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BASQUIAT

BASQUIAT
v. Julian Voloj/Søren Glosi
136 Seiten; €20,00.-
ISBN 978-3-551-76046-3
https://www.carlsen.de
Inhalt: Im provokativen Werk Jean-Michel Basquiats (1960–1988) spiegeln sich Punk, Jazz, Graffiti, Hip-Hop und andere kulturelle Elemente des New Yorks der späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre wider. Basquiat war als Fünfzehnjähriger aus Brooklyn in die Lower East Side Manhattans geflohen, wo er sich schon bald in einer avantgardistischen Kunst- und Kulturszene etablierte, zu der auch Keith Haring und Madonna gehörten.

Über dreißig Jahre nach seinem frühen Tod beeinflusst sein Werk immer noch Kunst, Mode, Design und Musik der Gegenwart. Nun findet sich Basquiats bemerkenswerte Lebensgeschichte auch in einer Graphic Novel wieder. Von den frühen SAMO-Graffiti bis hin zu Projekten mit Andy Warhol – Autor Julian Voloj und Zeichner Søren Mosdal erzählen das Leben Basquiats nicht nach, sondern zeigen vor allem einen jungen Künstler, der mit Ruhm, Kreativität, aber auch Drogensucht ringt und diesen Kampf am Ende verliert.

Gesamteindruck:

Die meisten Gemälde Basquiats sind farbenreich, genauso wie die grafische Ausschmückung der Panels, die bisweilen selbst Pop Art sind. Hier vermischt sich also Chaos und Genialität, gleichwohl der Eindruck entsteht, dass irgendwie alles zu Kunst wird, wenn mensch in der Erwartungshaltung auf eine Beobachtung stößt, die den Künstler/die Künstlerin außerhalb der Gesellschaft verortet. So ist es nur zu gut zu verstehen, dass Jean-Michel Basquiat in einer Zeit als Künstler wahrgenommen wird, in der Künstler*innen als der/die große Provokateur*in, der Bürgerschreck, der Bohémien etwas Neues zu liefern hat, einen neuen Stil, eine neue Ikonographie. Seine vollflächigen Kompositionen beinhalten wiederverwertete und umgewandelte Zeichen und Beschriftungen aus seinem alltäglichen Leben. Angefangen hat alles mit Schriftzügen an der Wand: unter dem Label SAMO© wird er zum geheimnisvollen Underground-Künstler, obwohl er zusammen seinem Freund Al Diaz geschworen hat, niemals die Identität hinter dem Label offenzulegen. In der Graphic Novel wird auch offensichtlich, dass Jean-Michel stets im Konflikt mit sich, seinem Kunstverständnis und den Erwartungshaltungen der Mäzene und Gönner*innen stand. Veranschaulicht wird dieser Konflikt in der visuellen Darstellung eines imaginären Gesprächspartners (das Gewissen), eine Referenz an Basquiats afrikanische Bildsprache und Symbolik, die er mit der für die Bewegung charakteristischen Aktionsmalerei und lebhafter Farbgebung vermischte. Deutlich wird auch das Gefühl nicht verstanden zu werden, vermischt mit den wahnhaften, narzisstischen Episoden, verstärkt durch Drogenkonsum. Als Teil der neoexpressionistischen Bewegung kommt er in Kontakt mit Andy Warhol und wird von der Presse als eine Marionette herabgesetzt und ist enttäuscht darüber, dass er nicht zu dessen Beerdigung eingeladen wurde. Am 12. August 1988 im Alter von 27 Jahren an einer Überdosis Heroin. Er stirbt mit dem Gefühl, betrogen worden zu sein. Doch am Ende hat nur er sich selbst betrogen. Sein sehr umfängliches Œuvre besteht aus über 3000 Werken. Seine Themen waren Ausbeutung, Konsumwahn, Unterdrückung, Rassismus und Polizeigewalt. Und diese haben ihn überdauert. Kurz, bunt und kompromisslos wird BASQUIATs Werdegang als Künstler visualisiert, der im Grunde mehr über das Leben nachdachte, als über Kunst. Letztendlich ist die Graphic Novel aber auch ein Streifzug durch die New Yorker Pop-/Punk-Kultur, die mit der Kunstszene verschmilzt, zum anderen auch ein Schnellschuss, um möglichst viele (Sex)Begegnungen aus obiger Szene nach einem immer-wiederkehrende Muster unterzubringen, was in der komprimierenden Form ermüdend wirkt.


Leseprobe:


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