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Tierbefreiung #103

Tierbefreiung #103
Tierbefreiung #103

Tierbefreiung #103
108 DIN-A-4-Seiten; €4,00.- 
die tierbefreier e.V., Postfach 160132, 40564 Düsseldorf
http://www.tierbefreiung.de/
100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts widmet sich die aktuelle Ausgabe der TIERBEFREIUNG den Überschneidungen zwischen Tierbefreiung und Feminismus.

Tierbefreiung und Antispeziesismus können als Versuch gelten, linke gesellschaftskritische Ansätze auf nichtmenschliche Tiere auszuweiten. Die Befreiung aus Unterdrückungsverhältnissen hört nicht beim Menschen auf und so gilt es, auch für nichtmenschliche Tiere einen Status jenseits von Ausbeutung und fernab eines Lebens als Objekte menschlicher Verfügungsgewalt zu erstreiten. Um dem Anspruch einer emanzipatorischen Praxis gerecht zu werden, ist es wichtig, Herrschaftsformen zu erkennen und zu bekämpfen.
Auf aktivistischer wie auch theoretischer Ebene sind hier neben den Kämpfen der Arbeiter*innenbewegung und der antirassistischen Bewegung speziell die feministischen Traditionen hervorzuheben. So galt der teilweise militant geführte Kampf der Suffragettenbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts in Großbritannien sowohl der Einführung des Wahlrechts für Frauen als auch der Abschaffung von Tierversuchen. In der Bürger*innenrechtsbewegung in den USA sind ebenfalls Beispiele für die Verknüpfung von feministischen und Tierbefreiungsgedanken zu finden. In Deutschland setzte sich Anfang des 20. Jahrhunderts unter anderem teile der sehr vielfältigen Reformbewegungen für speziesübergreifende Befreiung ein. Auch die Notwendigkeit der theoretischen Verknüpfung feministischer und tierbefreierischer Ansätze wird von etlichen zeitgenössischen Autor*innen betont. Dr. Lisa Kemmerer ist Philosophin Professorin für Philosophie und Religionen an der Montana State University Billings. Im Interview liefert sie ethisch-moralische Grundsatzfragen über einen Lebensstil gegen Unterdrückungen, diskutiert ihre Arbeit über die Rolle von Gewalt in der Anymal Rights- und Liberation-Bewegung und die Art und Weise, wie sie sowohl den Tierbefreiungs-Aktivismus geprägt hat.
FaulenzA spricht über Trans*Aktivismus und trans*misogyne Diskriminierung am Fallbeispiel von Manuela Schon vom 'Störenfriedas'-Blog.
Alan Schwarz fordert in dem Artikel „Feminismus geht uns alle an“ ein Bewusstsein für Geschlechtsidentitäten fernab gängiger Rollenvorstellungen von Mann* und Frau*, erklärt toxische Männlichkeit und formuliert diese in der Kritik als eine Version von männlicher Identität, „deren Auslebung die soziale Interaktion und das Selbstbild der betroffenen Männer* und der Menschen um sie herum gefährdet.“

Gesamteindruck:

Der Schwerpunkt beleuchtet verschiedenartige Perspektiven und Blickwinkel, die Zusammenhänge und Differenzen der Achsen von 'Herr"schaft in Geschlechterverhältnissen und Mensch-Tier-Verhältnissen' zu erklären. Es wird auf die Parallelen zwischen Geschlechterverhältnissen und Mensch-Tier-Verhältnissen eingegangen, auf feministische Kritik an und aus der Tierbefreiungsbewegung, sowie auf die Ansätze der Queer Theory – sowohl als Instrument zur Untersuchung von Diskursen über die Sexualitäten von nichtmenschlichen Tieren als auch zur Reflexion veganer und tierbefreierischer Identitäten. Feministische Diskurse in der Tierbefreiungs/Tierrechtsbewegung sind notwendig, weil die Unterdrückung von Frauen* und Tieren vielfältige Parallelen aufweist. Der Kampf gegen Unterdrückung und Ausbeutungsverhältnisse ist bewegungsorientiert und zielgerichtet. Nach Carol J. Adams werden Frauen* und Tiere „zu Fleisch gemacht“, wenn auch in der Regel auf verschiedene Art und Weise. Sexismus und Rassismus ist das Problem. Und wie es Tierfabriken-Widerstand treffend formuliert, ist „Reflexion zu Gesellschaftsstrukturen und Strukturen innerhalb der Tierrechtsbewegung ein kontinuierlicher Prozess, den es immer und immer wieder zu durchlaufen gilt.“

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