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AIB #130

AIB #130
AIB #130

AIB #130
72 DIN-A-4 Seiten; € 3,50.-
AIB, Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin
https://www.antifainfoblatt.de/
Die aktuelle Ausgabe thematisiert Rap und Politik. Alex Barbian skizziert die Rap-Geschichte, beschreibt die Rapmusik als   eine Form der Erzählkunst und Sprachrohr der Black Community, als Protestinstrument, als Grundsäule für Kunst und als ambivalente Kultur mit linkspolitischer, emanzipatorischer Grundhaltung und fortlaufenden Debatten über nationalistische Standpunkte, sexistische Inhalte und andere regressive Entgleisungen.

Seit etwa 2011 versuchen rechte Ideolog*innen und Neonazis - teils erfolgreich - Rap als Propagandainstrument zu missbrauchen. Auf der Spielwiese des sogenannten Rechtsrap tummeln sich MaKss Damage aka Julian Fritsch, Chris Ares, Fler, die Rap mit völkischem Vokabular aufheizen und ein Eintrittstor für vorwiegend unpolitische Jugendliche in die rechte Szene öffnen. Versuche der Rechten, durch Rap jugendliche Anhänger*innen zu gewinnen, hat es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben.

Gesamteindruck:

Nationaler Sprechgesang ist ein Mittel zum Zweck, um sich als eigenständige Gegenkultur zu inszenieren, kommerziell erfolgreich zu werden und von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Die Autor*innen AMGJ fragen völlig zurecht, wie es nationalistische Töne immer wieder schaffen, unsere Aufmerksamkeit so zu bündeln, dass wir für andere Themen kaum Kapazitäten haben(...)."  
Rap und Migration sind keine neue Symbiose. Im aufgeführten Fallbeispiel von Cashmo wird deutlich wie die Rekonstruktion des Skandaldiskurses um migrantischen-nationalistischen Rap medienwirksam funktioniert.
Im beigelegten "Interviews" Extra-Blatt kommen Alice Dee und Ilhan44, Hannes Loh und Murat Güngor, sowie Chaos One und Adé Bantu zu Wort, die über Rassismus, Sexismus, Homophobie im Rap diskutieren, über Verantwortung und Interventionsmöglichkeiten, Sprache und Empowerment. Ich hätte mir noch weitere Fallbeispiele gewünscht und eine konkrete Diskursanalyse zwischen Zeckenrap, Migrant*innen-Rap und Gangsta-Rap. Rap funktioniert für viele Migrant*innen als Identitätskultur. Über die Sprachinhalte werden mit Szene-Sprache soziale Ungerechtigkeiten und die Multidimensionalität von Kriminalität beschreiben, was Zugehörigkeit auslöst. Deutscher Rap ist demnach auch die Frage nach Identität und Heimat. Rechte Rapper verknüpfen den Heimatbegriff mit Themen wie Patriotismus, Nationalstolz, Ausgrenzung und Systemkritik. Sprache ist dabei das Hauptmedium. Meiner Meinung wäre das AIB-Kollektiv gut beraten gewesen, den zerfahren Inhalt zum Schwerpunkt auf ein spezielles Thema zu lenken: Rap und (Anti)Feminismus oder Rap und Migration anstelle des sehr allgemeinen Rap und Politik-Themas wären dabei aufschlussreicher gewesen.

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