also so, dass das soziale Geschlecht erst durch Handlungen entsteht und nicht mit dem biologischen Geschlecht zusammenhängen muss.
Wir verstehen das Lady*fest als queerfeministische Veranstaltung. Wir geben uns Mühe, für alle Identitäten offen zu sein und einen sichereren Raum für trans*-Personen zu bieten. Das schlägt sich zum einen in der Wahl der angebotenen Workshops und Vorträge nieder, zum anderen aber besonders in unserem Awareness-Konzept.

Welche Diskussionen habt ihr im Vorfeld geführt, um euch schließlich an einem gemeinsamen Handlungskonzept zu orientieren?
    Die kontroversen Diskussionsbereiche waren: Sex-Arbeit, Pornographie, Queer Theorie Awareness und Achtsamkeiten, Drogen-Politiken und trans*-Männer als Vortragende.
In einigen Bereichen konnten Einigungen erzielt werden, in anderen nicht. Da wir nach dem Konsens-Prinzip gearbeitet haben, hat dies mitunter auch bedeutet, dass wir uns bei Uneinigkeit als Lady*fest-Orga-Gruppe nicht eindeutig positionieren konnten. So wurde beispielsweise explizit keine Veranstaltung zu den Themen Sex-Arbeit und Pornographie ins Programm aufgenommen. An anderer Stelle konnte ein gemeinsames Handlungskonzept erarbeitet werden, so waren am Ende alle Orga-Beteiligten mehrmals zu Achtsamkeits- und Awareness-Themen „gebrieft“ worden. Auch hat sich die Gruppe dagegen entschieden trans*-Männer als Vortragende anzufragen, da dies den Grundgedanken „Girls to the Front“, also Frauen* eine Bühne zu geben, konterkariert hätte. Hintergrund dieser Überlegung war, dass es unserem Geschlechtsverständnis widerspricht einen Unterschied zwischen trans*- und cis-Männer zu machen.

«Hier soll ganz bewusst ein Freiraum entworfen werden, in dem ein Gegenentwurf zu den bestehenden gesellschaftlichen Bildern, Zwängen und „Vorschriften“ geschaffen werden kann.»

Geht es euch weniger um die Gleichstellung der Frau*, als mehr um die Gleichberechtigung? Geht es also vielmehr um eine Beurteilung, wie Geschlecht gleich/ungleich behandelt wird?
    Gleichberechtigung bezeichnet die Gleichheit verschiedener Personen oder Personengruppen vor dem Gesetz und wird in Deutschland seit 1958 durch das Gleichberechtigungsgesetz garantiert. Trotzdem gab es immer wieder Gesetze, die diesem Gesetz widersprachen, z.B. die Wehrpflicht. Gleichstellung der Geschlechter geht über die gesetzliche Gleichberechtigung insofern hinaus, als dass für alle Geschlechter gleichwertige Entfaltungsmöglichkeiten geboten werden sollen.
Es geht uns also im Prinzip um beides. Natürlich ist es dafür wichtig, dass zuerst die Lage „gecheckt“ wird, also tatsächlich um die Beurteilung oder Bestandsaufnahme, wie es um die Gleichstellung der Geschlechter momentan steht. Wir wollen mit Workshops, Vorträgen, etc. für noch bestehende Ungleichheiten sensibilisieren.

Eine tatsächliche gleichberechtigte Teilhabe der Geschlechter ist bisher noch nicht erreicht worden. Welche Ursachen vermutet ihr dahinter?
    Die Beantwortung dieser Frage könnte vermutlich Doktorarbeiten füllen, so vielfältig sind die Ursachen der ungleichen Behandlung von verschiedenen Geschlechtern. Genauso könnte eins aber schlicht und einfach „das Patriarchat“ antworten. Wir leben immer noch in einer maßgeblich patriarchisch geprägten Kultur, unter der alle Geschlechter, auch Männer, gleichermaßen leiden. Trotzdem ist manchen Menschen vielleicht noch nicht bewusst, dass bestimmte Vorfälle eben keine individuellen Einzelprobleme sind, sondern auf ein viel größeres, strukturelles Problem hinweisen. Für bestimmte Personengruppen ist der momentane Zustand eben immer noch bequem. Nichtsdestotrotz sind wir uns sicher, dass sich, auch durch Veranstaltungen wie unser Lady*fest, die gesellschaftliche Einstellungen Schritt für Schritt verändern lässt.

