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Wo soll das nur alles enden?

Deutschland 2024. Eine gespaltene Gesellschaft, in der vermehrt offene rechte Gedankenwelten zum Ausdruck gebracht werden. Umgedrehte Galgen oder sogenannte Galgenbanner, die  viele vielleicht als provozierendes Symbol von der Punkband TERRORGRUPPE her kennen, die dem „deutschen Volke“ (sic!) das Genick brechen will. Heute dienen umgedrehte Ortsschilder und/oder sogenannte „Galgen-Banner“ als Protestaktionen, um etwaige Umsturzpläne herbeizusehnen. Und bei den derzeitigen Bauernprotesten mischen sich Vertreter*innen aus AfD, NPD und der „Querdenker-Szene“ unter, um andere von ihren rechten Gedankenwelten zu überzeugen.

„Galgen-Banner“ sind in diesem Kontext ein Indiz für ernstgemeinte Propaganda, dessen politischer Inhalt verwendet wird als Anzeichen für rechte und gewalttätige Tendenzen, eine andere Lebensrealität einzufordern. Protest und Widerstand ist richtig und wichtig. Aber Symbole wie „Galgen-Banner“ sind nicht nur Ausdruck von Bedrohungsszenarien mit der Forderung nach dem „Tod“ einer bestimmten Person oder dem Absetzen einer demokratisch gewählten Regierung, sondern führen auch dazu, dass der Protest diskreditiert wird. Es ist wichtig, dass diejenigen, die sich engagieren, die Rechte und Freiheiten anderer respektieren und ihre Botschaften auf eine Weise kommunizieren, die konstruktiven Dialog ermöglicht. Denn der Dialog und die Suche nach gemeinsamen Lösungen sind oft wirkungsvoller als konfrontative Ansätze. Weiterhin gilt für mich aber auch: Kein Dialog mit Neo-Nazis und der extremen Rechten. Der Dialog mit extrem rechten Gruppen/Personen kann beitragen, ihre Ideologien zu normalisieren oder zu legitimieren. Durch die Teilnahme an Gesprächen oder in Polit-Takshows könnten rechte Ansichten als akzeptabler Teil des Diskurses erscheinen. Solange Faschisten wie der AfD-Politiker Björn Höcke „die Sehnsucht der Deutschen nach einer geschichtlichen Figur“ (stillen will), „welche einst die Wunden im Volk wieder heilt, die Zerrissenheit überwindet und die Dinge in Ordnung bringt(…)“ und damit die Sehnsucht nach dem Führer-Prinzip propagiert, bleiben extrem rechte Gedankenwelten salonfähig, insofern, als sie in Protestkulturen Einzug halten. Extrem rechte Gedankenwelten sind oft geprägt von Ideologien, die auf ethnischen, kulturellen oder nationalen Überlegenheitsansprüchen basieren und die nicht nur von Björn Höcke propagiert werden. So finden sich immer öfter offen zum Ausdruck gebrachte und von Gewalt geprägte Aktionen gegen Menschen, die nicht in das extrem rechte Muster passen. Der Fokus auf autoritäre Führungsstrukturen, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Homophobie, Verschwörungsideen, Gewaltbereitschaft lässt jedes Grad an Menschlichkeit vermissen. Das widerspricht grundlegenden Prinzipien der Menschenrechte, der Gleichberechtigung und der Würde jedes Individuums. Die Förderung von Bildung, Dialog und einer offenen Gesellschaft, die Vielfalt schätzt, kann dazu beitragen, extrem rechte Ideologien einzudämmen. Darauf muss der Fokus gelegt werden und da sind wir alle gefragt, um persönliche Rechte und Freiheiten zu schützen. Nicht, dass es hinterher wieder heißt: „Wir haben von all dem nichts gewusst!“