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Alltägliche Gewalt gegen Tiere bei Thomas Storck, Europas größtem Putenerzeuger

Aufnahme im Putenstall von Gut Jäglitz am Standort Roddahn im November 2020 Foto: Animal Rights Watch
Aufnahme im Putenstall von Gut Jäglitz am Standort Roddahn im November 2020 Foto: Animal Rights Watch

Animal Rights Watch (ARIWA) veröffentlicht neues, grausames Videomaterial aus zwei Mastanlagen von Thomas Storck. Er ist Europas größter „Putenerzeuger“ und Deutschlands einflussreichster „Geflügel“-Lobbyist. Die Bilder aus zwei Standorten der Gut Jäglitz GmbH in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zeigen Puten, die totgeknüppelt oder mit einem Bolzenschneider getötet werden; Puten, die langsam und qualvoll sterben; Puten, die wie Fußbälle zum Schlachttransport getreten werden und denen Arbeiter zum Spaß die Schwanzfedern ausreißen. All das ist Alltag, nicht nur in diesen Putenmastbetrieben.

Bereits im Dezember hat ARIWA erschreckende Aufnahmen aus einem der beiden Betriebe veröffentlicht1. Spiegel Online berichtet exklusiv mit dem neuen Videomaterial.

Warnhinweis: Einige der Bilder können verstörend wirken

Versteckte Kameras filmten erneut schreckliche Szenen an zwei Standorten der Gut Jäglitz GmbH & Co. Agrar KG in Roddahn (Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg) und Goldberg (Ludwigslust-Parchim, Mecklenburg-Vorpommern). Mit einem Knüppel prügeln Arbeiter auf kranke und schwache Puten ein. Mit zertrümmertem Schädel und hilflos flatternd leiden die Tiere noch minutenlang. „Diese Puten sterben als „Ausschuss“, weil eine medizinische Behandlung zu teuer wäre“, erklärt Sandra Franz, Pressesprecherin von ARIWA.

Pute erschlagen: Aufnahme im Putenstall im November 2020 Foto: Animal Rights Watch
Pute erschlagen: Aufnahme im Putenstall im November 2020 Foto: Animal Rights Watch

Auch beim sogenannten „Ausstallen“, dem Verladen für den Transport zum Schlachthof, werden viele Tiere brutal getreten und in den wartenden LKW geworfen. Arbeiter bewerfen sich zum Spaß mit Schwanzfedern, die sie den Puten ausgerissen haben. Andere Arbeiter versuchen Tieren, die den Weg zum Schlachthof nicht mehr schaffen, noch in den Masthallen den Hals mit einem Bolzenschneider zu durchtrennen. Die Tiere werden einem minutenlangen Todeskampf überlassen.

Neben der Gut Jäglitz GmbH & Co. Agrar KG mit rund einem Dutzend Mastbetrieben besitzt Thomas Storck auch Europas größtes Putenvermehrungsunternehmen: Moorgut Kartzfehn2. Zugleich agiert er als Präsident des Verbandes Deutscher Putenerzeuger (VDP) und Vizepräsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). „Thomas Storck ist als Betreiber dieser Anlagen für das Leid von vielen hunderttausend Puten jedes Jahr verantwortlich. Und als Lobbyist behauptet dieser Mann wörtlich, Deutschland hätte die ‚besten Haltungsbedingungen der Welt‘3. Sein politisches Ziel ist klar“, folgert Franz: „Alles soll so bleiben, wie es ist. Damit dieses grausame Geschäft rentabel bleibt, für ihn und die gesamte Branche.“

Totgepickt: Aufnahme im Putenstall im November 2020 Foto: Animal Rights Watch
Totgepickt: Aufnahme im Putenstall im November 2020 Foto: Animal Rights Watch

Denn Zustände wie diese sind keine Ausnahme. Tote, kranke und verletzte Puten gehören in jeder deutschen Mastanlage zum Alltag. Gelenkentzündungen, Knochenprobleme, Brustblasen, Federpicken, Kannibalismus und hohe Sterberaten sind direkte Folgen der in Deutschland üblichen Mastbedingungen. Die betroffenen Tiere sind von vornherein als „Verluste“ einkalkuliert. Und wer nicht von alleine stirbt, wird auf brutale, häufig illegale Weise getötet. „Diese Aufnahmen zeigen kein individuelles Fehlverhalten, sondern das Prinzip, nach dem diese gewalttätige Branche funktioniert“, so Franz weiter.

Die Bilder der versteckten Kameras zeigen auch, warum Veterinärkontrollen keine Lösung, sondern ein Teil des Problems Tierindustrie sind. Zufällig filmten sie im gleichen Zeitraum die Kontrolle einer Masthalle mit mehr als tausend Puten. Diese „Kontrolle“ dauerte nicht mehr als vier Minuten – in denen sich die Veterinäre zudem kaum von der Stelle bewegten. Kein Wunder, dass die massiven Verletzungen, Wunden und Erkrankungen der Tiere kaum jemals auffallen.

„Das Beispiel zeigt: Effektive Kontrollen sind nicht möglich und oft auch gar nicht gewollt“, schließt Sandra Franz und betont: „Erst wenn Tiere nicht länger als Ware gelten, kann mit solchen Bildern Schluss sein. Deshalb fordern wir eine echte Agrarwende, weg vom System der Tierausbeutung und hin zu einem ökologischen Pflanzenbau ohne jede Tiernutzung.“


Fußnoten:

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