In eurem Selbstverständnis beschreibt ihr Aspekte der strukturellen Diskriminierung von Frauen in patriarchalen Institutionen. Versteht ihr geschlechtsspezifische Benachteiligungen und sexualisierte Diskriminierungen noch immer stark tabuisiert und als äußerst heikel empfundenes Thema?
    Ja, strukutrelle Schieflagen wie geschlechtsspezifische Benachteiligungen und sexualisierte Diskriminierungen müssen mehr denn je thematisiert werden, es ist noch lange keine dirskriminierungsfreie Gesellschaft erreicht. In der BRD ist ja noch nicht einmal die Geschlechterdifferenz beim Einkommen beseitigt, geschweige denn fundamentale Ungerechtigkeiten wie die gesetzliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften umgesetzt. So lange dies so ist, müssen diese Themen weiterhin lautstark diskutiert und angeprangert werden – genau das passiert (auch) bei einem Lady*fest. Hier soll ganz bewusst ein Freiraum entworfen werden, in dem ein Gegenentwurf zu den bestehenden gesellschaftlichen Bildern, Zwängen und „Vorschriften“ geschaffen werden kann.

Gibt es auch an eurer Universität geschlechtsspezifische Benachteiligungen für Frauen? Wie werden die sichtbar gemacht?
    Ja, selbstverständlich gibt es an der Uni Heidelberg die gleichen Schieflagen und geschlechtsdiskriminierenden Strukturen wie überall auch sonst in der Gesellschaft. Diese werden in der öffentlichen Wahrnehmung wenig sichtbar gemacht, sind jedoch an diversen Statistiken (Frauenanteil in Führungspositionen innerhalb der Verwaltung, Besetzung Lehrstühle, Frauenanteil bei Professuren oder Leitung Fakultäten/Institute...) eindeutig ablesbar(2).

Sexualisierte Diskriminierung wird oft als lediglich persönliche Erfahrung abgewehrt (Verdrängung, Verharmlosung...), die vielleicht unangenehm, aber eben auch normal sei. Warum greifen die inzwischen doch ausdifferenzierten Strategien (bis hin zum heute hoch aktuellen Gender Mainstreaming) nur theoretisch und nicht konkret?
    Ich denke, dass die Antwort auf die Frage, warum bestimmte Strategien gegen Sexismus nicht funktionieren, teilweise schon in der Frage selbst enthalten ist: Allzu oft, vor allem, wenn einem das Umfeld fehlt, in dem Austausch über diese Themen möglich ist, wird sexualisierte Diskriminierung als Einzelfall oder als etwas, das nunmal „so ist“, hingenommen und abgehakt. Das Lady*fest bietet da nicht nur inhaltlichen Input, sondern auch die Möglichkeit, sich auszutauschen und zu vernetzen.

Ist das auch ein Grund, warum ihr ein Ladyfest organisiert und durchführt? Wie können hierbei innerpsychisch bewusste wie unbewusste Wahrnehmungs- und Denkmuster berücksichtigt werden?
    Gerade für eine groß angelegte feministische Veranstaltungen wie ein Lady*fest, ist es immer das Ziel allgemeingültige gesellschaftliche Erklärungsmuster zu hinterfragen und zu kritisieren. Egal bei welcher Diskriminierungsform taucht immer wieder das Narrativ auf: „Das geht nur dir so, du hast etwas falsch gemacht, suche den Fehler bei dir, merze diesen aus und dann wirst du dieses Problem nicht mehr haben“. Ein solches dominantes Erzählmuster muss erst bewusst gemacht werden – auf individueller und auch auf gesamtgesellschaftlicher Ebene. Hierbei kann ein Lady*fest enorm helfen, denn es zeigt den Menschen auf, dass diese Erklärungen nicht der Wahrheit entsprechen.

Habt ihr durch das Ladyfest teilweise auch überraschend differenzierte und selbstkritische Betrachtungen zur eigenen aktiven Rolle angestellt? Zu welchem Ergebnis bist du gekommen?
    Um die eigene Rollen überhaupt erst selbstkritisch hinterfragen zu können, haben wir vor dem Hintergrund unseres Awareness-Konzepts, kontinuierlich mit der Reflexion der eigenen Rolle und Position auseinandergesetzt. Hier kamen wir zu dem Schluss, dass wir stets versuchen wollen darauf zu achten, Menschen mit Expertise in eigener Sache zu Wort kommen zu lassen und es absolut vermeiden zu wollen für Andere zu sprechen.

In einem eurer Selbstverständnisse greift ihr zum Thema Feminismus die intersektionale Perspektive auf. Was wird dabei fokussiert?
    Uns war es wichtig das Lady*fest vor allem programmatisch so vielfältig und divers wie möglich zu organisieren um so unseren intersektionalen Ansatz umzusetzen. So haben wir Veranstaltungen zu den Themen Geschlecht und Behinderung, zu (muslimischem) Trans*-Empowerment aber auch Psychatriekritik. Es gab weiterhin Veranstaltungen speziell für geflüchtete Frauen* und einen Critical Whiteness-Workshop. Hiermit soll verdeutlicht werden, dass die heterogene Gruppe der Frauen* von vielfältigen Diskrimnierungsformen betroffen sind und somit weitere Differenzkategorien (Alter, Klasse, Hautfarbe, Begehren, Religion, körperliche Einschränkungen, Geld usw.) eine Rolle spielen. Vor dem Hintergrund eines intersektionalen Ansatzes haben wir versucht für möglichst viele dieser Kategorien Raum zu schaffen.

