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Tierbefreiung #108

Tierbefreiung #108
Tierbefreiung #108

Tierbefreiung #108
88 DIN-A-4-Seiten; €4,00.-  
die tierbefreier e.V., Postfach 160132, 40564 Düsseldorf
http://www.tierbefreier.de/
Viele Krankheiten werden vom Tier auf den Menschen übertragen. Manche sind harmlos, andere tödlich. Bislang sind etwa 200 Zoonosen bekannt und es werden mehr. Ein Grund: Wir dringen in für uns fremde Lebensräume ein. Der aktuelle Schwerpunkt untersucht mit "Zoonosen" Krankheiten, die Speziesgrenzen überschreiten. Viren, Bakterien, Parasiten oder Prionen sind Auslöser für Zoonosen. Ebola, Vogelgrippe, die Pest, BSE oder auch Tollwut - Erkrankungen, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden, sind sogenannte Zoonosen.

Eine Zoonose kann nicht nur durch direkten Kontakt vom Tier auf den Menschen überspringen, sie kann auch über die Luft transportiert werden oder über kontaminierte Lebensmittel. Solche Krankheitserreger können in tierischen Produkten wie Milch, Fleisch oder Eiern stecken. Eine weitere Variante sind sogenannte Vektoren. Sie transportieren den Erreger vom Wirt auf den Menschen, erkranken aber selbst nicht. Zecken sind solche typischen Vektoren. Spätestens seit SARS im Jahr 2003 beschäftigen sich Wissenschaftler*innen mit Wildtieren, in denen verschiedene Krankheiten ihren Ursprung haben. Dabei sind vor allem Nagetiere und Fledermäuse in den Fokus der Wissenschaftler*innen geraten.
Globalisierung, weltweiter Handel und Reiselust haben dazu geführt, dass sich Menschen aus verschiedenen Kulturen und Kontinenten näher kommen. Und wir brauchen mehr und mehr Rohstoffe und Platz. Wir roden Regenwälder, zerstören Ökosysteme und nehmen damit vielen Wildtieren den Lebensraum.  
Seit dem der SARS-CoV-2 Virus eine weltweite Pandemie ausgelöst hat, sind weltweit über 1. Mio Menschen (Stand Oktober 2020)  an den Folgen verstorben.  In vielen Fällen wäre ein tödlicher Verlauf dieser Krankheit vermeidbar gewesen, wenn die Gesundheitssysteme nicht neoliberaler Sparpolitik zum Opfergefallen wären. Mehrere Aktivist*innen haben sich zum Bündnis für gesellschaftliche Tierbefreiung zusammengeschlossen, um im Kontext der Corona-Krise Forderungen zu formulieren, die Wege aus der Krise aufzeigen.
Das Bündnis fordert einen grundlegenden sozialen Wandel hin zu einer Gesellschaft, in der Ausbeutung, Unterdrückung und soziale Ausschließung aller Menschen wie Tiere und die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen beseitigt sind. Hierzu hat das Bündnis einen Forderungskatalog erstellt (https://tierbefreier.org/wp-content/uploads/2020/06/Forderungen-BfgT-zu-Corona.pdf).
Ein weiterer Artikel untersucht Rassismen im Kontext von Infektionskrankheiten. Seit sich das Coronavirus ausbreitet, gibt es weltweit und auch in Deutschland zahlreiche Fälle von rassistischen Beleidigungen und Diskriminierung gegenüber Menschen, denen eine chinesische oder auch ganz allgemein eine asiatische Herkunft unterstellt wird – auch tätliche Angriffe sind darunter. Autorin Ina Schmitt stellt fest, dass Rassismus im Zusammenhang mit Infektionskrankheiten viele Gesichter hat und sich in Stereotypen und der Verfolgung von "Sündenböcken" äußert. Laut Opferberatungsstellen häufen sich Beschwerden über Diskriminierung - auch von Menschen mit Behinderung. Und seit den sogenannten "Querdenker"-Demos" werden antisemitische, rassistische Ressentiments propagiert. Die Bewegung glaubt an eine Weltverschwörung durch geheime Eliten, laut derer Satanist*innen und Juden einen internationalen Kindermissbrauchsring betrieben. Unter den Demo_Teilönehmer*innen mischen sich extrem rechte Personen und Aktivist*innen von AfD, NPD, Der dritte Weg, der Identitären Bewegung. Ina schlussfolgert, dass die Pandemie "uns nicht nur soziale Ungleichheiten (offenbart), sie zeigt uns auch, was wirklich wichtig ist: Gesundheit, Solidarität, Zusammenhalt."

Gesamteindruck:

Die Corona-Situation gehört zu den tiefgreifenden   Krisen unserer gegenwärtigen Gesellschaft. Wie beispielsweise auch die Klimakrise steht sie im engen Zusammenhang mit den kapitalistischen Bedingungen unserer Produktion und Reproduktion. Die  Krisen werfen alte gesellschaftliche, politische und philosophische Fragen neu auf. Der Themenschwerpunkt legt offen, dass der Eingriff der Menschen in die Ökosysteme die Entstehung von Zoonosen begünstigt, weil der Mensch Lebensräume für sich beansprucht, umgestaltet, natürliche Lebensräume für nichtmenschliche Lebewesen vernichtet und immer mehr Möglichkeiten für den Kontakt zwischen Menschen und potenziellen Wirten menschlicher Krankheiten schafft. Zur Vorsorge gegen solche Krisen müssten Mensch, Tier und Umwelt zusammen in den Blick genommen werden. Pandemien sind menschgemacht. Und weil Zoonosen meist in Verbindung mit dem Verzehr von Wildfleisch stehen, also Wildtierhandel, mit Massentierhaltung oder Umweltzerstörung oder Veränderungen der Landnutzung ist es unsere Pflicht, die verbleibenden Naturräume zu bewahren und Antworten finden,  die der Überzeugung gerecht werden, dass alle – und zu diesen allen gehören auch die Tiere – das gleiche Recht auf Freiheit, Leben und Solidarität haben.

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