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LPT muss schließen

Ein Affe wird im dem Hamburger Labor für Giftigkeitstests fixiert. Foto: obs/SOKO Tierschutz/crueltyfree
Ein Affe wird im dem Hamburger Labor für Giftigkeitstests fixiert. Foto: obs/SOKO Tierschutz/crueltyfree

Nach den wochenlangen Protesten, die auf die furchtbaren Filmaufnahmen aus dem LPT folgten, hat der Landkreis gemäß den Regeln des Tierschutzgesetzes „mit sofortiger Wirkung die Erlaubnis der LPT am Standort in Mienenbüttel widerrufen“.

Man sei insgesamt zu der Überzeugung gekommen, dass die Zuverlässigkeit des Betreibers nicht mehr gegeben sei. Das ist ein großartiger Erfolg für die Soko Tierschutz und für die vielen engagierten Menschen, die teils seit Jahrzehnten gegen das Skandal-Labor protestiert haben.

Die skandalösen Vorgänge rund um das Auftragslabor machen ein Versagen auf verschiedenen Ebenen deutlich: So müssen erst die furchtbaren Bilder von leidenden Tieren die Öffentlichkeit schockieren, damit die Behörden hektisch nachkontrollieren – und das Labor schließlich schließen. Neben der dokumentierten Tierquälerei wurde zudem bekannt, dass über Jahre hinweg Studien gefälscht wurden.

­     Deswegen ist dies nicht das Ende. LPT hat noch weitere Standorte, an denen Tiere leiden und sterben. Zudem ist der Skandal lediglich ein Symptom. Um das Ende der Tierversuche einzuleiten, muss nicht nur ein Horrorlabor schließen.

Hintergründe zu LPT

Hintergrund zum Unternehmen

LPT (Laboratory of Pharmacology and Toxicology) ist eines der größten deutschen Auftragslabore mit Sitz in Hamburg-Neugraben.
In der Selbstbeschreibung des Unternehmens heißt es: Die Gesellschaft betreibt die Aufzucht, das Halten und die Veräußerung von Versuchstieren für Forschungszwecke aller Art und die Erledigung damit zusammenhängender Aufträge.

Im Auftrag unterschiedlicher Unternehmen (etwa Pharma- oder Chemiekonzerne) werden dort nach eigenen Angaben Tierversuche an Mäusen, Ratten, Hamstern, Meerschweinchen, Kaninchen, Hunden, Affen, Katzen, Schweinen, Fischen und Vögeln durchgeführt. Unter anderem per oraler Verabreichung, Infusion, Inhalation oder Injektion werden ihnen im Rahmen der Versuche Medikamente, Chemikalien oder andere giftige Substanzen verabreicht. Auch die in weiten Kreisen umstrittenen und lang andauernden Botox-Versuche werden hier im Auftrag der Firma Merz durchgeführt. Die von den Versuchen betroffenen Tiere teilen alle ein gemeinsames Schicksal: Kein Tier verlässt das Labor lebend. Alle Tiere sterben bei den Versuchen oder werden nach deren Ende getötet.

LPT ist ein seit 1965 bestehender Familienbetrieb im Besitz der Familie Leuschner. Manager ist Jost Thomas Albert Leuschner. Ebenfalls in das weitverzweigte Firmen- und Tochterfirmennetzwerk der Leuschners finanziell involviert sind Annemarie Theodore Elisabeth Leuschner und Fred Leuschner.

Neben dem Hauptsitz in Neugraben betreibt LPT außerdem seit über 45 Jahren ein „Labor und Sammellager für Versuchstiere“ in Neu Wulmstorf-Mienenbüttel bei Hamburg, welches erst 2008 erheblich erweitert wurde. Auf dem Gelände werden unter anderem hunderte Beagles gehalten (die Bürgerinitiative Lobby Pro Tier spricht von derzeit 300-500 Beagles), deren Zwingeranlagen von außen einzusehen sind. Der LPT-Standort in Mienenbüttel gehört darüber hinaus (neben dem Covance-Labor in Münster) zu den wenigen deutschen Auftragslaboren, die Versuche an Primaten durchführen. Die gesamten Kapazitäten des Labors umfassen ca. 10.000 Mäuse, über 1.500 Hunde und bis zu 500 Affen.


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