Euer mehrtägiges Programm bietet immer ein breit gefächertes politisches und kulturelles Angebot an Vorträgen, Workshops, Diskussionsrunden, als auch Vernissage, Film und Musik. Muss es immer neue innovative Ideen geben oder greift ihr mittlerweile auf erfolgreiche Konzepte und Inhalte zurück?
    Es gibt Klassiker, die immer wieder gern ins Programm genommen werden, dazu gehört z. B. der Selbstverteidigungskurs oder der DJane-Workshop, diese waren bisher jedes Jahr dabei und sehr gut besucht. Gleiches gilt auch für Vorträge, die einen ersten Einblick in den Feminismus geben wie z.B. dieses Jahr „(Alltags-)Sexismus und feministische Strömungen“. Im Großen und Ganzen geben wir uns aber Mühe, viele verschiedene Personengruppen anzusprechen und jedes Jahr neuen feministischen Input zu bieten. Dadurch können wir die feministische Szene und ihre aktuellen Diskussionen widerspiegeln. Dieses Jahr hielt bspw. Elona Kastrati, die mit #padsagainstsexism(3) von sich reden machte, einen Workshop zu feministischen Interventionen im öffentlichen Raum. Ebenso bemühen wir uns, bestehende Konzepte kritisch zu hinterfragen. Tove Soiland(4)fühlte in diesem Jahr dem Begriff „queer“ im feministischen Kontext auf den Zahn und gleichzeitig hatten wir einen Vortrag zum Thema Queerfeminsismus – das schließt sich unserer Meinung nach überhaupt nicht aus.

Zusätzlich gibt es auch ein von euch bereits erwähntes Awareness-Konzept, was ihr integriert habt. Wie wurde das bisher angenommen?
    Das Awareness-Konzept wurde von Menschen, die hier bereits Erfahrungen haben überaus positiv aufgenommen.
Personen, die noch keine Erfahrung hatten, waren sehr interessiert und konnten sich an unserem Info-Tisch, an der Info-Tafel oder mit dem Awareness-Zine zu Themen wie Privilegien, Barrierearmut, geschlechtsneutralen Pronomen, Konsens und vielem mehr weiter informieren(5).
        Leider ist es auch uns nicht möglich einen vollkommen sicheren diskriminierungsfreien Raum zu schaffen, so kam es beispielsweise zu Miss-Gendern bei Gästen und ungewünschten Ansprachen.

Wie bewertest du die bisherigen Ladyfeste in Heidelberg? Ab wann ist das Ladyfest für dich erfolgreich?
    Die Anzahl der Besucher*innen stieg in den letzten beiden Jahren konstant und 2015 wurden mehr als 1.500 Gäste gezählt. Diese stetig steigenden Besucher*innenzahlen geben dem Konzept der letzten beiden Jahre recht: Feministischen theoretischen Input und Diskussionen mit empowernden Workshops und jeder Menge Spaß, Konzert und queerer Party mit Flausch und Glitzer zu kombinieren.
Als großen Erfolg werten wir auch die mittlerweile bundesweite Bekanntheit des Heidelberger Lady*fests. So hatten wir Besuch aus Frankfurt, Nürnberg, Basel, Leipzig, Berlin und sogar aus Wien.

https://ladyfesthd.wordpress.com

Anmerkungen:
(1) Awareness ist ein Konzept, welches sich mit Problematiken von körperlichen und psychischen Missachtungen von persönlichen Grenzen bis hin zu Gewalt beschäftigt.
Diskriminierungen und Grenzen verletzendes Verhalten werden klar als solche benannt, ebenso deutlich wird einem solchen Verhalten entschlossen entgegengetreten und Betroffene werden unterstützt. Dafür wird auf dem Lady*fest ein Team gebildet, das weiterhilft.
(2) Weitere Infos gibt es beim Gleichstellungsbüro: http://www.uni-heidelberg.de/gleichstellungsbeauftragte/gleichstellung/
(3) Elona Kastrati klebt feministische Botschaften auf die Damenbinden. „Nenn mich nicht Schatz“, war darauf zu lesen, „My pussy, my choice“ oder „Stell Dir vor, Männer wären genauso angeekelt von Vergewaltigungen wie von der Periode“. Die Schülerin befestigt die Binden an Straßenlaternen, Bushaltestellen und Mauern in Karlsruhe und postete unter dem Hashtag „PadsAgainstSexism“ Bilder davon auf Tumblr, Twitter und Instagram.
(4) Tove Soiland studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Zürich. Sie lehrt als feministische Theoretikerin an verschiedenen Universitäten.
(5) Das Awareness-Zine gibt es zum Informieren und Weiterverwenden auf unserer Homepage zum Herunterladen: https://ladyfesthd.wordpress.com/awareness-konzept/

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