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Der nasse Fisch

Der nasse Fisch
Der nasse Fisch

Der nasse Fisch
von Arne Jysch, Volker Kutscher
216 Seiten; 17,99 €
ISBN 978-3-551-78248-9
https://www.carlsen.de
"Der nasse Fisch" von Volker Kutscher war der erste von inzwischen fünf erfolgreichen Romanen um den fiktiven Kriminalkommisar Gereon Rath.
Unter dem Titel "Babylon Berlin" wurde der Roman von Tom Tykwer als Fernsehserie adaptiert und 2017 auf Sky und im Herbst 2018 in der ARD ausgestrahlt.

Mit diesem Roman begann eine erfolgreiche Roman-Serie, mit der Volker Kutscher den Kriminalkommissar Gereon Rath durch das Berlin der 20er- und frühen 30er-Jahre und mitten in die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche der Zeit schickt.
Volker Kutscher lässt das Berlin des Jahres 1929 lebendig werden. Sein (Anti-)Held Gereon Rath erlebt eine Stadt im Rausch. Kokain, illegale Nachtclubs, politische Straßenschlachten - ein Tanz auf dem Vulkan. Der junge, ehrgeizige Kommissar, aus Köln nach Berlin geflüchtet und abgestellt beim Sittendezernat, schaltet sich ungefragt in Ermittlungen der Mordkommission ein - und ahnt nicht, dass er in ein Wespennest gestoßen hat.
Arne Jysch hat in Hamburg und Potsdam Kommunikationsdesign und Animation studiert. Seit Ende der 90er Jahre arbeitet er als Storyboardzeichner, Animator und Drehbuchautor. "Wave and Smile" war seine erste Graphic Novel. Arnes zweite Graphic Novel "Der nasse Fisch" erscheint nun als erweiterte Neuauflage, die angereichert ist mit einem Interview, (Storyboard)Skizzen und eine kleine, unvollständige Liste jener Bücher, die Arne das Lebensgefühl und den Zeitgeist des Berlins der Zwanzigerjahre widerspiegelten.

Gesamteindruck:

Der Unterschied zur ersten Graphic Novel ist, dass Arne nun eine bereits vorhandene Romanvorlage adaptiert und grafisch umgesetzt hat. Begeistert von den politischen, sozialen, kulturellen Begebenheiten und Verhältnisse des Berlins im Jahre 1929 und inspiriert von Volkers Roman ist es Arne hervorragend gelungen, eine fiktive Crimestory zu bebildern, die in sehr vielen kleinen Details Authentizität, Action, Gewalt, Sex, Spannung und zeithistorische Einblicke liefert. Arne hat sich der Romanvorlage mit Respekt vor Volkers Arbeit angenähert und in vielen persönlichen Gesprächen mit ihm Storyboards, Skizzen absegnen lassen. Insbesondere die detaillierten Zeichnungen auf der Straße mit Hotels, Warenhäusern (bspw. Karstadt) im Hintergrund zeugen vor akribischer Recherche, die aber auch in der grafischen Darstellung von Wohnungseinrichtung über Kleidung und Frisuren zum Ausdruck gebracht wird. In beeindruckenden S/W-Bildern wirkt der Plot noch düsterer und zugleich magisch anziehend...der Geruch von Schweiß, Blut und Zigarettenqualm steigt bildlich aus dem Panel in die Nase auf.
Wie schon Jason Lutes' "BERLIN"-Trilogie ist auch Arne mit seiner grafischen Umsetzung und den exakt recherchierten Stadtansichten und Milieustudien ein beeindruckendes Zeitpanorama gelungen, das verdeutlicht wie fortschrittlich und modern Berlin in den 20er Jahren war, wie gesellschaftliche, sexuelle Tabus gebrochen und ausgelebt wurden, wie die Folgen des Ende des 1. Weltkrieges in eine politische extrem aufgeheizte Stimmung auf den Straßen explodierte und gleichzeitig eine Kultur aus Travestie- und Schwulenbars, Kabaretts, Cafés und Tanzlokalen mit Charleston, Two Step und Tango etablierte, deren Klientel exzessiv zu Kokain und Morphium greifen, ein internationales Publikum anzog und die Sittenpolizei auf den Plan rief. Das ist auch für Arne Stoff und Grund genug, eine weitere Volker Kutscher-Romanvorlage aus dessen Gereon Rath-Reihe zu adaptieren, um den Tanz auf den Vulkan exzessiv-intensiv am Kochen zu halten und auszuschmücken.

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