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TRUST #199

TRUST #199
TRUST #199

TRUST #199
68 DIN-A-4 Seiten; €3,00.-
Trust Verlag, Dolf Hermannstädter, Postfach 110762, 28087 Bremen
https://trust-zine.de/
Dolf zitiert Edward Snowden, sich selbst und schüttelt verwundert den Kopf ob der Dummheit und Ignoranz der Bundesregierung zum Thema Klimawandel und Tempolimit. Im Verlauf gibt es erstaunlich viele Kolumnen. Jan zeigt sich wieder als ein akribischer Nerd, der immer auf der Suche nach Ursprünglichkeit und Herkunft ist, was Konzertorte - die für ihn als Heilige Stätte der Musikkultur gleichzusetzen sind - , Bandnamen und -songs anbelangt und scheint nicht eher zu ruhen, bis er die Antwort auf die Frage nach dem Pudels Kern gefunden hat.

Gary Flanell begründet in seinem Leserbrief den Einfluss stationierter britischer und amerikanischer Soldaten auf die Punk -und HC-Szene mit einem Nord- Südgefälle. In einem Interview mit Jacho1 über die Band H.O.A. äußerte er sich zum gleichen Thema. Mitte Ende der 80er Jahre kam "wirklich nix Neues Aufregendes, 1982-83 vielleicht gerade mal 2 oder 3 gute LPs(...)Irgendwann zwischen 82 und 83 begannen bestimmte Grüppchen von Punks aus den verschiedenen Städten im Umkreis völlig unabhängig voneinander zu entdecken, dass dieser neue Sound aus Amerika auch die besseren Inhalte und Ideen hatte. Es gab aber eigentlich nie so einen Bruch "Abspaltung von Deutschpunk" oder "Abspaltung von altem Punk". Dafür waren ja die einzelnen kleinen Mikro-Szenen in den verschiedenen Städten viel zu klein. Auch die späteren "Bandana-Träger", "Skate-Punks" oder "Hardcore-Kids" oder wie man sie bezeichnen will, haben ja alle mit SLIME, RAZZIA, BETON COMBO usw... angefangen. Es war eher so, dass der England-Fraktion so ein bisschen die Kreativität abging. Das war alles ziemlich prollig, reduziert auf Konsum von schicken T-Shirts aus London, auf Saufen und Rumstressen. Dazu dann noch häufig Ärger mit Skins, die auch bei den "Englandpunk-Shows" rumhingen...Euro Hardcore war schon was eigenes Spezielles, zunächst geprägt von den rumreisenden Aktivisten aus Italien, die ja ab Winter 83/84 in jedem Squat und Juzi zwischen Bielefeld, Berlin und Amsterdam anzutreffen waren." In den Punk-Communities in Hamburg und Bremen indes gab es immer britische Einflüsse, weil die Bands aus England vor allem viel in Norddeutschland unterwegs waren. Zudem regierte in Bremen ein Outfit mit Spikes, lros und Nietenlederjacken und eine gewaltaffine Szene. In einem Interview mit Ingo über "Punk in Bremen"2 äußerte er sich zur gleichen Frage: "In Süddeutschland z.B. war das viel eindeutiger, wo es die Ami-HC-Karohemd-Fraktion auf der einen und die Nietenpunkfraktion auf der anderen Seite gab. Bremen war eigentlich immer Hochburg des 80er-England-Stils(...)Trotzdem war's keine Spaltung der Punk-Szene, denn diese Ami-Hardcoreler waren fast allesamt Leute, die nicht vorher Punks waren."
Jan Röhlk findet sich mit seien sozialen wie politischen Ansichten mit der Partei der Humanisten verbunden, sprach mit ihrem Bundesvorsitzenden Robin Thiedmann, der die Partei "zwischen der FDP und den Grünen verorten" würde. Im Interview werden Visionen, das Grundsatzprogramm aufgearbeitet und Aussagen kommentiert. Alva hat das beste Konzert 2019 mit THE COATHANGERS erlebt und hielt "einen kleinen Plausch mit den absolut nahbaren, wenn auch verqueren Frauen". Stephanie hört sich manche Songs vom neuen Album an, "um den Liedtext nicht zu vergessen). Julia will nicht jeden Waffenbesitz verbieten lassen, lieber einschränken und glaubt, eine Pistole im persönlichen Besitz ist besser als eine Maschinenpistole.
BOB ROSS EFFECT ist als Trio unterwegs, das keinen direkten Zusammenhang zwischen der Band und dem Künstler hat und sich eher wie Museumsbesucher beschreibt. Jonas interviewt Fritz H., Fritz K., Nadine und Philo auf eine Zigarettenlänge und das eigentliche Highlight folgt nach RAUCHEN. Ein BREMENCORE-Special über und mit ACME, CAROL, Dirk Kusche(-Rockstudios) und PER KORO RECORDS. Unter dem Label Bremencore oder Northcore entstand in den 90er Jahren ein typischer Bremer Sound von jungen Bands, die mit der Verbindung von Metalcore, Emo und Crust den Bremenstyle und Einflüsse von Rorschach, ENT, Napalm Death bis Slayer geltend machten. Die Bremer Hard­coreszene war in den 90er-Jahren sehr bekannt. Europaweit, aber selbst in Amerika hatten Bremer Bands wie Systral oder Carol einen Namen. Der Ursprung lag in der Band ACME, zu der sich einige Legenden und Mythen ranken und hier ihre Auflösung finden.
FLIPPER sind 40 Jahre alt und haben viele Musiker durch Überdosen verloren.

Gesamteindruck:

Das Bremencore-Special hat selbsterklärend einen regionalen Bezug, der darüber hinaus auch das musikalische Potenzial skizziert, das die Bands aus Bremen hatten und haben. Punk und HC aus Bremen ist geschichtsträchtig und rechtfertigt eine stärke Position im TRUST. Think local, act global! In letzter Zeit wurden mit POSTFORD und einer HC-Konzertgruppe mal subkulturelle Bezüge in Bremen im TRUST vorgestellt, da würde ein intensiverer Szene-Report unter eben erwähntes Motto Sinn machen. Ansonsten gibt es in der aktuellen Ausgabe bis auf RAUCHEN auch sehr aufschlussreiche, mitunter kontrovers geführte Interviews, die sehr aussagekräftige Antworten liefern, viel über die Person und ihre Denkweisen aussagen und kompetent geführt werden

Fußnoten:

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